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Portrait SixtIm Gespann erfolgreich

Wie „Tintenfisch und Fangarm“: Die Rollen von Erich und Regine Sixt sind eindeutig festgelegt. Er ist der Vorstandschef des Autovermieters, sie kümmert sich ums internationale Marketing.Joachim Hofer 30.01.2014 - 08:32 Uhr Artikel anhören

„Ich bin ganz zuversichtlich, dass die Firma ganz erfolgreich weiterlaufen würde, falls ich morgen mit dem Flugzeug abstürze“. Erich Sixt, Vorstandschef und Mehrheitseigentümer mit seiner Frau Regine.

Foto: Peter Bischoff

München. Ein Gespräch über seine Lieblingsautomarke ist schnell vorüber. Fahrzeuge, meint Erich Sixt, seien für ihn lediglich Mittel zum Zweck, lange Zahlenkolonnen, Abschreibungsobjekte, die erst gekauft oder geleast, dann vermietet und zum Schluss an die Hersteller wieder zurückgegeben werden.

Vielleicht ist es jener nüchterne Blick auf der Deutschen liebstes Kind, der Sixt zum größten Autovermieter des Landes gemacht hat. Mercedes, Audi oder BMW? Erich Sixt ist das egal, solange er mit den Wagen Geld verdient.

Schon 1986 ist der Unternehmer aus dem Münchener Vorort Pullach an die Börse gegangen. Wie jeder andere Konzern auf dem Parkett veröffentlicht Sixt seither Quartalszahlen, hält Hauptversammlungen ab. Doch tief im Innersten ist Sixt ein Familienunternehmen geblieben.

Natürlich gibt es wie vom Aktiengesetz vorgeschrieben Vorstand und Aufsichtsrat. Doch es ist keine Frage, wer das Sagen hat: Erich Sixt. An seiner Seite allerdings ist seine Frau Regine, die eine wesentliche Rolle spielt. Ihr Mann sei der Tintenfisch der Firma, "und ich bin einer seiner Fangarme", sagte Regine Sixt einmal in einem Interview.

Im Jahr 1912 gründet Martin Sixt in München das Unternehmen „Sixt Autofahrten und Selbstfahrer“ als erste Autovermietung Deutschlands.

(Foto: Homepage Sixt)

Foto: Handelsblatt

Mit nur drei Autos, darunter Mercedes sowie Luxus-Deutz-Landaulets, startet der Unternehmer damals. Im Visier hat er vermögende Kunden. Im ersten Weltkrieg wird die Flotte konfisziert und dem Deutschen Heer zur Verfügung gestellt. 1927 übernimmt dann der Neffe des Gründers, Hans Sixt, die Leitung des Unternehmens. Bei Ausbruch des zweiten Weltkriegs konfisziert die deutsche Wehrmacht alle Sixt-Mietfahrzeuge. Nur ein siebensitziger Mercedes 230 Landaulet übersteht die Kriegswirren in einer oberbayerischen Scheune.

(Foto: Homepage Sixt)

Foto: Handelsblatt

Nach dem Zweiten Weltkrieg startet das Unternehmen neu – zunächst als Taxi-Flotte für amerikanische Truppen – und wird in „Auto Sixt“ umbenannt. Unter Hans Sixt, ein Unternehmer mit Leib und Seele, werden im Jahr 1948 die ersten Funktaxis Europas eingeführt. Innovativ ist auch das erste Leasingprogramm Deutschlands im Jahr 1967 – schon damals setzt das Unternehmen konsequent auf enge Kooperationen mit Autoherstellern.

(Foto: Homepage Sixt)

Foto: Handelsblatt

Erich Sixt, der heutige Vorstandsvorsitzende, übernimmt 1969 in dritter Generation die Leitung und baut das Unternehmen kontinuierlich aus. 1970 werden auch Lkws in die Flotte aufgenommen. Geld, so sagt er vor einigen Jahren in einem Interview, sei nicht seine Triebfeder, sondern eher „die Selbstbestätigung. Ausloten, wie weit kommt man. Wie ein Bergsteiger“, erklärt er.

Foto: Peter Badge

Zusammen mit seiner Ehefrau Regine Sixt, die 1976 in das Unternehmen eintritt, startet Sixt die Präsenz an allen deutschen Flughäfen, knüpft weitere Beziehungen zu namhaften Hotels und Fluggesellschaften weltweit und setzt den Innovationskurs mit der Einführung von Anmiet-Automaten (Sixt Express) fort. Im Jahr 1991 startet Regine Sixt, von Beruf Diplom-Dolmetscherin, die internationale Expansion und baut die Präsenz des Unternehmens zügig aus. Heute ist Sixt in mehr als 100 Ländern weltweit vertreten.

Foto: Karl SchÀÜndorfer

Jahr 1986 geht Sixt an die Börse und firmiert als Sixt Aktiengesellschaft. Erich Sixt übernimmt den Vorstandsvorsitz. Zu Beginn der 1990er Jahre erreicht Sixt die Marktführerschaft in Deutschland. 2013 wird die Umwandlung der Sixt AG in die Rechtsform einer Europäischen Gesellschaft unter der Firma Sixt SE (Societas Europaea) beschlossen und ins Handelsregister eingetragen.

Foto: picture alliance / ZB

Im Jahr 2000 gründet Regine Sixt die Regine Sixt Kinderhilfe e.V. in München und wandelte sie im Jahr 2011 in eine Stiftung um. Unter dem Motto „Tränchen trocknen“ unterstützt sie weltweit Projekte für Kinder in Armut und Not. Die Regine Sixt Kinderhilfe Stiftung ist heute das offizielle Corporate Social Responsibility-Programm in allen Ländern weltweit, in denen Sixt vertreten ist.

Foto: Sixt

Im Jahr 2009 tritt die vierte Generation der Familie Sixt in das Unternehmen ein: Alexander Sixt (oben hinten) übernimmt die Leitung der Konzernentwicklung, Konstantin Sixt (rechts) verantwortet seitdem das gesamte Internetgeschäft, das für Sixt von zentraler Bedeutung ist.

Foto: PR

Im Jahr 2011 erweitert Sixt seine Dienstleistungen auf den Bereich Premium-Carsharing und gründet zusammen mit dem Autohersteller BMW das Joint Venture DriveNow.  

Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt

Ebenfalls im Jahr 2011 erhält das Ehepaar den Bayrischen Verdienstorden: Ministerpräsident Horst Seehofer überreicht die hohe Auszeichnung im Rahmen einer Feierstunde in der Residenz München und ehrt beide Persönlichkeiten als „leuchtende Vorbilder“ – für ihr unternehmerisches Geschick und ihren wirtschaftlichen Erfolg.

Foto: (c)DominikBeckmann/BrauerPhotos

Inzwischen hat das Ehepaar Sixt das Unternehmen zum größten deutschen Autovermieter mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro (2012), über 3.000 Mitarbeitern, mehr als 150.000 Fahrzeugen und fast 2.000 Stationen der Marke auf der ganzen Welt geführt.

Foto: picture alliance/dpa

Bis 2016 läuft der Vorstandsvertrag von Erich Sixt. Spekulationen, wonach er sich aus Altersgründen demnächst von der Spitze zurückzieht, tritt er entgegen und verweist auf seine geistige Fitness. Zitat: „Alt sind Sie erst dann, wenn Sie Ihre geistige Beweglichkeit verlieren und sagen: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Ich dagegen bin immer bereit zur Revolution.“

Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt

Konkret heißt das: Das Gesicht des Unternehmens ist Erich Sixt, der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsaktionär. Doch auch Frau Regine sowie die beiden Söhne besetzen Schlüsselpositionen. Regine Sixt ist fürs internationale Marketing zuständig. Sie ist zudem in der Tourismusbranche glänzend vernetzt, hält den Kontakt zu Hotels und Airlines und kümmert sich um die Franchisepartner in aller Welt. "Wir haben immer als Team gearbeitet", sagt Regine Sixt, wobei sie auf ihrem Feld stets selbstverantwortlich handle. Ihr Mann habe ihr immer vertraut. Für diese Teamarbeit, die das Unternehmen weltweit nach vorn gebracht hat, werden Regine und Erich Sixt in die Handelsblatt Hall of Fame der Familienunternehmen aufgenommen, die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unterstützt wird.

"Ohne meine Frau wäre der Erfolg nicht zustande gekommen", betont Erich Sixt. Und fügt an: "Wir haben eine sinnvolle Aufgabenteilung gefunden." Das gilt wohl auch für den Nachwuchs. Alexander Sixt, 34, leitet den Einkauf, die Konzernentwicklung und Strategie. Damit ist der Ältere der Sixt-Brüder zuständig für wichtige Zukunftsprojekte wie Drive Now, das gemeinsam mit BMW betriebene Carsharing-Programm. Konstantin Sixt, 31, treibt das Geschäft im Internet voran und verantwortet im Geschäftsfeld Autovermietung den Vertrieb im Kernmarkt Deutschland. Ohne die Familie geht also nichts bei Sixt.

Erich und Regine Sixt

Die Mietwagen-Pioniere

Erich Sixt führt das Unternehmen in der dritten Generation. Doch erst unter seiner Regie gelang es, das 1912 gegründete Unternehmen zu einem weltweit bekannten Namen zu machen. Begonnen hat alles vor genau 102 Jahren mit drei Limousinen, die Martin Sixt in der Münchener Innenstadt stationiert hatte. Doch der Erste Weltkrieg brachte das Geschäft schnell zum Erliegen. Anschließend ging es zwar wieder los, 1939 konfiszierten aber die Nazis die Fahrzeuge. Der Neffe von Martin Sixt, Hans, versteckte jedoch drei Wagen, ehe er an die Front musste. Mit denen startete der Vater von Erich Sixt nach Kriegsende zunächst eine Taxifirma, 1951 dann den Vermieter "Auto Sixt".

1964 stieg Erich Sixt in die Firma ein. Damals zählte der Fuhrpark 200 Wagen. "Mein Traum damals war: ich möchte 1 000 Autos vermieten", erinnert sich Sixt. Das dauerte gar nicht so lange, denn Sixt hatte bald seine erste zündende Idee: Er führte das Auto-Leasing in Deutschland ein. "Unglaublich schnell", erinnert er sich, habe er den ersten Auftrag des Münchener Unternehmens Krauss-Maffei über 200 Mercedes-Limousinen gehabt. Dann allerdings musste er die Banken abklappern, um die ganze Sache zu finanzieren. "Das war schon ein Abenteuer." 1971 hatte er sein Ziel mehr als übertroffen, da gehörten dem jungen Mann 2 000 Autos.

Heute ist das orange-schwarze Logo in über 100 Ländern zu sehen, mehr als 200 000 Wagen fahren unter der Flagge von Sixt, der Umsatz liegt bei 1,6 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Treiber des Wachstums war die Reklame. Nach dem Krieg warb die Firma in ganzseitigen Zeitungsanzeigen vor gemalter ländlicher Kulisse mit dem Spruch: "Grün ist die Heide, das Schaf denkt: Verflixt! Wann krieg ich meinen Mercedes von Sixt?"

Heute sind die Botschaften oft provokant. So wie im Fall des jahrelang gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehaltenen Gustl Mollath. "Wenn jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen", dichteten die Werber von Sixt neben einem Bild des ehemaligen Werkstattbesitzers.

Geschmacklos? Das findet Erich Sixt heute auch. "Ein Fehler, keine Frage", sagt er. "Wir hatten die ethischen Konsequenzen nicht bedacht. Ich habe das hinterher sehr bedauert."Doch Sixt sieht es als eine seiner Stärken, dass er nie mit der Reklame aufhört. "Wichtig ist, dass man das stur durchzieht." Egal, ob es einem wirtschaftlich gerade gut gehe oder schlecht.

"Das Unternehmen ist mein Leben", sagt Erich Sixt. Das gilt auch für seine Frau Regine. Der Unterschied: Sie hat noch jede Menge Verpflichtungen außerhalb. Zum Beispiel als Honorargeneralkonsulin von Barbados. In dem Karibikstaat hat schon Hans Sixt jahrelang den Winter verbracht, und auch Regine Sixt ist in der kalten Jahreszeit gerne in ihrem Haus auf der Trauminsel. Dort hat sie illustre Nachbarschaft in dem Sänger Cliff Richard. Der Engländer hat auch den Song "With the eyes of a child" ihrer Kinderhilfe-Stiftung gewidmet, in der sich die Managerin seit Jahren engagiert.

In der Öffentlichkeit am bekanntesten aber ist vermutlich ihre "Damenwies’n". Jedes Jahr tauschen sich auf Einladung von Regine Sixt mehr als 1 000 Frauen bei einem nachmittäglichen Treff im Hippodrom-Zelt des Oktoberfests aus. Alle Spenden des Events fließen in die Stiftung, wie auch die Einnahmen vieler anderer Wohltätigkeits-Veranstaltungen.

Keine Frage: Regine Sixt versteht es zu feiern. Sie kennt Promis wie den Musikproduzenten Leslie Mandoki und schüttelt auch schon einmal der Queen bei einem Konzert in der Royal Albert Hall die Hand. "Ich bin ständig auf Reisen, um Sixt in die Welt hinaus zu tragen", erklärt sie. Der Aufsichtsrat von Sixt und Chef des Modedienstleisters Katag, Daniel Terberger, sagt über sie: "Unternehmer ist man durch Haltung, Herz und Verantwortung, und das alles hat Regine Sixt."

Doch auch ein wenig Glamour gehört für Regine Sixt immer dazu. Erich Sixt überlässt diesen Part gerne seiner Gattin, ihm ist die Welt des Jetsets eher fremd. "Familienunternehmer müssen bescheiden sein", betont er.

Seine Gedanken kreisen denn auch mit 69 Jahren stets darum, wie er seine Firma weiterbringen kann. "Der Besitz eines Autos hat nicht mehr den Stellenwert, den er noch vor zehn Jahren hatte", sagt er. Daher treibt er das Geschäft mit dem Carsharing voran. Auch die Expansion in den USA steht ganz oben auf seiner Agenda.

Für Manager von außen ist es nicht immer einfach im Hauptquartier im Münchener Vorort Pullach. Der Führungsstil des Mannes mit dem spitzbübischen Lächeln gilt als hemdsärmelig. Der Unternehmer, der vier Semester Betriebswirtschaft studiert hat, traut keinen Theorien.

Das Karussell der Führungskräfte dreht sich in der Firmenzentrale mitunter schnell. In der Krise 2009 schasste Sixt gleich beide Vorstände für Finanzen und Vertrieb, im Oktober 2012 verließ erneut der Vertriebsvorstand das Unternehmen.

Doch wer mit der Familie Sixt gut kann, der bleibt lange. Detlev Pätsch etwa ist seit 1986 im Unternehmen, im Vorstand sitzt der Diplom-Volkswirt inzwischen mehr als 20 Jahre.

Dynamisch wie eh und je, denkt Sixt, noch nicht einmal ansatzweise daran, das Lenkrad abzugeben. "Beide Söhne machen einen guten Job", sagt er. Aber eine Garantie, dass sie einmal an die Spitze kommen gibt er nicht.

Eins ist Erich Sixt ganz wichtig. Unersetzlich, das sei er nicht. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass die Firma ganz erfolgreich weiterlaufen würde, falls ich morgen mit dem Flugzeug abstürzte."

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