Standortattraktivität: Zukunft im Fokus – verliert Europa den Anschluss?
Düsseldorf, Wien. Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine, steigende Inflation, hohe Zinsen, teure Energie, komplexe Gesetzeslage und immer mehr Regulatorik, wachsender Populismus und in wichtigen Wirtschaftsnationen der Europäischen Union stehen die Zeichen auf Stagnation oder sogar Rezession. Die EU ist mit multiplen Krisen konfrontiert.
Aktuellen Zahlen des Handelsblatt Research Institutes (HRI) zufolge steht der deutschen Wirtschaft ein Jahr mit roten Zahlen bevor. Die HRI-Ökonomen erwarten, dass die Wirtschaftsleistung nach dem Rückgang 2023 auch in diesem Jahr sinken wird – und zwar um 0,2 Prozent. Für 2025 rechnet das Institut lediglich mit 0,2 Prozent Wirtschaftswachstum. Demgegenüber geht das Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nach eigener Einschätzung nur von einer stagnierenden deutschen Wirtschaft in 2024 aus und prognostiziert eine etwas bessere Aussicht. Das liegt an erwartbaren Zinsschritten der Europäischen Zentralbank (EZB).
Doch die Hauptprobleme für Deutschlands schwächelnde Wirtschaftsleistung sind die Dekarbonisierung, Deindustrialisierung und Deglobalisierung. Dieselben Gründe treffen auf die Europäische Union als zweitgrößten Volkswirtschaftsraum der Welt zu. Seit Jahren leidet die Standortattraktivität unter einer zunehmenden Regulierungswut durch Gesetze, Vorschriften und Verbote sowie hohen Aufwand für Bürokratie. Dabei ist sich die EU in vielen Gesetzesbemühungen uneinig, oft zu Lasten der Unternehmen.
Das zeigte jüngst die zunächst gescheiterte Abstimmung im EU-Ministerrat um das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Durch das Gesetz sollen Unternehmen Verantwortung für die Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten entlang ihrer gesamten Lieferkette verpflichtet werden. Mehrere Jahre lang passten Firmen ihre Offenlegungspflichten und Datenerhebungen an die Gesetzesvorlage an, doch bei der Abstimmung im EU-Ministerrat Mitte Februar erhielt das Vorhaben keine Mehrheit. Erst im zweiten Anlauf einige Wochen später wurde es dann angenommen.
Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sieht die Entwicklungen in Europa mit großer Sorge und appelliert. „Wenn die EU und ihre Mitgliedstaaten ein attraktiver Standort bleiben wollen, müssen sie ihr Geschäftsmodell für die Welt von morgen neu ausrichten.“
Von Harald Mahrer erfahren Sie in dieser Folge ‘So klingt Wirtschaft‘…
- welche Hürden der WKÖ-Experte bei der EU sieht,
- wie er die aktuellen Herausforderung der EU lösen würde,
- warum Europa als Standort weiterhin attraktiv ist
- und wie er den europäischen Wirtschaftsgeist der Zukunft beschreibt.
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