Costa-Offizier sagt aus: Schettino ließ Küstenwache belügen
Francesco Schettino, Kapitän des Unglücks-Schiff Costa Concordia, ist mit heftigen Vorwürfen konfrontiert.
Foto: dapdRom/Grosseto. Der Kapitän des vor der Toskana-Insel Giglio gekenterten Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ hat offenbar seine Mannschaft angewiesen, die Küstenwache über das Ausmaß des Unglücks zu belügen. Der erste Offizier Ciro Ambrosio habe dies ausgesagt, berichteten mehrere italienische Medien am Samstag unter Berufung auf Verhörprotokolle. „Kapitän Schettino hat uns befohlen, der Küstenwache zu sagen, dass alles unter Kontrolle sei“, sagte Ambrosio laut der Tageszeitung „Corriere della Sera“. Francesco Schettino werden unter anderem fahrlässige Tötung und das vorzeitige Verlassen des Schiffs vorgeworfen.
Sieben Wochen nach der Havarie sind die Ermittlungen in die nächste Phase eingetreten. Hunderte Anwälte, Passagiere, Ermittler und Sachverständige kamen am Samstag im toskanischen Grosseto zum Beweissicherungs-Verfahren zusammen. Sie begannen mit Verfahrensfragen, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa aus Grosseto berichtete.
Der unter Hausarrest stehende Kapitän Francesco Schettino (52) erschien nicht. Sein Mandant hätte um seine Sicherheit bangen müssen, meinte sein Anwalt Bruno Leporatti. Ermittler werfen Schettino mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie, Verlassen seines Schiffes während der Evakuierung sowie mangelnde Kommunikation mit dem zuständigen Hafenamt in Livorno vor. Schettinos Vertreter gelangten durch eine Hintertür in die Halle. Wegen des starken Andrangs wurde die nichtöffentliche Anhörung in einen größeren Theatersaal verlegt, der von der Polizei abgeriegelt wurde.
„Gerechtigkeit und Wahrheit“ verlangten zahlreiche Geschädigte der Havarie. „Schettino ist ein Krimineller“, meinte eine Passagierin der „Costa Concordia“. Wegen des starken Andrangs war der nichtöffentliche Termin in einen Theatersaal gelegt worden.
Alle neun Personen, gegen die ermittelt wird, waren nicht anwesend: Dabei handelt es sich um Offiziere des Schiffes und Vertreter der Costa-Reederei. Das Kreuzfahrtschiff war am Abend des 13. Januar zu nahe an die Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war kurz danach mit mehr als 4200 Passagieren und Crewmitgliedern gekentert. 25 Leichen wurden geborgen, sieben Menschen werden immer noch vermisst.
Platz 1
Die amerikanische Reederei Royal Caribbean ist der weltweit größte Anbieter von Kreuzfahrten. Die Schiffe der Royal-Caribbean-Flotte verfügen laut Cruisemarketwatch über eine Kapazität von 62.220 Betten. Mit der „Allure of the Seas“ (im Bild) und dem nur etwas kleineren Schwesterschiff „Oasis of the Seas“ hat die Reederei zudem die beiden größten Kreuzfahrtschiffe der Welt in seinen Reihen.
Foto: dapdPlatz 2
Mit einer Kapazität von 62.000 Betten liegt die Carnival Cruise Lines nur knapp dahinter. Im Bild fährt die „Carnival Valor" publikumswirksam am berühmten Miami Beach vorbei.
Foto: apPlatz 3
Die „Golden Princess“ kann bis zu 2.600 Gäste gleichzeitig beherbergen. Die gesamte Flotte der Princess Cruises verfügt über eine Kapazität von 36.780 Gästebetten.
Foto: apPlatz 4
Die viertgrößte Reederei für Kreuzfahrten ist die italienische Costa Cruise Lines mit 36.480 Betten. Zu ihr gehört auch die Costa Concordia, die vor der toskanischen Küste gekentert ist. Im Bild ist die „Costa Favolosa" vor dem Hafen von Triest. Dort wurde das Schiff am 2. Juli 2011 im Rahmen der Feier zum 150. Geburtstag Italiens getauft.
Foto: dpaPlatz 5
Die Reederei MSC Cruise kann weltweit bis zu 27.750 Gäste gleichzeitig auf einem ihrer Schiffe willkommen heißen. Die MSC Melody (im Bild) geriet 2009 in die Schlagzeilen, als das Schiff vor den Seychellen von Piraten angegriffen wurde. Die Attacke konnte aber von Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma abgewehrt werden, die extra für die gefährliche Passage angeheuert wurden.
Foto: PressefotoPlatz 6
Auf noch 26.280 Betten kommt die Norwegian Cruise Line. Im Bild ist die „Norwegian Jewel“ zu sehen, wie sie von der Meyer-Werft in Papenburg in die Nordsee geschleppt wird. Für die Passage im August 2005 wurde extra die schmale Ems aufgestaut, damit das 294 Meter lange und 400 Millionen Euro teure Schiff überhaupt den Fluss durchfahren konnte.
Foto: dpaPlatz 7
Insgesamt 24 320 Betten verteilt auf elf Schiffe hat die Linie Celebrity Cruises. Im Bild zu sehen ist die „Century“, die Raum für 1 740 Passagiere hat und über 70 000 Tonnen wiegt.
Foto: apPlatz 8
Die „MS Westerdam“ bietet Platz für 1 916 Passagiere und wird in diesem Jahr nach Alaska aufbrechen. 23 110 Passagiere finden auf den Schiffen der Holland America Line Platz.
Foto: apPlatz 9
Der rote Mund der AIDA-Schiffe ist in Deutschland aus der Werbung bestens bekannt. Die Linie ist mit 15 900 Betten jedoch nur die neuntgrößte Kreuzfahrtlinie weltweit.
Foto: dapdPlatz 10
Die „Adonia“ der Linie P&O Cruises vor der Küste von Chile. Dem Schiff war Ende Februar das Anlegen im Hafen Ushuaia in Argentinien verboten wurden, weil es zuvor bei den Falklandinseln gehalten hatten. Die Inselgruppe ist britisches Überseegebiet, das aber von Argentinien beansprucht wird. Die Schiffe der Reederei P&O Cruises können bis zu 14 970 Passagiere beherbergen.
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Im Mittelpunkt sollte am Samstag in Grosseto die „black box“ des gekenterten Kreuzfahrtschiffes stehen. Von dem Datenschreiber erhoffen sich die Ermittler weitere Aufschlüsse über den Unfallhergang und auch darüber, wer für die Havarie verantwortlich sein könnte. Die „Costa Concordia“ war am 13. Januar vor der toskanischen Küste auf Felsen gelaufen und gekentert, 32 Menschen starben. Schettino hatte gestanden, zu nah an der Insel Giglio vorbeigefahren zu sein.
„Dies ist jetzt nicht der Ort, um den Datenschreiber wie einen Kasten zu öffnen und dann zu hören, was an dem Abend der Havarie gesprochen wurde“, hatte ein Ermittler vor allzu großen Erwartungen an das nun aufgenommene Beweissicherungs-Verfahren gewarnt. Vielmehr sollten bei dem Beweissicherungstermin die Fragen zu den registrierten Daten gestellt werden, die von Sachverständigen beantwortet werden müssen. Ihre Antworten werden nach Medienberichten allerdings erst in einigen Monaten erwartet. Die Beweissicherung ist eine Vorbereitung auf den Prozess, bis zu dessen Beginn noch viele Monate vergehen dürften.
Die im Vergleich glimpflich verlaufene Havarie eines zweiten „Costa“-Kreuzfahrtschiffes hatte die „Costa Concordia“ in dieser Woche aus den Nachrichten verdrängt: Der Brand im Maschinenraum der kleineren und älteren „Costa Allegra“ und ihr Transport zu der Seychellen-Hauptinsel Mahé brachte die Genueser Reederei Costa Crociere und ihre Kreuzfahrtschiffe erneut in die Schlagzeilen.
Etwa drei Viertel des Treibstoffs der „Costa Concordia“, überwiegend gefährliches Schweröl, sind inzwischen abgepumpt. Erst später soll entschieden werden, wie das 290 Meter lange Schiff beseitigt wird. Es könnte zerschnitten oder aber an einem Stück antransportiert werden. Vor einer ersten Anhörung am Samstag in Grosseto erklärte Staatsanwalt Francesco Verusio im Rundfunk, bei der Aufarbeitung der Katastrophe vom 13. Januar nähmen vermutlich „verfahrenstechnische Kämpfe“ den gesamten ersten Tag ein. Es gehe zunächst nicht um Verhandlungen über das Unglück, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.