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Auktionen in London und Paris Banksy toppt Picasso

Mittelmaß und verunsicherte Bieter beherrschen die Auktionen für Moderne- und Gegenwartskunst in London und Paris. Allein Banksy macht Furore.
22.10.2020 - 19:40 Uhr Kommentieren
Die freche Monet-Adaption „Show me the Monet“ war mit 7,5 Millionen Euro Spitzenlos bei Sotheby's in London. Quelle: Jonathan Brady/PA Wire/dpa
Banksy

Die freche Monet-Adaption „Show me the Monet“ war mit 7,5 Millionen Euro Spitzenlos bei Sotheby's in London.

(Foto: Jonathan Brady/PA Wire/dpa)

London Hätte vor einigen Jahren jemand vorhergesagt, dass ein Bild von Banksy, das Claude Monets Garten in Giverny kopiert, teurer ist als ein Porträt von Pablo Picasso, wäre er oder sie ausgelacht worden. Und dennoch geschah genau dies in Sotheby’s Auktionen in Paris, wo Moderne versteigert wurde und in London bei den anschließenden Auktionen für zeitgenössische Kunst.

Picassos Porträt eines Männerkopfes war das Titellos der Auktion „Modernités“, die sich der klassischen europäischen Moderne widmete. Mit 4,4 Millionen Euro wurde es an der unteren Taxe abgegeben und dennoch zum teuersten Los der Auktion. Die Schätzung lag bei vier bis sechs Millionen Euro.

In der sich direkt daran anschließenden Londoner Auktion waren es sechs Bieter von Banksys „Show me the Monet“ von 2005, die die Auktion zumindest für neun Minuten aus dem Mittelmaß erlösten. In den klassischen Monet-Garten lud der Künstler Einkaufswagen und einen Verkehrshut ab, zwei typische Banksy-Motive. Das auf vier bis sechs Millionen Pfund geschätzte Bild verkaufte sich für 7,5 Millionen Pfund an einen Kunden von Patti Wong, Chairman von Sotheby’s Asien-Abteilung.

Das asiatische Interesse ist signifikant. Liegt es an der Anlehnung an den Impressionismus? Dem ehemaligen Enfant terrible der englischen Kunstszene muss man inzwischen einen globalen Markt zugestehen, der sich neben Bildern auch auf Editionen ausweitet.

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    Am späten Abend des 21. Oktobers stand Banksys auf 40.000 bis 60.000 Pfund geschätztes Werk „Heavy Weaponry“ (Auflage 25 Exemplare) in der Online-Tagesauktion von Sotheby’s bei 25 Geboten und 250.000 Pfund – und das bereits 17 Stunden vor Auktionsende. Phillips verkaufte „Girl with Balloon“, einen Druck mit einer Auflage von 600 Exemplaren, bei der gleichen Schätzung für 214.000 Pfund.

    „Black Stripes on White“ von 2019 wurde für 94.500 Pfund versteigert. Abgebildet ist ein Ausschnitt. Quelle: Phillips London
    Otis Kwame Kyei Quaicoe

    „Black Stripes on White“ von 2019 wurde für 94.500 Pfund versteigert. Abgebildet ist ein Ausschnitt.

    (Foto: Phillips London)

    Das Interesse deutet auf einen Wandel hin. Schaute man noch vor einem Jahr auf die hochwertigen und sicheren Namen, so hielt sich bei den Auktionen in dieser Woche das Interesse daran durchweg in Grenzen. Die „Modernités“-Auktion in Paris lag mit einem Gesamtergebnis von 23,8 Millionen Euro knapp über der unteren Schätzung von 21,5 Millionen.

    Die Unsicherheit des Marktes bezüglich Waren im mittleren Segment um die eine Million Euro machte sich auch daran bemerkbar, dass vier Lose zurückgezogen wurden. Sieben weitere blieben unverkauft. Heinrich Campendonks Bild „20 Minuten vor 1 Uhr“ aus seiner Blütezeit von 1922 ging ebenso zurück wie Paul Klees „Figurine: Kleiner Fürtüfel“ von 1927.

    Besser erging es Klees abstrakter Stadtlandschaft „Villen (Versinkende) und Baracken (Aufsteigende)“ von 1923. Sie brachte 1,3 Millionen Euro bei einer Schätzung von 800.000 bis 1,2 Millionen Euro.

    Pierre Soulage wird stark nachgefragt

    Bei den Franzosen war es vor allem der mittlerweile hundertjährige Pierre Soulages, der weiterhin das Interesse des Marktes trägt. Eine Gouache von 1958 verdoppelte die Schätzung von 150.000 bis 200.000 Euro auf 351.000 Euro, und ein ebenfalls marktfrisches, kleinformatiges Gemälde von 1975 erbrachte 739.000 Euro. Die Taxe belief sich auf 500.000 bis 700.000 Euro. Insgesamt verkauften sich hier 80 Prozent der Lose.

    Die Ungewissheit darüber, was den Markt interessiert, machte sich auch in der Auktion für zeitgenössische Kunst durch zurückgezogene Lose bemerkbar. Hier waren es sechs Werke, die nicht zum Aufruf kamen, darunter Bridget Rileys unbetiteltes Schwarz-Weiß-Bild von 1966, dessen Schätzung von 5,5 bis 7,5 Millionen Pfund einen herben Verlust für das Haus darstellt.

    Es ist schwierig, aus den unverkauften Losen einen Trend zu lesen, traf es doch marktfrische Arbeiten wie Cecily Browns „Ohne Titel“ von 2015/16, die auf 1,5 bis zwei Millionen Pfund geschätzt war, oder Klassiker wie Brice Mardens „Summer Study“ von 1975 (Taxe 400.000 bis 600.000 Pfund).

    Obwohl sich bekannte deutsche Künstler noch behaupten, blieben die Preise im Rahmen der Schätzung. Die deutsche Sotheby’s-Spezialistin Bastienne Leuthe ist erleichtert, dass sich das Haus „wacker geschlagen“ hat. Im Gespräch mit dem Handelsblatt führt sie aus, dass die Weltwirtschaftskrise die Auktionen in Europa beeinflusst und dass der Handel, der bei Künstlern wie zum Beispiel Georg Baselitz den Unterbau auch bei Geboten bietet, zurzeit inaktiv ist.

    Ein Wechsel im Geschmack

    Sotheby’s hatte eine Verkaufsrate von 83 Prozent und erzielte 47,8 Millionen Pfund. Phillips verkaufte in seiner Auktion mit Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwartskunst am Vorabend 95 Prozent und setzte 26,3 Millionen Pfund um. Hier stammte von den 38 angebotenen Losen ein Drittel aus den letzten zehn Jahren.

    Es sind die jungen Künstler, die Gebote auf sich ziehen und deren Schätzungen oftmals verdoppelt oder verdreifacht werden. Mag es sich bei dem Interesse vor allem an Künstlern mit afrikanischen Wurzeln auch teilweise um Spekulation handeln, so reflektiert es doch vielleicht auch eine Müdigkeit an den immer wieder gehandelten Namen.

    Ein Wechsel in der Käuferschicht und damit auch im Geschmack zeichnet sich sicher ab. Bastienne Leuthe betont, dass bei Sotheby’s 23 Prozent der Bieter und Käufer unter 40 Jahren alt waren.

    Laut Cheyenne Westphal, Chairman bei Phillips, gab es 211 Prozent mehr Registrierungen für Onlinegebote als im Vorjahr. „Wir sehen einen signifikanten Anstieg an Onlinegeboten auch in der Abendauktion, vor allem für die meistgesuchten Namen am Anfang der Auktion. So verkaufte sich Salman Toor, der vorher noch nie versteigert wurde, aber international große Aufmerksamkeit fand, an einen Bieter online in Taiwan. Und Otis Kwame Kyei Quaicoe wurde online nach Japan vermittelt.“

    Japanische Vorlieben

    Westphal spricht damit auf Toors Familienporträt „Aashiana (Hearth and Home)“ von 2012 an, das 139.000 Pfund bei einer Schätzung von 30.000 bis 50.000 Pfund erbrachte. Der aus Ghana stammende Quaicoe ist derzeit heiß begehrt. Seine Porträts von Schwarzamerikanern finden nun anscheinend auch in Japan Liebhaber. „Black Stripes on White“ wurde erst vor einem Jahr gemalt und für 20.000 bis 30.000 Pfund angeboten. Es verkaufte sich für 94.500 Pfund.

    Im Gegensatz zu Sotheby’s konnte Phillips auch zwei Auktionsweltrekorde verzeichnen, für Arbeiten von zwei zeitgenössischen Künstlerinnen: Emily Mae Smith und Portia Zvavahera. In der Pariser Moderne-Auktion kam dagegen nicht eine Künstlerin vor. Die Moderne gehörte anscheinend nur den Männern.

    Mehr: Sotheby's in Hongkong: Bieter aus dem Westen befeuern den Wettbewerb

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