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AusstellungTanzende Zecher und nackte Krieger

Die kürzlich in eine Stiftung überführte Sammlung griechischer Vasen von Eva-Maria und Berthold Schneider wird erstmalig in den Staatlichen Antikensammlungen München der Öffentlichkeit präsentiert. Später wird sie als Dauerleihgabe in München verbleiben und systematisch in die permanente Ausstellung integriert werden.Gloria Ehret 21.08.2025 - 11:38 Uhr Artikel anhören
Eine Hetäre spielt eine Doppelflöte (Aulos), Schulterbild eines attisch-rotfigurigen Askos (schlauchförmiges Kännchen), ca. 460 v. Chr. Foto: © Eva-Maria & Berthold Schneider Stiftung / Jutta Schubert

München. München und die Antikensammlungen sind zu beglückwünschen! Der weltbedeutende Bestand griechischer Vasenmalerei, der im Kern auf König Ludwig I. von Bayern zurückgeht, ist um die bedeutende Privatsammlung Eva-Maria und Berthold Schneider reicher. Erstmals sind die über 60 charakteristischen Gefäßtypen der Stiftung, die später als Dauerleihgabe im Haus verbleiben sollen, in Gänze zu bewundern.

Zeitlich spannt sich der Bogen von einem mykenischen Blütenkelch-Gefäß um 1500 vor Chr. aus Serpentin oder einer Bügelkanne um 1300–1200 vor Chr. bis zu einer kampanischen Lekanis, um 330–310 vor Chr., deren Deckel den dramatischen Raub der Persephone schildert.

Aus Korinth, dem frühen Herstellungszentrum griechischer Vasenmalerei, sei eine knapp 30 Zentimeter hohe Olpe, um 630/620 vor Chr., hervorgehoben. Das eiförmige Gießgefäß mit dreigeteiltem Henkel ist mit drei Friesen bemalt: Ziegenbock, Stier, Löwe, Panther und Eber mit roten Körpern und weißer Mähne sind in den schwarzen Glanzton geritzt und mit Deckfarben gefüllt, Schuppenreihen mit dem Zirkel ausgeführt.

Kampanisch-rotfigurige Lekanis mit Darstellung des Raubs der Persephone durch Hades auf dem Deckel, 330–310 v. Chr. Foto: © Eva-Maria & Berthold Schneider Stiftung / Jutta Schubert

Die künstlerische Hochzeit des Athener Töpferzentrums Kerameikos gipfelt in der Vasenmalerei des 6. und 5. vorchristlichen Jahrhunderts. Rund ein Viertel der Sammlung Schneider machen die 15 dünnwandigen Trinkschalen mit zwei Henkeln über ausgestelltem Fuß aus. Sie wurden sowohl schwarzfigurig als auch rotfigurig bemalt und dienten dem Weingenuss bei den Symposien. Der Dekor reicht von einfachen Rankenfriesen über Kampfszenen nackter Krieger, die mit Helm, Schild und Lanze aufeinander losgehen, über rasante Gespanne mit kühnen Wagenlenkern bis zu heiter-beschwingten tanzenden Zechern, die den Weingott Dionysos feiern. „Augenschalen“, bei denen ein abstrahiertes Augenpaar auf der Schalenwandung den Betrachter direkt anzublicken scheint, bilden eine Untergruppe.

In allen Lebensbereichen, wo es um Wasser (Altgriechisch hydor) geht, bediente man sich der bauchigen Hydria mit engem Hals und drei Henkeln. Neben Alltagsszenen mit schönen Wasserträgerinnen am Brunnenhaus sind mythologische Themen mit Dionysos als Wagenlenker oder ein Gigantenkampf zu bewundern. Im späten 7. vorchristlichen Jahrhundert bildete sich innerhalb der attischen Keramik die vielseitig zu verwendende Amphora aus, auf der Löwen ebenso Platz fanden wie eine Eberjagd. Da die Griechen den Wein mit Wasser verdünnt tranken, wurden Kratere als Mischgefäße aus Bronze, Silber und eben oft auch aus Ton geschaffen.

Ein Volumen von gut zehn Litern umfassen die beiden, wohl als Paar um 470 entstandenen rotfigurigen Stamnoi des Argos-Malers. Auch diese bauchigen Gefäße für Flüssigkeiten, deren Deckel ein Herausschwappen verhindern, schildern mythologische Begebenheiten. Innen sind sie mit Glanzdekor überzogen.

Apulisch-rotfiguriger Fischteller mit Zitterrochen, Kalmar, Meerbrasse und Garnele, Perrone-Phrixos-Gruppe, ca. 330 v. Chr. Foto: © Eva-Maria & Berthold Schneider Stiftung / Jutta Schubert

Wohlriechende Öle wurden in schlanken, zylindrischen Lekythen aufbewahrt. Mit oder ohne Inhalt hat man sie auch als Grabbeigaben gefunden. Die beiden attisch-rotfigurigen Beispiele zeigen Einzelfiguren eines Aulosspielers und einer Nike wandungsfüllend vor schwarzem Grund.

Highlight und Titelschmuck des Katalogs ist der attische „Kopfaryballos“ um 480 vor Chr., dessen Vorder- und Rückseite aus Matrizen in Serie ­hergestellt wurden. Das Salbgefäß in Gestalt eines bärtigen Männerkopfes – vielleicht Herakles –, aus dem ein trichterförmiger Aryballos emporwächst, ist komplett, ungebrochen erhalten. Der Inschrift „Schön ist der Knabe, wahrhaftig“ kann man nur beipflichten! Denn es gibt zur griechischen Vasenmalerei in der nachfolgenden Kunstgeschichte nichts Vergleichbares mehr.

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„Forma. Schönheit und Funktionalität griechischer Vasen. Die Sammlung Schneider“, Staatliche ­Antikensammlungen, München, bis 19. Oktober

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