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Classic Week bei Christie'sEin begehrtes Idol aus Anatolien

Mit Alter Kunst nahm das Auktionshaus Christie’s innerhalb von drei Tagen starke 68 Millionen Dollar ein. Streit gibt es jedoch um eine Steinzeitfigur für 14,5 Millionen Dollar – denn die Türkei erhebt Anspruch darauf.Barbara Kutscher 06.05.2017 - 08:34 Uhr Artikel anhören

Die Türkei fordert die 5.000 Jahre alte Skulptur zurück.

Foto: Christie's Ltd. 2017

New York. Christie’s Konzept, Antiken aus Ost und West neben kostbaren Möbeln und Alten Meistern in einer kategorienübergreifenden „Classic Week“ (21. – 28.4.) anzubieten, erwies sich auch in seiner zweiten – allerdings zusammengestrichenen – New Yorker Ausgabe als Hit. „Wir reflektieren die Art und Weise, wie Sammler heutzutage Kunst dieser Epochen sehen und erwerben möchten“, so Jussi Pylkkänen, Christie’s Global President. Fünf Auktionen spielten über drei Tage vor allem mit Spitzenstücken starke 67,7 Millionen Dollar brutto ein und bestätigten die Höchsterwartung.

Für spannendes Auktionstheater hatte am 28. April im „Exceptional Sale“ das Toplos der Woche gesorgt. Etwa 20 Minuten lang stritten sich zwei Telefonbieter um das knapp 23 Zentimeter hohe anatolische „Stargazer“-Marmorfigürchen („Kiliya“-Typ, Kupfersteinzeit, 3000 – 2200 vor Christus) – so benannt nach dem zurückgelehnten Kopf. Unter herzhaftem Applaus fiel der Hammer endlich bei 14,5 Millionen Dollar. Wichtig ist auch die exklusive Provenienz: Für einige Jahrzehnte war es Teil der legendären „Guennol“-Sammlung der Amerikaner Edith und Alastair Bradley Martin. Erwartet hatte Christie’s (unveröffentlicht) um fünf Millionen Dollar, die sich am Privatverkauf einer ähnlichen, aber kleineren Figur im letzten Jahr orientierten.

Aber unklar bleibt erst einmal, wie ernst man den von Christie’s verkündeten Rekord nehmen kann. Am Tag vor der Auktion hatte die türkische Regierung nämlich gerichtlich Anspruch auf Rückgabe geltend gemacht. Unterstreichend wandte sie sich in einer ungewöhnlichen, ganzseitigen Anzeige in der „New York Times“ an die Öffentlichkeit. „Die türkische Republik wird alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die Figur zurückzubekommen“, so Lawrence M. Kaye von der New Yorker Kanzlei Herrick Feinstein in einer E-Mail ans Handelsblatt. Die Rechtslage soll in den nächsten 60 Tagen geklärt werden, Wegen der ungeklärten Eigentumslage gewährt Christie’s dem Käufer ein Rücktrittsrecht.

Einen überraschend glänzenden Auftritt hatten am 25. April japanische Antiquitäten mit einer ungewöhnlich hohen Absatzquote von 90 Prozent. Wie es scheint, wecken neue Interessenten, viele aus Asien, das lange unterbewertete Gebiet aus seinem Dornröschenschlaf. Ein bewusst moderat taxiertes Angebot von 80 Losen bot Skulpturen, ausgewählte Holzschnitte und Lackarbeiten, die sich gut in ein modernes Interieur einfügen lassen.

Ein unfertiges Meisterwerk.

Foto: Christie's Ltd. 2017

Internationale Ausstellungen besorgten dem berühmten Maler Katsushika Hokusai einen immensen Preisschub. Ein besonders schöner Abzug des Farbholzschnitts „Die große Welle vor Kanagawa“ aus der Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“ (1829 – 1833), eines seiner bekanntesten Werke, erzielte bei 943.500 Dollar den neuen Bestpreis für das Motiv, zehnmal mehr als die Schätzung. Aber auch Skulpturen bestätigten oder übertrafen ihre Erwartungen. Eine geschnitzte Holzfigur des Bodhisattva Jizo aus dem 12. Jahrhundert brachte es auf 463.500 Dollar.

Chinesen kaufen Alte Meister

Auch in der Hauptauktion europäischer Altmeistergemälde am 27. April umwarb ein internationales Publikum, darunter russische und chinesische Bieter, die 46 angebotenen Lose lebhaft. Graphik und Zeichnungen waren schon im Januar vergeben worden, man wollte offenbar den traditionellen Termin nicht gänzlich von Sotheby’s allein bespielen lassen. Insgesamt nahm Christie’s hier für 35 Zuschläge gute 32,8 Millionen Dollar ein. Den Löwenanteil verantworteten aber zwei Toplose: Da gab es zum einen das signierte, fein gemalte Brustbild eines sinnenden alten Mannes vom begabten Rembrandt-Schüler Govaert Flinck.

Hier bestach der Zaren-Vorbesitz – in der Eremitage wurde das Bild allerdings noch als ein Werk Rembrandts gelistet. Ein Duell zwischen der New Yorker Privathändlerin Nancy White und ihrem anonymen Kontrahenten am Telefon endete erst bei 10,4 Millionen Dollar, dem Fünffachen der unteren Taxe. White gab sich sichtlich enttäuscht geschlagen.

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Das Altarbild mit Jungfrau Maria und drei Heiligen – eines der wichtigsten flämischen Gemälde des 15. Jahrhunderts noch in privater Hand – setzte sich leicht über die Höchsterwartung bei fast neun Millionen Dollar hinweg. Neuerdings gilt es als Arbeit des bedeutenden Hugo van der Goes (um 1440 – 1482). Faszinierend auch seine wechselvolle Geschichte: Eingriffe eines englischen Händlers im frühen 18. Jahrhunderts hatten diese „Sacra Conversazione“ in die Hochzeit von Henry VII. mit Elizabeth of York verwandelt. Die seit 1977 vorgenommenen Restaurierungen stellten den religiösen Kontext wieder her und legten auch die Renaissance-Vorzeichnungen der Jungfrau und Johannes des Täufers frei.

Gut honoriert wurde auch das in einer französischen Sammlung wiederentdeckte schlichte Brustporträt einer Dame. Seine heute kaum noch bekannte Malerin Michaelina Woutiers gehörte im 17. Jahrhundert zu den wichtigsten weiblichen Künstlerinnen der südlichen Niederlande. Hier bewilligte ein Telefonbieter gegen ein Internetgebot aus Hongkong starke 511.500 Dollar. Die Schätzung hatte lediglich zwischen 70.000 und 90.000 Dollar gelegen.

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