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Fondation BeyelerDiese Ausstellung verändert sich laufend

Die Fondation Beyeler geht neue Wege der Sammlungspräsentation. In ungewöhnlicher Optik präsentieren Künstler ihre Werke und die der klassischen Avantgarde. Das ist eine mutige Abwechslung zum üblichen Museumslook.Susanne Schreiber 25.07.2024 - 16:44 Uhr
Die Fondation Beyeler bringt in ihrer Sommerausstellung Kunstwerke zum Sprechen. Künstler haben sie ausgewählt und platziert. Foto: Stefan Bohrer

Basel-Riehen. Solch eine bewegte Ausstellung hat es noch nie gegeben, weder in einem Privatmuseum und erst recht nicht in einem Museum der öffentlichen Hand. Die Sommerausstellung der Fondation Beyeler in Basel-Riehen wurde mit viel Aufwand realisiert. Statt eine einmal getroffene Auswahl an Kunstwerken während der Laufzeit statisch zu präsentieren, verändert sie sich laufend.

Kernbestand des von dem Galeristen Ernst Beyeler 1997 eröffneten Stiftungsmuseums sind herausragende Meisterwerke der klassischen Moderne, ergänzt um Positionen der Nachkriegskunst und der Gegenwart. Aus diesen 400 Werken wurden rund 100 ausgewählt und mit Leihgaben von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern ergänzt. Der neue Kontext ermöglicht verblüffende Erkenntnisse.

Der 40-jährige britisch-kenianische Maler Michael Armitage leiht der Sommerausstellung ein paar seiner farblich subtilen Bilder. Sie finden einen überzeugenden Resonanzraum in Andy Warhols „Flowers“, Henri Rousseaus Urwalddarstellung mit einem Löwen sowie den abstrakten Bildern von Willem de Kooning und Joan Miró aus Museumsbestand.

Das Kuratorenteam aus Künstlern und freien Ausstellungsmacherinnen hängt gern dicht an dicht. Das führt zu Gemälde-Friesen, die beim Thema Naturbetrachtung von Vincent van Gogh über Ferdinand Hodler zu Max Ernst und Wolfgang Tillmans führen. Oder zu Variationen von schwarz-weißer Geometrie. Hierbei stammt das schwarze Quadrat allerdings von Ellsworth Kelly und nicht von dem gleichfalls vertretenen, viel älteren Kasimir Malewitsch.

Unorthodox ist auch die Beschriftung an den Wänden: Sie fehlt. Über die Urheber soll ein Begleitheftchen Aufschluss geben. Doch die Werkfotos sind so klein, dass eine Identifizierung kaum gelingt. Es geht den Veranstaltern also nicht um Zuschreibung, sondern um unvoreingenommenes Betrachten.

Sommerausstellung

In Ferienstimmung Kunst entdecken

Die Bronzeskulptur „Walking Man II“ von Alberto Giacometti kann man sich nicht nur im Stadtraum vorstellen, sondern auch als einen auf eine Bilderwand zuschreitenden Museumsbesucher. In der Sommerausstellung betrachtet der „Gehende Mann“ keck ein Hauptwerk des britischen Malers Francis Bacon und eine direkt danebengehängte Abstraktion von Rudolf Stingel. In beiden Gemälden finden sich ähnlich changierende Rot- und Silbertöne.

Tino Sehgal steuert die Performance „This Joy“ bei. Drei Darsteller bringen dem Publikum Beethovens „Ode an die Freude“, die Europahymne, physisch und akustisch auf eine ganz neue Art nahe. Wer sich auf den 3D-Film „Retinal Rivalry“ von Cyprien Gaillard einlässt, findet zwar keine Narration, aber eine vergnügliche, neue Perspektive auf viele Plätze in deutschen Städten.

Leer geräumte Säle bekommt Adrian Villar Rojas für zwei Arbeiten der Serie „The End of Imagination“. Eine Waschmaschine und einen Kühlschrank hat der Argentinier in mangrovenartige Wucherungen aus Holz eingebaut und ferngesteuert. Darin hängen Unterkiefer eines Raubtiers und Roboterarme. Das hat es noch nicht gegeben, eine surrende, laufende Waschmaschine mitten im Museum. Für den Künstler steht sie für eine „aktive digitale Ökologie“.

Luma Foundation und Maja Hoffmann kooperieren

Zu den Ausstellungsobjekten im Museum kommen noch zahlreiche im Park. Fujiko Nakaya etwa taucht das Ensemble der Fondation Beyeler in rätselhafte Nebelwolken. Philippe Parrenos Tech-Turm vor dem Teich verarbeitet die Daten von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bodenschwingungen zu Kunst. Precious Okoyomon hat ein altmodisches Gewächshaus bepflanzt: Aber was hier schön aussieht, ist giftig.

So viel Aufwand und eine Vorbereitungszeit von zwei Jahren wären nicht möglich gewesen ohne die Partnerschaft mit der finanziell gut ausgestatteten Luma Foundation der Schweizer Kunstsammlerin Maja Hoffmann. Die sich stets wandelnde Ausstellung soll später in Arles und an anderen Luma-Standorten präsentiert werden.

Dreißig Mitwirkende sind an der Sommerausstellung beteiligt. Neben den Kunstwerken überraschen auch Performances, Konzerte, Lesungen und Vorträge. Immer geht es um vielfältige Wege des Begreifens von Sein und Zeit.

Fondation Beyeler
Baselstraße 77, 4125 Riehen: Bis 11. August.
Täglich 10 bis 18 Uhr. Mittwochs 10 bis 20 Uhr.
Erstmals gibt es zehn verschiedene Eintrittspreise: Von kostenlos für Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre bis zu freigiebigen Schenkenden.

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Erstpublikation: 23.07.2024, 11:16 Uhr

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