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Frühjahrsauktionen für Alte KunstAuf dem Einkaufszettel der Russen

Altmeister und Schmuck sind die Renner der Frühjahrsauktionen bei Van Ham und Lempertz. Reiche Kunden aus dem Osten und Spezialsammler sorgen in Köln für gute Umsätze. Auch der Handel kommt zum Zuge.Christian Herchenröder 28.05.2017 - 09:20 Uhr Artikel anhören

Über das Damenbildnis aus der Werkstatt des Antwerpener Malers Joos van Cleve freut sich nun ein russischer Sammler.

Foto: Lempertz

Köln. Er war die Stütze der Auktion. Als am Morgen des 20. Mai 2017 bei Lempertz die Altmeistergemälde ausgeboten wurden, ließ sich ein russischer Sammler im Saal nicht weniger als 14 Lose zuschlagen, deren Bruttobetrag sich auf eine knappe Million Euro summiert. Der Käufer ist seit zwei Jahren einer der Hauptkunden in den Auktionen alter Kunst am Kölner Neumarkt. Sein Geschmack ist flexibel, er erwirbt holländische Genrebilder, die zur Zeit unterbewertet sind, altniederländische Malerei, flämische und italienische Gemälde.

Es ist wohl weniger die Schule als das Sujet, das ihn begeistert. Werke von Kleinmeistern à la J.C. Droochsloot, ein monumentales Küchenstilleben der italo-flämischen Schule, eine Landschaft von David Vinckboons (49.600 Euro), drei Tafelbilder des Tier- und Gebirgsmalers Roelant Savery (eines davon für 86.800 Euro) und ein Früchtestilleben des Leideners Jan Mortel (111 600 Euro) sind jetzt darunter. Aber auch das beste Bild der Auktion, ein Damenbildnis aus der Werkstatt des Antwerpener Meisters Joos van Cleve, ersteigerte er unverzagt für 421.600 Euro.

Nicht nur dank diesem Multikonsumenten lief die Auktion wie geschmiert. Wie immer traten neben zahlreichen Telefonbietern aus der Händlerriege auch Saalbieter auf, die sich sichtbar engagierten. Wenn niederländische Füllware, die kaum einer mehr haben will, in diesem Katalog künftig fehlte, würde sich das günstig auf Gesamtbild und Stringenz dieser Auktion auswirken.

Die Porzellanfigur Glaukos ist Teil des Schwanenservices für König Albert von Sachsen, entstanden Ende des 19. Jahrhunderts.

Foto: Van Ham Auktionen

Auch Spezialsammler trugen zum Erfolg der Sitzung bei. So engagierte sich ein Saalbieter für ein Bildnis der Margarete von Frankreich aus der Werkstatt von Francois Clouet, das dann aber für 52.000 Euro an einen Telefonbieter fiel. Doch es gelang diesem augenscheinlich auf Porträtmalerei fixierten Sammler, sich für 105.400 Euro das Bildnis einer älteren Frau des seltenen Monogrammisten I.S. Aus dem Rembrandtkreis zu sichern. Für 52.000 Euro wurde ein Damenporträt des Antwerpeners Adriaen Thomas Key von einem Telefonbieter ersteigert.

Eine frühe Sizilien-Landschaft von Jacob Philipp Hackert wurde für 124.000 Euro unterhalb der Schätzung zugeschlagen und zwei Grisaillen des niederländischen Puttenmalers Jacob de Wit stiegen am Telefon von 12.000 auf 39.600 Euro. Das strahlende Rot einer ornamentgerahmten Madonna mit Kind aus der Jan van Eyck-Nachfolge (Mindesttaxe 150.000 Euro) konnte keinen Bieter reizen. Teuerste der selektiv bebotenen Skulpturen wurde mit 37.200 Euro ein seeschwäbischer Heiliger Georg aus dem späten 15. Jahrhundert.

Bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts gab es überraschende Steigerungen. So stieg das Spitzweg-Gemälde „Gestörte Kontemplation“ telefonisch von 18.000 auf 99.200 Euro und eine attraktive Ansicht der Athener Agora stieg dank einem griechischen Telefonbieter von 26.000 auf denselben Endpreis. Von 30.000 auf 155.000 Euro wurde B.C. Koekkoeks helle Landschaft „Waldrand mit Kuhtränke“ vom britischen Handel gehoben. Zwölf kleine Pompeji-Veduten des belgischen Grand Tour-Malers Frans Vervloet (1824/25) spielten 74.400 Euro ein. Ein amerikanischer Sammler erwarb für 49.600 Euro Wilhelm von Schadows nazarenische Darstellung der Parabeln vom verlorenen Schaf und verlorenen Sohn. Die Taxe von 5.000 Euro für eines der raren italienischen Landschaftsmotive Heinrich Bürkels wurde mit 52.000 Euro kundig korrigiert.

Das Bild malte der indonesische Prinz und Dresdener Hofmaler Prinz Raden Saleh im Jahr 1849.

Foto: Van Ham Auktionen

Die Auktionsfolge begann mit problemlosem Absatz der Schmuck-Offerte, bei der der höchste Zuschlag von 64.480 Euro einem mit 1888 Diamanten besetzten Art Déco-Doppelclip in Weißgold galt. In der Kunstgewerbe-Auktion ausgewählter Werke am 19.5. kamen zwei Lose auf je 52.000 Euro: ein Straßburger Silberbecher der Renaissance mit feinster Gravur eines Bacchus-Triumphzugs und ein italienischer Prunktisch mit Pietra dura-Platte, den sich der erwähnte russische Sammler sicherte. Das Doppelte der Schätzung erreichte mit 94.240 Euro die figurengekrönte „Terrine kleinster Sorte“ aus dem Meissener Schwanenservice von 1740. Unerwartet hoch wurden auch zwei Meissener Schneeballkannen des späten 19. Jahrhunderts mit 26.000 und 31.000 Euro beboten, die einem tschechischen Telefonbieter zugeschlagen wurden. Insgesamt wurden in diesen Frühjahrsauktionen von Lempertz 7,5 Millionen Euro umgesetzt.

Die parallel laufenden Auktionen bei Van Ham begannen am 18. Mai mit Schmuck & Uhren, mit denen 1,2 Millionen Euro umgesetzt wurden. Ein loser 5-karätiger Brillant in reinem Weiß, der für 218.000 Euro in die Schweiz wandert, war der Star des Angebots. Rund 2 Millionen Euro spielte die Auktion „Alte Kunst“ am 19. Mai ein. Ein herausragendes Goldgrund-Gemälde war die „Thronende Madonna“ des Florentiners Lorenzo di Niccolò aus einer saarländischen Privatsammlung, die für 236.800 Euro in den britischen Handel wandert. Ein deutscher Sammler ließ sich für 102.000 Euro im Schätzrahmen Roelant Saverys 1624 datiertes Tafelbild mit Orpheus-Darstellung zuschlagen. Das auf maximal 60.000 Euro geschätzte Goethe-Aquarell einer Tiber-Landschaft war eines der Toplose der Auktion und wurde entsprechend hoch bewertet: ein Sammler siegte mit 204.800 Euro über Museumsgebote.

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In eine indonesische Sammlung geht für 153.600 Euro eine Löwenjagd des heimischen Malers Prinz Raden Saleh. Ein russischer Sammler begeisterte sich mit dem Einsatz von 172.800 Euro für das vaterändische Motiv „Schlacht bei Polozk“ von Franz Roubaud. Bis 160.000 Euro steigerten italienische Bieter den neckischen „Florentiner Frühling“ von Plinio Nomellini.

Rund 1 Million Euro wurden in der Auktion europäischen Kunstgewerbes umgesetzt, in der Porzellane des 19. Jahrhunderts mit einer Zuschlagsquote von 70 Prozent reüssierten. 15.000 Euro investierte ein japanischer Sammler in die Meissener Affenkapelle. Sechs Teile aus dem Prunkservice für den russischen Großfürsten Konstantin Nikolajewitsch wurden für 21.700 Euro an einen russischen Sammler abgegeben.

Die Silberofferte belebten russische Gebote, doch den höchsten Zuschlag von knapp 18.000 Euro realisierte durch rheinisches Privatgebot ein Paar Prunkgirandolen mit Widderdekor der Heilbronner Silberwarenfabrik Bruckmann & Söhne im Louis XVI-Stil. Dass das Derivative oft teurer als das Authentische ist, ist immer auch ein Zeichen von Geschmacksnivellierung, die ein Zeitphänomen ist.

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