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Jahresbilanzen Christie’s und Sotheby’sJuwelen und Luxusgüter sind gefragt wie nie

Makroökonomische Bedingungen und ein Klima der Unsicherheit ließen den Auktionsmarkt auch bei Christie’s und Sotheby’s abkühlen. Wachstumsraten verzeichnen vor allem Edelsteine, Handtaschen und die diskret abgewickelten Privatverkäufe.Susanne Schreiber 27.12.2023 - 16:55 Uhr

Düsseldorf. Sotheby’s veröffentlichte kürzlich nur einen summarischen Ausblick auf die Top-20-Lose. Ganz oben rangieren die beiden höchsten Auktionszuschläge des Jahres: Der erste galt Pablo Picassos Bild „Frau mit Armbanduhr“ mit 139,4 Millionen Dollar; der zweite Gustav Klimts „Dame mit Fächer“. Umgerechnet 108,5 Millionen Dollar holte das Jugendstilbildnis in London. Es ist damit der höchste in Europa realisierte Zuschlag.

Sotheby’s CEO Charles Stewart berichtet von einem der „stärksten Geschäftsjahre“ mit einem Gesamtumsatz „um acht Milliarden Dollar“. Darin könnten Sotheby’s Immobiliengeschäfte eingerechnet sein. Den Kunstumsatz allein wollte der Versteigerer allerdings nicht nennen.

Immerhin 70 Kunstwerke und Juwelen ließen sich über der Schwelle von zehn Millionen Dollar verkaufen. Darunter waren auch wertvollste Edelsteine: „The Eternal Pink“ wurde mit 34,8 Millionen Dollar der teuerste je versteigerte Diamant in der Farbstellung „lebhaft rosa“. Zum gleichen Preis konnte auch der Rubin „Estrela de Fura 55.22“ in neue Hände übergehen. Am 29. Januar 2024 will Sotheby’s eine detaillierte Bilanz des Jahres 2023 veröffentlichen.

Auch der Mitbewerber war besonders erfolgreich mit farbigen Diamanten. In Genf konnte Christie’s den „Bleu Royal“ zu umgerechnet 44 Millionen Dollar weiterreichen. Das war das wertvollste Juwel, das 2023 versteigert wurde. In Hongkong fand der „Pink Spreme“ zu 10,8 Millionen Dollar einen zahlungskräftigen Bieter.

Christie’s Gesamtumsatz für das ablaufende Jahr beträgt 6,2 Milliarden Dollar. Das ist ein Minus von 25 Prozent im Vergleich zu den 8,4 Milliarden Dollar im Vorjahr. Diese Bilanz hat CEO Guillaume Cerruti Mitte Dezember vor internationalen Fachjournalistinnen bekannt gegeben – und zwar durchaus zufrieden mit der Performance seines Hauses.

Denn 2022 war mit 8,4 Milliarden Dollar Umsatz ein Ausnahmejahr. Schließlich trug damals allein die Kunstsammlung des Microsoft-Mitgründers Paul Allen mit insgesamt 1,6 Milliarden Dollar entschieden zum Spitzenumsatz bei.

Im Jahr 2023 entfallen fünf Milliarden auf Auktionen und 1,2 Milliarden Dollar auf Privatverkäufe. Dieser diskrete Sektor hat um fünf Prozent zugelegt. Dort konnte Christie’s auch einen nicht näher beschriebenen Verkauf von über 100 Millionen Dollar realisieren. Ein Trumpf, der allerdings auf den beliebten Top-Ten-Listen zu Jahresende unberücksichtigt bleiben muss. Weder Künstler, Thema noch Käufer dürfen bekannt gegeben werden.

Bilanz 2023

Gedämpfter Kunstmarkt: Sammler lernen wieder Maß halten

Und so charakterisiert Cerruti 2023 als „paradoxes Jahr“. Das herausfordernde makroökonomische Umfeld hat zu Umsatzrückgang, niedrigeren Schätzpreisen, Zuschlägen an den unteren Taxen und Garantien als Sicherheit für die verzagten Einlieferer geführt. Hoffnungsträger bleibt neben zunehmenden Privatverkäufen der Luxussektor.

Edelsteine, Juwelen, Handtaschen, Uhren und Wein haben erstmals eine Milliarde Dollar eingebracht – das höchste Ergebnis für Luxusgüter in der Geschichte des anglofranzösischen Versteigerers. Auf Dollar-Basis entspricht dies einem Anstieg von 53 Prozent zum Vor-Corona-Niveau.

Die Welt des Luxus und Geschmacks „bleibt mit 36 Prozent die Nummer eins beim Zugang von Neukunden zu Christie’s“, unterstreicht Guillaume Cerruti die Bedeutung dieses Gebiets. Von allen Kunden sind 35 Prozent Neukunden für Christie’s. Der Anteil der Generation Z stieg auf 65 Prozent. Sie interessiert sich besonders für Handtaschen, Uhren und Druckgrafik. Verlässliche Kunden kommen abermals aus Asien. Allein in Festlandchina stieg die Nachfrage nach Christie’s breit gestreutem Angebot um 30 Prozent.

Ausgesprochen gut entwickeln sich seit dem Brexit Angebot und Umsatz in Paris. 2023 ließ sich Christie’s Auktionsumsatz allein in der Woche der maßstabsetzenden Messe „Paris + by Art Basel“ um 53 Prozent auf 126,6 Millionen Euro oder 136,5 Millionen Dollar steigern. Nur zwei Toplose seien erwähnt: der auf amüsante Weise verrückte „Rhinocrétaire I“ von François-Xavier Lalanne zu 18,3 Millionen Euro und Joan Mirós Gemälde „Femmes, lune, étoiles“ für 20,8 Millionen Euro. Das war das teuerste in Frankreich versteigerte Los.

Gemeinschaftliche Ankäufe von Museen

34 Museen mit 17 Spezialgebieten kauften in den zurückliegenden zwölf Monaten bei Christie’s ein. Dabei zeigte sich, berichtet Adrien Meyer, Chef der Abteilung Privatverkäufe, in der virtuellen Bilanzkonferenz ein leichter Trend zu Gemeinschaftsankäufen von Spitzenmuseen. Als Beispiel nannte er das „Bildnis von Mai“ von Sir Joshua Reynolds, das die National Portrait Gallery in London und das Getty Museum in Kalifornien für 50 Millionen Pfund gemeinsam erwarben.

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Der schöne Mai oder „Omai“ war der erste Polynesier, der in London Anschluss an die politische und intellektuelle Elite fand. Ein selbstbewusstes Bildnis, das bestens in die aktuellen Debatten um Dekolonisierung und Diversität passt – in den USA wie in Europa.

Guillaume Cerruti sieht sein Haus gut aufgestellt. Christie’s will 2024 in Hongkong ein neues Hauptquartier beziehen und damit unabhängiger werden von zugeteilten Zeiträumen für Versteigerungen, um die kauffreudigen Asiatinnen und Asiaten zu umgarnen. Global betrachtet generieren die Monate Mai und November allein die Hälfte des Auktionsumsatzes eines Jahres. Das soll entzerrt werden.

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