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Wilhelm Lehmbruck und Joseph Beuys

Die Bundeskunsthalle in Bonn wirbt für ihre Ausstellung mit der Kombination eines Beuys-Porträts und der Skulptur „Große Kniende“ von Wilhelm Lehmbruck.

(Foto: Imago-Images; AKG-images; )

Kunstmuseen Bacon, Beuys und mehr: Die Vorschau auf das Ausstellungsjahr 2021

Unter dem Damoklesschwert der Pandemie planen die Museen ihre künftigen Ausstellungsprogramme. Im Zentrum steht der 100. Geburtstag von Joseph Beuys.
01.01.2021 - 14:17 Uhr Kommentieren
Kurz vor seinem Tod, am 12. Januar 1986, verlieh ihm die Stadt Duisburg den Wilhelm Lehmbruck-Preis. Quelle: Britta Lauer
Joseph_Beuys

Kurz vor seinem Tod, am 12. Januar 1986, verlieh ihm die Stadt Duisburg den Wilhelm Lehmbruck-Preis.

(Foto: Britta Lauer)

Düsseldorf Wenn Museen in ganz Deutschland 2021 den 100. Geburtstag von Joseph Beuys (1921—1986) feiern, dann taucht schlagartig das Bild des unermüdlichen Predigers auf, der mit an Fanatismus grenzender Eindringlichkeit seine Ideen einer „Sozialen Plastik“ erläuterte. Längst aber ist klar, dass diese polarisierende Persönlichkeit, die mit Filz und Margarine so selbstverständlich hantierte wie Picasso mit dem Pinsel, zu den wirkmächtigsten Erneuerern der Kunst im 20. Jahrhundert gehörte.

Im Prinzip verkörperte Beuys die Gestalt eines Pädagogen in politischer Mission. Ebenso bewundert wie abgelehnt propagierte er eine vollkommen neue Auffassung von Kunst als einer gesellschaftlichen und politischen Kraft. Er war beseelt von einem enormen Gestaltungswillen und bediente sich aller Medien; von Zeichnungen, auf denen er nach den Weltzusammenhängen forschte, über die Aktion sogar bis hin zum Gesang.

Es mochte seltsam wirken, wenn er sich das Fett in die Kniekehle drückte wie in der Aktion „Hauptstrom“-Aktion 1967, wenn er in eine Zinkwanne mit Wasser und Schwefel stieg wie in „Celtic + ~~~“, 1971 oder einem toten Hasen, das Gesicht mit Honig und Blattgold bedeckt, die Bilder erklärte. Zurück blieben Fotos, Filme und eine Phalanx von Relikten und Artefakten, die an diese missionarisch inspirierte Ära erinnern.

Für Beuys verkörperte das Denken ein plastisches Phänomen, das sich nach seinen Vorstellungen aus geistiger Wärme speiste. Ausgerechnet Wilhelm Lehmbruck lieferte dafür die Initialzündung. Sein Satz über die Skulptur als „das Wesen der Dinge, das Wesen der Natur, das, was ewig menschlich ist“, führte Beuys letztlich zu seinem Begriff der „Sozialen Skulptur“.

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    20 Museen und Institutionen würdigen allein in Beuys“ Geburtsland Nordrhein-Westfalen das komplexe Wirken und die Ausstrahlung des Künstlers. Unter ihnen die beiden vom Duisburger Lehmbruck Museum und der Bundeskunsthalle Bonn gemeinsam entwickelten Ausstellungen über seinen Begriff der Skulptur (ab 25. und 26.6.).

    Der
    Joseph Beuys

    Der "Tisch mit Aggregat" von 1958–1985 ist Teil der Beuys-Lehmbruck-Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn.

    (Foto: Joseph Beuys Estate / VG-Bildkunst, Bonn 2021)

    Die Wirkung des Künstlers auf jüngere Künstlergenerationen behandeln Ausstellungen in Düsseldorf und Bonn. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf legt den Akzent auf Beuys“ Kulturen übergreifenden Einfluss (ab 27.3.) während im Kunstmuseum Bonn die Multiple-Kollektion den Anknüpfungspunkt liefert (ab 8.7.). Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal erinnert mit Fotografien von Ute Klophaus an das „24 Stunden-Happening“ von 1965 in der Galerie Parnass (ab 21.9.).

    Doch nicht nur nordrhein-westfälische Museen fühlen sich angesprochen. Die Staatlichen Museen zu Berlin rücken die Sprache in den Mittelpunkt einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof und können dafür aus reichen eigenen Beständen schöpfen (ab 24.4.). In der Staatsgalerie Stuttgart wird Beuys als sensibler „Raumkurator“ das Thema sein (ab 26.3.). Und das Landesmuseum Darmstadt zeigt erstmals die komplette Zeichnungsfolge, in der sich Beuys mit dem Jahrhundertwerk „Ulysses“ von James Joyce auseinandersetzt (ab 13.5.).
    www.beuys2021.de für die nordrhein- westfälischen Ausstellungen
    „Von der Sprache aus. Joseph Beuys zum 100. Geburtstag“, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Hamburger Bahnhof, 24. April bis 8. August
    „Joseph Beuys. Der Raumkurator“, Staatsgalerie Stuttgart, 26. März bis 18. Juli
    „Joseph Beuys. Ulysses“, Landesmuseum Darmstadt, 13. Mai bis 1. August


    Johannes Vermeer: Der übermalte Liebesgott

    Das Gemälde
    Johannes Vermeer

    Das Gemälde "Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster" von ca. 1659 während der Restaurierung am 16. Januar 2020. Das Bild vom Liebesgott an der Wand ist noch nicht ganz freigelegt (Ausschnitt).

    (Foto: SKD, Foto: Wolfgang Kreische)

    Für einen Künstler des Barock erschien Jan Vermeers „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ immer schon unerhört modern. Fast monumental wirkt das Bildnis der jungen Frau, die vor einer nackten hellen Zimmerwand am geöffneten Fenster steht. Der Vorhang ist beiseite geschoben. Auf dem Tisch steht eine Schale mit Äpfeln und Pfirsichen. Hat die Szene einen amourösen Hintergrund? Schon 1979 fanden die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden heraus, dass sich unter der nackten Wand als Bild im Bild die Darstellung des Liebesgottes befand. Später wurde sie übermalt. Dass nicht Vermeer den Cupido eliminierte, ist nun nach langen Restaurierungsarbeiten klar geworden. Die Ausstellung im Semperbau wird zeigen, dass sich damit auch die Sicht auf dieses weltbekannte Werk verändert. Neun weitere Gemälde Vermeers (1632—1675) werden zu sehen sein und bis zu 50 Arbeiten von Zeitgenossen des Künstlers, mit denen er in engem Austausch stand.
    „Vermeer. Vom Innehalten“, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 19. März bis 27. Juni

    Nord- und Südkoreanische Kunst aus der Sammlung Sigg: Kunst aus einem geteilten Land

    Das imposante, vier Meter breite Ölgemälde aus der Sammlung Sigg macht neugierig die Ausstellung im Kunstmuseum Bern. Quelle: Lee Sea Hyun
    Lee Sea Hyun "Between, Red33"

    Das imposante, vier Meter breite Ölgemälde aus der Sammlung Sigg macht neugierig die Ausstellung im Kunstmuseum Bern.

    (Foto: Lee Sea Hyun)

    Wenn es um das Sammeln chinesischer Gegenwartskunst geht, dann kommt - sogar in China - niemand an Uli Sigg vorbei. 2012 übergab der Schweizer Unternehmer große Teile dessen, was er in mehr als vier Jahrzehnten mit enzyklopädischem Ehrgeiz zusammengetragen hatte, an das neu gegründete M+ Museum for visual culture in Hongkong.

    Nun ist im Kunstmuseum Bern zu sehen, dass Sigg sich mit seiner unnachahmlichen Leidenschaft auch der zeitgenössischen Kunst Koreas widmete. Dabei beschränkte er sich nicht auf die vergleichsweise leicht zugängliche Kunst im Süden Koreas, die in allen Medien zuhause ist und die unterschiedlichen Lebensrealitäten des Landes spiegelt. Er erwarb auch Werke aus dem seit 1953 streng abgeschotteten Nordkorea, wo die Künstler weiterhin in der Tradition des sozialistischen Realismus arbeiten.

    Für die Ausstellung wurden Werke ausgesucht, die etwas über die Geschichte, Weltanschauungen und Kunst-Geschichten der Koreaner in den voneinander separierten Teilen des Landes seit den 1970er-Jahren erzählen.

    „Grenzgänge – Nord- und südkoreanische Kunst aus der Sammlung Sigg“, Kunstmuseum Bern, 30. April bis 5. September

    Claudia Schiffer: Der Glamour der Supermodels

    Das furiose Porträt wird in der Ausstellung
    Ellen von Unwerth: Claudia Schiffer, Guess Kampagne, 1990

    Das furiose Porträt wird in der Ausstellung "Captivate. Modefotografie der 90er - Kuratiert von Claudia Schiffer" im kunstpalast Düsseldorf zu sehen sein.

    (Foto:  Ellen von Unwerth)

    Normalerweise entwickeln Museen ihre Ausstellungen selbst oder beauftragen damit ausgewiesene Kuratoren. Manchmal engagieren sie dafür auch eine außen stehende Persönlichkeit. Als der Kunstpalast in Düsseldorf den Modefotografen Peter Lindbergh mit der Gestaltung seiner eigenen Werkschau betraute, konnte man nur ahnen, wie erfolgreich diese Ausstellung werden würde. Nun ist eine Fortsetzung angesagt.

    Dieses Mal geht es auf eine Zeitreise durch die Modewelt der 1990er-Jahre, kuratiert von Claudia Schiffer. Deutschlands erfolgreichstes Model lässt eine goldene Ära auferstehen. Damals regierten die zu Stars aufgestiegenen Models die Titelseiten der Hochglanzmagazine.

    „Erstmals erkannten wir, dass wir die Stärke hatten, etwas zu verändern“, erinnert sich Schiffer, die mit 17 Jahren in einem Club auf der Düsseldorfer Königsallee entdeckt wurde. Da die heute 50-Jährige auch ihr eigenes Archiv durchforstet hat, werden nicht nur bekannte Fotos bedeutender Modefotografen zu sehen sein. Die Besucher erwartet auch ein Blick hinter die Kulissen.

    „Captivate. Modefotografie der 90er Kuratiert von Claudia Schiffer“, kunstpalast Düsseldorf, verschoben auf Ende August, Anfang September

    Richard Mosse: Alpträume in Infrarot

    Das 2012 aufgenommene Farbfoto gehört zur Serie
    Richard Mosse "Lost Fun Zone"

    Das 2012 aufgenommene Farbfoto gehört zur Serie "Infra". Die Arbeitsweise des irischen Fotografen wird man in der Bremer Kunsthalle studieren können.

    (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Jack Shainman Gallery; carlier | gebauer)

    Im Zweiten Weltkrieg kam Infrarotfilm zum Einsatz, damit Aufklärungsflugzeuge verdeckte Stellungen aufspüren konnten. Dasselbe Material verwendet heute der irische Fotograf und Filmemacher Richard Mosse, um die Augen für Dinge zu öffnen, die den Zivilgesellschaften dieser Welt normalerweise verborgen bleiben.

    Im blutigen Bürgerkrieg der Demokratischen Republik Kongo begleitete er War-Lords, Rebellen und Flüchtlinge und dokumentierte die Landnahme internationaler Konzerne. In der europäischen Flüchtlingskrise versuchte er mit Hilfe einer riesigen Wärmebildkamera das Leben von Gestrandeten und Menschen auf der Flucht einzufangen. Im Regenwald enttarnt er die Überlebenstricks von Pflanzen.

    Mosse arbeitet auf den ersten Blick zwar wie ein Reportagefotograf. Doch was dabei herauskommt, verwandelt sich, großformatig abgezogen, in etwas Alptraumhaftes. Der Jahrzehnte alte Infrarotfilm bringt psychedelisch rosa gefärbte Landschaften hervor, die Wärmebildkamera unwirkliche Szenen in halluzinatorischem Schwarzweiß.
    „Richard Mosse“, Bremer Kunsthalle, 22. Mai bis 19. Oktober


    Francis Bacon: Die verwundete Kreatur

    Die Royal Academy legt den Fokus auf das Kreatürliche bei Bacon. Quelle: The Estate of Francis Bacon. All rights reserved, DACS/Artimage 2020. Photo: Prudence Cuming Associates Ltd; VG Bild-Kunst, Bonn 2020
    Francis Bacon "Study for Bullfight No. 1"

    Die Royal Academy legt den Fokus auf das Kreatürliche bei Bacon.

    (Foto: The Estate of Francis Bacon. All rights reserved, DACS/Artimage 2020. Photo: Prudence Cuming Associates Ltd; VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

    Es ist angesichts des Artensterbens sicher kein Zufall, dass Tiere zunehmend auch als Thema von den Kunstmuseen entdeckt werden. Im Max Ernst Museum in Brühl laufen die Vorbereitungen für die große Herbstschau „Surreale Tierwesen“ und in den Opelvillen in Rüsselsheim beginnt im August der zweite Teil der Ausstellung „Kunst für Tiere. Ein Perspektivwechsel für Menschen“.

    Bereits Ende Januar wird Londons Royal Academy eine Einzelausstellung eröffnen, die der Bedeutung des Tiers im Werk von Francis Bacon (1909—1992) auf den Grund geht. Kein anderer Maler hat so starke und drastische Bilder von der verwundeten Kreatur geschaffen. Dieser britische Künstler konnte keinen Fleischerladen betreten, ohne überrascht zu sein, dass nicht er dort anstelle des Tieres hängt. „Wir sind ja schließlich selbst Fleisch, potenzielle Kadaver“, erklärte er in einem der berühmt gewordenen Gespräche mit David Sylvester.

    Viele von Bacons menschlichen Figuren nehmen Tiergestalt an oder wecken Erinnerungen an Tiere. So auch sein bekanntestes Motiv, der schreiende, wie ein Raubtier in seinem Käfig gefangene Papst.

    „Francis Bacon. Man and Beast“, Royal Academy, London, 30. Januar bis 18. April
    „Wiederaufnahme: Kunst für Tiere. Ein Perspektivwechsel für Menschen“, Opelvillen Rüsselsheim, 22. August bis 16. Januar 2022
    „Surreale Tierwesen“, Max Ernst Museum, Brühl, Herbst 2021

    Mehr: Rückblick auf den Kunstmarkt 2020: Auktionshäuser sind die Gewinner in der Krise

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