Pariser Kunstmesse „Salon du Dessin“: Glück mit Zeichnungen
Die Zeichnung des alten Mannes von Hans Baldung Grien findet sich auf dem Stand von Jean-Luc Baroni. Sie wurde bereits verkauft.
Foto: Galerie Jean-Luc BaroniParis. „Hier verbringe ich die glücklichsten Momente meines Lebens“, gesteht Hermann Mildenberger, Leiter der Graphischen Sammlungen der Klassik Stiftung Weimar auf der Pariser Handzeichnungsmesse, dem 26. „Salon du Dessin“ (bis 27.3.2017). Denn der Münchener Sammler und Mäzen Wilhelm Winterstein ermöglicht der auf Goethe zurückgehenden Sammlung jährlich den Ankauf von zwei Blättern, die Mildenberger unter Tausenden von Zeichnungen an 39 Ständen in der alten Pariser Börse aussucht.
Seit zehn Pariser Galeristen vor 25 Jahren den „Salon du Dessin“ als internationale Messe lancierten, entwickelte sich das einstige Nischen-Sammelgebiet zum Marktschlager und Paris zum „Must“ für Sammler und Kenner aus Museen. Dass Marktführer wie Stephen Ongpin, David Tunick oder Thomas Le Claire diesmal fehlen, lässt die Lage weniger rosig erscheinen. Gleichwohl waren bei der Vernissage gute Verkäufe zu konstatieren. Auf die Ausdünnung des Marktes für Altmeisterzeichnungen der letzten Jahre folgt nun eine positive Überraschung mit vielen überzeugenden Altmeister-Skizzen und Studien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Das 20. Jahrhundert mit den visuell einprägsamen, bunten Werken der Moderne bis zu den Zeitgenossen ist dagegen in diesem Jahr im Rückzug.
Augenfänger sind Konstruktives von Auguste Herbin (bei Jill Newhouse, New York), zarte Aquarelle und traumatische Sujets von Zoran Mušič (Ditesheim & Maffei). Bei Arnoldi-Livie (München) hängt ein großer Frauenakt von Max Beckmann von 1928. Über besonders starke Picasso–Zeichnungen verfügt die Genfer Galerie Reginart, die Pariser Galerie des Modernes ließ drei von Picasso illustrierte Titelblätter der „Metamorphosen“ von 1931 in Gold rahmen (190.000 Euro).
Renner dieses 26. „Salon du Dessin“ ist das Thema Mann. Der Präsident der Messe, Louis de Bayser, breitet gut 20 Blätter mit Männerköpfen und -akten aus: Beginnend mit einer Entdeckung von Jean-Auguste-Dominique Ingres (ein athletischer Akt des Franziskus von Assisi), über Horace Vernet bis Jean-François Millet und Charles de La Fosse. Dem schließt sich Jean-Luc Baroni (London) mit einer – allerdings schon in Maastricht verkauften, aber in Paris nochmals gezeigten – Zeichnung eines Bärtigen von Hans Baldung Grien an. Der Pariser Galerist Antoine Tarantino verfügt über das einzige bekannte „Selbstporträt“ von Simon Vouet von 1634, das in der oberen Preiskategorie der Messe (fast 500.000 Euro) rangiert. Martin Grässle (München) und Florian Härb (London) offerieren ein zartes Frauenbildnis in Pastell von Simon Vouet, wofür man etwa 200.000 Euro rechnen muss. Bei dem Pariser Gabriel Terrades entdeckt man ein bisher unbekanntes Männerporträt in Rötel- Technik von François Boucher, bei der Londoner Galerie Pandora einen Kupferstich von Salvator Rosa samt Vorzeichnung. Dargestellt sind drei Soldaten, deren Provenienz bis zur Königin Christine von Schweden zurückreicht (28.000 Euro).
Martin Moeller (Hamburg), der wie Martin Grässle in den ersten Messetagen gut verkaufte, brachte neben dem teuer gewordenen Adolph von Menzel dessen Nachahmer Franz Skarbina mit, den er mit 5.000 bis 23.000 Euro ansetzte. Generell kosten viele der guten Blätter weniger als 40.000 Euro.
Die Galerie Karsten Greve (Köln, Paris) stellt die Verbindung vom klassischen „Salon“ zu den Zeichnern unter den Zeitgenossen her auf der „Drawing Now“-Messe, indem sie an beiden Veranstaltungen teilnimmt. Die Preise bestimmen, wer wo – in der Börse (Louise Bourgeois) oder im „Carreau du Temple“ (Leiko Ikemura) – zu sehen ist.
Die elfte „Drawing Now“ bestücken 72 Galerien aus 16 Ländern. Jeder Aussteller präsentiert nur eine Künstlerin oder einen Künstler. Ein Highlight ist der Stand von Caroline Smulders (Paris) und Lia Rumma (Mailand-Neapel), die weniger bekannte Zeichnungen der Performerin Vanessa Beecroft aus den Jahren 1987 bis 2007 für 8.500 bis 40.000 Euro auffahren.