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Privatmuseum in Berlin „Wir wollen höchste Qualität“: Die Sammlerfamilie Bastian plant ein neues Haus für die Kunst

Heiner und Aeneas Bastian pflegen beide das Werk von Joseph Beuys. Doch während der Vater Berlin kritisch sieht, lässt der Sohn dort ein privates Kunsthaus errichten.
24.01.2021 - 10:51 Uhr 1 Kommentar
Vor dem für die Familie erbauten Galeriehaus von David Chipperfield. Quelle: DAVIDS/Sven Darmer
Aeneas, Céline und Heiner Bastian (v.l.)

Vor dem für die Familie erbauten Galeriehaus von David Chipperfield.

(Foto: DAVIDS/Sven Darmer)

Berlin Wieder verlässt ein Sammlungsschatz Berlin. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ohnehin wegen gravierender Managementfehler in der Kritik, scheint keine gute Hand im Umgang mit Sammlern zu haben. Die Familie Bastian übergab kürzlich 173 Beuys-Zeichnungen und Collagen, die das gesamte Schaffen des Künstlers von 1945 bis 1986 umfassen, den Kunstsammlungen Dresden.

Ergänzt wird die Dauerleihgabe durch die erste Schenkung einer bedeutenden Zeichnung „Raum für Filzplastiken“, entstanden 1963. Der Künstler, der mit Fett und Filz Kunstwerke schuf, und den Kunstbegriff revolutionierte, starb vor 35 Jahren. 2021 erinnern viele Ausstellungen an Beuys‘ Geburtstag vor 100 Jahren.

Heiner Bastian ist enttäuscht vom Preußischen Kulturbesitz. Der langjährige Vertraute und Sekretär von Joseph Beuys war einst auch Berater des Sammlers Erich Marx und vom Preußischen Kulturbesitz eingesetzter unbezahlter Kurator der Sammlung Marx im Hamburger Bahnhof. Corona-bedingt gibt er am Telefon Auskunft. Die nach Dresden gegebenen Beuys-Zeichnungen hatten sich 35 Jahre als Dauerleihgabe in den Stiftungsmuseen befunden. Aber einzig der ehemalige Direktor der Neuen Nationalgalerie, Dieter Honisch, zeigte sie 1980 einmal begeistert.

Im Jahre 2015 erklärte ihm jedoch der, wie Bastian sagt, „visions- und glücklose“ aktuelle Generaldirektor der Museen im Preußischen Kulturbesitz, Michael Eissenhauer, diese Beuys-Sammlung sei nicht „entscheidend wichtig“ für die Staatlichen Museen.

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    Bastian bedauert, dass auch der damalige Direktor des Hamburger Bahnhofs, Eugen Blume, sich nicht beim Stiftungspräsidenten, Hermann Parzinger, für den Erhalt der Sammlung einsetzte. Folgerichtig zog die Familie Bastian die Dauerleihgabe ab. In Tübingen und im dänischen Louisiana Museum wurde der Schatz danach je einmal gezeigt.

    Der renommierte britische Architekten entwarf das elegante, minimalistische Haus der Kunst für Aeneas Bastian. Quelle: John Pawson Ltd | Courtesy BASTIAN
    John Pawson

    Der renommierte britische Architekten entwarf das elegante, minimalistische Haus der Kunst für Aeneas Bastian.

    (Foto: John Pawson Ltd | Courtesy BASTIAN)

    Dass die Wahl jetzt auf Dresden fiel, verdankt sich keineswegs den Vorläufern Egidio Marzona und Erika Hoffmann, zwei Berliner Sammlerpersönlichkeiten, die sich ebenfalls von Berlin ab- und Dresden zuwandten. Vielmehr kennt Bastian die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, noch aus ihrer Zeit in Düsseldorf, in der sie bereits eine grandiose, viel beachtete Beuys-Retrospektive veranstaltete. In den Vorgesprächen habe er wirkliche Begeisterung gespürt. Eine zehnjährige Kooperation wurde beschlossen.

    Schon früher hatte Heiner Bastian Kunst verschenkt. 2017 erhielt das Kunstmuseum Chemnitz 200 Bilder und Papierarbeiten etwa von Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Gerhard Richter.

    Auch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz machte er 2019 ein überaus generöses Geschenk: Sein Galeriehaus am Kupfergraben, ein von David Chipperfield entworfenes architektonisches Juwel, in dem Bastian zehn Jahre seine eigene Galerie betrieben hatte. Die mäzenatische Geste wurde allgemein beklatscht. Kulturstaatsministerin Monika Grütters empfahl, das edle Gebäude, das nun „Haus Bastian“ heißt, der Kultur und Bildung zu widmen.

    Höchst vorsichtig und eher diplomatisch äußert sich Bastian, wenn er sagt, „unter Bildung haben wir natürlich nicht nur verstanden, dass Kinder dort Kneten lernen“. Aber, ergänzt er, „die Schenkung erfolgte ohne Konditionen. Wer schenkt, muss akzeptieren, dass es andere Wege gibt, als die der eigenen Vorstellung“. In der Tat wundern sich viele Kunstfreunde in Berlin, weshalb dieser wunderbare Bau nicht für temporäre Ausstellungen der Häuser auf der Museumsinsel genutzt wird, zumal diese Museen keine Räume für temporäre Ausstellungen haben.

    1981 beim Aufbau im Kunsthaus Zürich mit Heiner Bastian (l.) und Direktorin Erika Billeter. Quelle: AKG / Niklaus Stauss
    Joseph Beuys mit Hut

    1981 beim Aufbau im Kunsthaus Zürich mit Heiner Bastian (l.) und Direktorin Erika Billeter.

    (Foto: AKG / Niklaus Stauss)

    Während der Vater Berlins Museumslandschaft skeptisch betrachtet, kommt der Sohn mit einem Projekt, das für Berlins Kunstwelt ein hoffnungsfrohes Statement setzt. Aeneas Bastian, der 2016 die Galerie des Vaters im Chipperfield Haus übernahm, und 2019 nach der Schenkung seine Galerie in London eröffnete, plant in Berlin Dahlem ein neues Haus für die Kunst. Der Entwurf stammt vom renommierten britischen Architekten John Pawson und wirkt im Kontext der Umgebung elegant, minimalistisch.

    Die Bauarbeiten haben längst begonnen. Eröffnung soll noch 2021 sein. Dieser Kunstort dürfte ein Novum für Berlin sein. Einmal weil er abseits der Galerie-Cluster in Charlottenburg oder der Potsdamer Straße angesiedelt ist. Aeneas sagt, ebenfalls am Telefon, er habe ganz bewusst Dahlem gewählt. „Ich bin gegen den verbreiteten albernen Vernissagentourismus, außerdem bin ich in Dahlem aufgewachsen und wohne seit einigen Jahren auch mit meiner Familie dort.“

    Keine klassische Galerie

    Das Neue am Kunsthaus dürfte sein programmatischer Anspruch sein. Es heißt bisher lediglich, Ausstellungen und Veranstaltungen, Diskussionen, Vorträge, Lesungen und Konzerte seien geplant.

    Dahinter verbirgt sich, so Aeneas Bastian, der Wunsch, das klassische Galerieformat zu erweitern. Während seiner Zeit als Galerist habe er festgestellt, dass es bei den Vernissagen meist nur zu kurzen Gesprächen mit Sammlern und Kuratoren kommt, eher so etwas wie small talk. Um interessante Gespräche zu führen, gründete er vor einiger Zeit einen privaten Showroom in einem Dahlemer Haus. Dort kam es zu vielen Anregungen und Anstößen – allerdings nur im geladenen Kreis von „Insidern“.

    Solche Anregungen und Anstöße möchte Aeneas Bastian auch der breiten Öffentlichkeit bieten, regelmäßig und bei freiem Eintritt. Als künftige Gäste für Diskussionen oder Vorträge kann er schon Anselm Kiefer oder Wim Wenders ankündigen.

    Auch das Ausstellungsprogramm klingt vielversprechend: „Kunst der amerikanischen Nachkriegsmoderne mit Warhol, Rauschenberg oder Twombly sowie jüngere Künstler wie Emma Stibbon oder Paul Wallach“. Ihm schweben „High end“-Schauen, vor, die zu diesem Ziel mit Leihgaben ergänzt werden. „Wir arbeiten intensiv mit Estates, Nachlässen und Stiftungen zusammen“, versichert er.

    Im Grunde will der Junior so anspruchsvolle Ausstellungen wie es sie bisher nur in London oder New York gibt. Selbst wenn dann nur ein Teil der Exponate verkäuflich ist. „Wir wollen höchste, fast museale Qualität, ohne dass die Ökonomie vernachlässigt wird.“

    Trotz des Brexit betreibt Bastian junior seine Galerie in London weiter. Mit dem starken Kunstmarkt dort kann Berlin, geschweige denn Dahlem, zwar nicht konkurrieren. Aeneas Bastian engagiert sich dennoch für das Stadtviertel. Was die Kritiker eine „sleepy destination“ schimpfen, ist für ihn mit dem Brücke Museum, dem Haus am Waldsee, dem Kunsthaus Dahlem, der Video-Sammlung Fluentum und der Liebermann-Villa am Wannsee ein attraktives Umfeld für sein Kunsthaus.

    Mehr: Kunstsammlung Lauffs: Raus aus dem Haus und unter den Hammer

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    1 Kommentar zu "Privatmuseum in Berlin: „Wir wollen höchste Qualität“: Die Sammlerfamilie Bastian plant ein neues Haus für die Kunst"

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    • "Der renommierte britische Architekten entwarf das elegante, minimalistische Haus der Kunst"

      Da muss ich mal Plagiatsvorwürfe prüfen, der Bau sieht meinem Carport sehr ähnlich.

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