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ShowklassikerZDF stellt „Wetten, dass..?“ ein

Das Ende von „Wetten, dass..?“ war abzusehen, nachdem die Sendung von ZDF-Intendant Bellut im Handelsblatt angezählt wurde. Nun hat der Sender offiziell das Aus verkündet - zur Überraschung von Show-Erfinder Elstner. 06.04.2014 - 10:55 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Offenburg.

Das ZDF zieht Ende 2014 nach 33 Jahren einen Schlussstrich unter den Showklassiker „Wetten, dass..?“. Das verkündete Moderator Markus Lanz zum Ende der Show am Samstagabend in Offenburg. Gegen 22.55 Uhr sagte der 45-Jährige: „Das war ‚Wetten, dass..?‘ aus Offenburg. Wir gehen jetzt in die Sommerpause und sehen uns am 4. Oktober wieder mit den letzten drei Ausgaben von ‚Wetten, dass..?‘“.

„Der Rückgang der Zuschauerzahlen zeigt, dass sich die Sehgewohnheiten verändert haben und das Format an Anziehungskraft verloren hat“, begründete Programmdirektor Norbert Himmler den Schritt seines Senders in einer Mitteilung am Abend. „Es ist uns nicht leicht gefallen, einen Klassiker wie ‚Wetten, dass..?‘ vom Schirm zu nehmen. Der Aufwand einer so großen Show steht aber nicht mehr im Verhältnis zur Zuschauer-Resonanz.“

Stationen im Leben von Markus Lanz
Im Jahr 1969 wird Lanz im Südtiroler Bruneck in Italien geboren.
Mit 22 Jahren beginnt der Südtiroler eine zweijährige Lehre als Kommunikationswirt.
Nach seiner Ausbildung und einem Volontariat bei Radio Hamburg fängt Markus Lanz 1995 bei RTL in Hamburg als Nachrichtensprecher eines Regionalmagazins an.
1997 startet Lanz als Moderator der Sendung „Guten Abend RTL“. Als Schwangerschaftsvertretung von Barbara Eligmann übernimmt er ein Jahr später die Moderation von „Explosiv“. Fünf Jahre später ist er Redaktionsleiter.
Im Jahr 2002 präsentiert der Südtiroler elfmal die Reality-TV-Serie „Outback“.
Der Moderator wechselt 2008 zum ZDF und präsentiert seitdem die Talkshow „Markus Lanz“ an drei Abenden in der Woche. Außerdem startet er mit der Kochshow „Lanz kocht“. 2012 wird er Nachfolger von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“
Nachdem 2006 seine Beziehung zu Birgit Schrowange, mit der er den zwölfjährigen Sohn Laurin hat, auseinandergeht, heiratet Markus Lanz Mitte 2011 die Betriebswirtin Angela Gessmann. Die Trauung findet in seinem Südtiroler Heimatdorf gut abgeschirmt von Fans und Presse statt. (Quelle: dpa)

Das ZDF werde aber dennoch alle Rechte an der Marke „Wetten, dass..?“ behalten und gegebenenfalls auch wieder aktivieren, sagte der Programmchef weiter. „Wir suchen aber weder einen neuen Moderator, noch planen wir eine Fortsetzung in absehbarer Zukunft“, betonte Himmler. Stattdessen werde nun an neuen Ideen für den Samstagabend gearbeitet.

Moderatoren-Legende Thomas Gottschalk zeigte sich verblüfft von der Einstellung des Formats. „Dann hätte ich das Ding auch gleich selbst an die Wand fahren können“, sagte Gottschalk „Spiegel Online“. Gottschalk ist der dienstälteste Moderator von „Wetten, dass..?“ mit 151 Ausgaben.

„Wetten, dass..?“-Erfinder Frank Elstner zeigte sich bei Twitter überrascht über das Ende der Sendung. Elstner, der im Februar 1981 mit der Sendung beim ZDF loslegte, dokumentierte sein Bedauern mit den Worten: „Wetten, dass Ende! Das geht an die Nieren. Alles andere wäre gelogen! Dem Nachwuchs gehört die Zukunft im Netz! Ich bin dabei. Freue mich!“.

Herausragende Wetten
In der letzten regulären „Wetten, dass..?“-Sendung - am 30. April 2011 - wurden die Lehrerin Julia Thiele (33) und ihr Freund Malte Poppinga (28) Wettkönige. Thiele konnte allein am Schulterzucken ihres Freundes Musiktitel erkennen. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging? Wenigstens einmal hat er seiner Freundin einen Songtitel („Pretty Woman“) deutlich hörbar zugeraunt - Thomas Gottschalk und das ZDF bemerkten nichts und ließen das durchgehen.
Auch davor standen Wettkandidaten immer wieder unter Schummel-Verdacht. Im Oktober 2009 erkannte der 47-jährige Thomas Schuster 23 Frauen mit verbundenen Augen an ihrem Fußgeruch. Der „Stiefel-Schnüffler“ weigerte sich aber, sein Können noch einmal in einer ZDF-Show zu beweisen.
Nur ein Betrug wurde bisher entlarvt: 1988 schlich sich „Titanic“-Redakteur Bernd Fritz in die Sendung ein und behauptete, die Farbe von Buntstiften am Geschmack zu erkennen. In Wirklichkeit linste er unter seiner Augenbinde hindurch.
Am 4. Dezember 2010 kam es in der Live-Sendung zum bisher schwersten Unfall. Der angehende Schauspieler Samuel Koch stürzte beim Sprung mit Stelzen über ein Auto. Er fiel so unglücklich, dass er seitdem von den Schultern ab gelähmt ist. Koch wird noch immer in der Schweiz behandelt. Seine Ärzte schließen eine Genesung nicht aus, die Chancen seien aber gering. Showmaster Thomas Gottschalk brach die Sendung direkt nach dem Unfall ab. Im Februar 2011 gab er dann bekannt, dass er die Sendung nach diesem Unfall nicht weitermoderieren wolle. Die Sommerausgabe an diesem Samstag soll seine letzte Show sein. Danach moderiert er im Herbst noch drei Rückblickshows auf 30 Jahre „Wetten, dass..?“
Am 8. Dezember 2007 konnte Achim Jehler seine Kühe beim Apfelfressen am Schmatzgeräusch erkennen.
Der Border-Collie „Rico“ verblüffte am 23. Januar 1999 die Zuschauer, weil er 77 Spielzeuge am Namen unterscheiden konnte. Auf Befehl von Frauchen Susanne Baus brachte er den benannten Gegenstand.
Die Motorrad-Sportgruppe der Berliner Polizei bildete mit 84 Polizisten auf neun Motorrädern eine Pyramide und fuhr so 100 Meter weit. Am 29. Oktober 1994 stellte sie damit einen Weltrekord auf.
Andrea Schager, Andreas Reiser und Monika Schrak falteten am 15. September 1990 in vier Minuten ein Papierboot und paddelten damit in einem Schwimmbecken 50 Meter weit.
Am 21. Februar 1987 gelang es einem Kandidaten, während der Fahrt einen Autoreifen zu wechseln.
Die dritte Sendung von „Wetten, dass..?“ am 16. Mai 1981 veränderte das Leben von Millionen Menschen in Äthiopien. Der Schauspieler Karlheinz Böhm, bis dahin vor allem bekannt aus romantischen „Sissi“-Filmen, wettete, dass nicht „jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Schweizer Franken oder sieben österreichische Schilling für Menschen in der Sahelzone spendet“. Es kamen zwar auf Anhieb 1,2 Millionen D-Mark zusammen, dennoch behielt Böhm Recht. Er leistet seitdem mit seiner Stiftung „Menschen für Menschen“ Entwicklungshilfe in Äthiopien.

Auch Ex-Bundesminister Dirk Niebel (FDP) meldete sich zur Wort - mit einer heftigen Medienschelte. Auf seiner Facebook-Pinnwand schrieb er: „‚Wetten, dass..?‘ ist mir völlig egal. Aber was viele ‚Qualitätsjournalisten‘ mit Markus Lanz veranstalten ist unanständig. Den Menschen sehen die nur, wenn sie selbst mal kritisiert werden. Dann reagieren sie nicht mal wie Primadonnen, sondern wie Pissnelken.“

Vor dem Lanz-Auftritt in Offenburg war bereits die Illustrierte „Bunte“ vorgeprescht und wusste aus Insiderkreisen zu berichten, dass der 45-jährige Südtiroler möglicherweise nur noch zwei Ausgaben vor sich habe. Eine ZDF-Sprecherin verwies diese Spekulation noch ins Reich der Märchen: „Wir kommentieren keine Gerüchte. Und zu Vertragsinhalten können wir keine Auskunft geben.“

Gemunkelt wurde noch, dass Lanz vielleicht eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger präsentieren könnte. Als ganz heißer Anwärter galt: Hape Kerkeling. Aber der hatte Ende 2011, als er zuletzt bei „Wetten, dass..?“ zu Gast bei Lanz-Vorgänger Thomas Gottschalk war, der Show eine klare Absage erteilt.

Thomas Gottschalk: Die wichtigsten Stationen seiner Karriere
Gottschalk ist freier Mitarbeiter des Jugendfunks beim Bayerischen Rundfunk (BR), ab 1973 ist er Sprecher der „Abendschau“-Nachrichten.
Gottschalk bekommt eine Festanstellung beim BR und heiratet seine Freundin Thea. Seine witzigen Ansagen in der Hörfunksendung „Pop nach acht“ kommen bei den Zuhörern gut an.
Er moderiert die Sendung „Telespiele“, die zunächst in einigen Dritten Programmen und ab 1980 bundesweit in der ARD zu sehen ist.
Mit Mike Krüger ist Gottschalk im Kinofilm „Piratensender Powerplay“ zu sehen. Weitere Filmrollen folgen.
Gottschalk wechselt zum ZDF. Bis 1987 präsentiert er dort „Na sowas“, eine Mischung aus Talk- und Musikshow.
Er moderiert erstmals die ZDF-Sendung „Wetten, dass...?“ als Nachfolger von Frank Elstner. Knapp 21 Millionen Menschen sehen zu. Mit Ausnahme einer Pause in den Jahren 1992 und 1993 war er bis 2011 Showmaster der Sendung.
Gottschalk arbeitet auch für RTL. Von 1992 bis 1995 moderiert er eine Late-Night-Show.
Auf Sat.1 moderiert er „Gottschalks Hausparty“.
Mit seinem Bruder Christoph gründet er die Vermarktungsfirma dolce media GmbH in München.
„Thomas Gottschalk. Die Biografie“ von Gert Heidenreich erscheint.
Mit Michelle Hunziker hat Gottschalk erstmals eine Co-Moderatorin bei „Wetten, dass..?“
Der Kandidat Samuel Koch verunglückt bei einer Wette schwer und bleibt gelähmt.
Gottschalk kündigt seinen Rücktritt nach Ablauf der Staffel im Sommer an.
Gottschalk moderiert seine letzte reguläre „Wetten, dass..?“-Sendung.
Gottschalk moderiert die letzte Sommer-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ auf Mallorca.
Mit drei Sonderausgaben will Gottschalk auf seine Zeit bei „Wetten, dass..?“ zurückblicken. Danach soll das Format eine mindestens halbjährige Pause einlegen.

Wohl aus gutem Grund: Die letzte Ausgabe im Februar interessierte nur noch 5,85 Millionen Zuschauer - Minusrekord. Wie lange er noch Geduld mit „Wetten, dass..?“ habe, wurde Intendant Thomas Bellut, der lange Programmdirektor war, vom Handelsblatt gefragt. „Ich weiß es wirklich nicht“, sagte er. „In diesem Jahr werden wir sehen, wie stark die Marke noch ist.“ Der Sender geht auch nicht gerade zart mit ihm um: Er werde Chef-Steward auf dem „Traumschiff“, twitterte das ZDF als Aprilscherz über Lanz.

Die Deutschen waren zuletzt geteilter Meinung über die Zukunft von „Wetten, dass..?“: 42 Prozent plädierten laut Forsa dafür, den Unterhaltungsklassiker ganz einzustellen. 41 Prozent sprachen sich für das Weitermachen aus. Das Institut TNS Emnid entwarf ein ähnliches Bild: 39 Prozent der Befragten befürworteten, die Show fortzuführen. 40 Prozent würden sie hingegen absetzen.

Moderator Markus Lanz bedauert, dass der dieses Jahr auslaufende ZDF-Klassiker „Wetten, dass..?“ mit der Entwicklung der TV-Landschaft nicht mehr habe Schritt halten könnten. Die Show sei etwas, „was das deutsche Fernsehen eigentlich dringend braucht.

Aber offenbar passt es im Moment wahrscheinlich nicht mehr so richtig in die Zeit. Die Zeit ist doch ein bisschen kalt geworden, vielleicht kann man's so sagen“, teilte der Moderator der vom ZDF beauftragten Agentur all4radio mit. Lanz bezeichnete die Show als „feine Familienunterhaltung“ ohne „Zynismus“ und „Sarkasmus“.

Auch andere Sender müssen mittlerweile erkennen, dass ihre Shows nur noch selten über die 6-Millionen-Zuschauer-Marke springen - und wenn, besteht die Zuschauerschaft vorwiegend aus der reiferen Generation. Dass das klassische Unterhaltungsfernsehen mit seinen Ursprüngen aus den sechziger bis achtziger Jahren nicht mehr gefragt ist, zeigen auch die Neuauflagen alter Formate.

Die ARD übernahm vom ZDF die Hans-Rosenthal-Legende „Dalli Dalli“ unter anderem Titel („Das ist Spitze!“), fuhr zunächst auch gut damit, doch dann rutschte Moderator Kai Pflaume unter die Vier-Millionen-Marke. Beim Neuaufguss von Hans-Joachim Kulenkampffs „Einer wird gewinnen“ beließ es die ARD kürzlich vorsichtshalber bei einer Ausgabe.

Für das ZDF, so stellte Intendant Thomas Bellut jüngst in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ klar, rechnet sich so eine Show nicht mehr. Mitunter fallen bis 2,5 Millionen Euro Kosten für eine einzige Ausstrahlung an.

Ein Samstagabendkrimi ist deutlich billiger und wird gesehen: Anna Loos und ihr Krimi „Helen Dorn“ erreichte jüngst locker acht Millionen Zuschauer. Das hatte Bellut einst als Vorgabe für Markus Lanz ausgegeben, als dieser „Wetten, dass..?“ übernahm.

Die ZDF-Samstagabendshow „Wetten, dass..?“ galt lange als Europas erfolgreichste Fernsehshow und als TV-Lagerfeuer des deutschsprachigen Raums. Die Live-Sendung lief seit 1981, bis zu ihrem Ende im Dezember 2014 wird es 215 Ausgaben gegeben haben.

Die erste Sendung kam am 14. Februar 1981 aus Düsseldorf, die letzte Show soll am 13. Dezember 2014 aus Nürnberg kommen. Moderatoren waren der Show-Erfinder Frank Elstner (1981-87, 39 Ausgaben), Thomas Gottschalk (1987-1992 und 1994-2011, 151 Ausgaben), Wolfgang Lippert (1992/93, 9 Ausgaben) sowie Markus Lanz (2012-2014, bisher 13 Ausgaben).

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Das Konzept: Ein Wettkandidat wettet, etwas Besonderes zu können, ein Wettpate (Promi meist auf der Couch beim Moderator) tippt, ob es der Kandidat schafft oder nicht und bietet für den Fall, dass er daneben liegt, einen lustigen oder sozialen Wetteinsatz.

dpa, afp
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