Showklassiker: ZDF stellt „Wetten, dass..?“ ein
Offenburg.
Das ZDF zieht Ende 2014 nach 33 Jahren einen Schlussstrich unter den Showklassiker „Wetten, dass..?“. Das verkündete Moderator Markus Lanz zum Ende der Show am Samstagabend in Offenburg. Gegen 22.55 Uhr sagte der 45-Jährige: „Das war ‚Wetten, dass..?‘ aus Offenburg. Wir gehen jetzt in die Sommerpause und sehen uns am 4. Oktober wieder mit den letzten drei Ausgaben von ‚Wetten, dass..?‘“.
„Der Rückgang der Zuschauerzahlen zeigt, dass sich die Sehgewohnheiten verändert haben und das Format an Anziehungskraft verloren hat“, begründete Programmdirektor Norbert Himmler den Schritt seines Senders in einer Mitteilung am Abend. „Es ist uns nicht leicht gefallen, einen Klassiker wie ‚Wetten, dass..?‘ vom Schirm zu nehmen. Der Aufwand einer so großen Show steht aber nicht mehr im Verhältnis zur Zuschauer-Resonanz.“
Das ZDF werde aber dennoch alle Rechte an der Marke „Wetten, dass..?“ behalten und gegebenenfalls auch wieder aktivieren, sagte der Programmchef weiter. „Wir suchen aber weder einen neuen Moderator, noch planen wir eine Fortsetzung in absehbarer Zukunft“, betonte Himmler. Stattdessen werde nun an neuen Ideen für den Samstagabend gearbeitet.
Moderatoren-Legende Thomas Gottschalk zeigte sich verblüfft von der Einstellung des Formats. „Dann hätte ich das Ding auch gleich selbst an die Wand fahren können“, sagte Gottschalk „Spiegel Online“. Gottschalk ist der dienstälteste Moderator von „Wetten, dass..?“ mit 151 Ausgaben.
„Wetten, dass..?“-Erfinder Frank Elstner zeigte sich bei Twitter überrascht über das Ende der Sendung. Elstner, der im Februar 1981 mit der Sendung beim ZDF loslegte, dokumentierte sein Bedauern mit den Worten: „Wetten, dass Ende! Das geht an die Nieren. Alles andere wäre gelogen! Dem Nachwuchs gehört die Zukunft im Netz! Ich bin dabei. Freue mich!“.
Auch Ex-Bundesminister Dirk Niebel (FDP) meldete sich zur Wort - mit einer heftigen Medienschelte. Auf seiner Facebook-Pinnwand schrieb er: „‚Wetten, dass..?‘ ist mir völlig egal. Aber was viele ‚Qualitätsjournalisten‘ mit Markus Lanz veranstalten ist unanständig. Den Menschen sehen die nur, wenn sie selbst mal kritisiert werden. Dann reagieren sie nicht mal wie Primadonnen, sondern wie Pissnelken.“
Vor dem Lanz-Auftritt in Offenburg war bereits die Illustrierte „Bunte“ vorgeprescht und wusste aus Insiderkreisen zu berichten, dass der 45-jährige Südtiroler möglicherweise nur noch zwei Ausgaben vor sich habe. Eine ZDF-Sprecherin verwies diese Spekulation noch ins Reich der Märchen: „Wir kommentieren keine Gerüchte. Und zu Vertragsinhalten können wir keine Auskunft geben.“
Gemunkelt wurde noch, dass Lanz vielleicht eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger präsentieren könnte. Als ganz heißer Anwärter galt: Hape Kerkeling. Aber der hatte Ende 2011, als er zuletzt bei „Wetten, dass..?“ zu Gast bei Lanz-Vorgänger Thomas Gottschalk war, der Show eine klare Absage erteilt.
Wohl aus gutem Grund: Die letzte Ausgabe im Februar interessierte nur noch 5,85 Millionen Zuschauer - Minusrekord. Wie lange er noch Geduld mit „Wetten, dass..?“ habe, wurde Intendant Thomas Bellut, der lange Programmdirektor war, vom Handelsblatt gefragt. „Ich weiß es wirklich nicht“, sagte er. „In diesem Jahr werden wir sehen, wie stark die Marke noch ist.“ Der Sender geht auch nicht gerade zart mit ihm um: Er werde Chef-Steward auf dem „Traumschiff“, twitterte das ZDF als Aprilscherz über Lanz.
Die Deutschen waren zuletzt geteilter Meinung über die Zukunft von „Wetten, dass..?“: 42 Prozent plädierten laut Forsa dafür, den Unterhaltungsklassiker ganz einzustellen. 41 Prozent sprachen sich für das Weitermachen aus. Das Institut TNS Emnid entwarf ein ähnliches Bild: 39 Prozent der Befragten befürworteten, die Show fortzuführen. 40 Prozent würden sie hingegen absetzen.
Moderator Markus Lanz bedauert, dass der dieses Jahr auslaufende ZDF-Klassiker „Wetten, dass..?“ mit der Entwicklung der TV-Landschaft nicht mehr habe Schritt halten könnten. Die Show sei etwas, „was das deutsche Fernsehen eigentlich dringend braucht.
Aber offenbar passt es im Moment wahrscheinlich nicht mehr so richtig in die Zeit. Die Zeit ist doch ein bisschen kalt geworden, vielleicht kann man's so sagen“, teilte der Moderator der vom ZDF beauftragten Agentur all4radio mit. Lanz bezeichnete die Show als „feine Familienunterhaltung“ ohne „Zynismus“ und „Sarkasmus“.
Auch andere Sender müssen mittlerweile erkennen, dass ihre Shows nur noch selten über die 6-Millionen-Zuschauer-Marke springen - und wenn, besteht die Zuschauerschaft vorwiegend aus der reiferen Generation. Dass das klassische Unterhaltungsfernsehen mit seinen Ursprüngen aus den sechziger bis achtziger Jahren nicht mehr gefragt ist, zeigen auch die Neuauflagen alter Formate.
Die ARD übernahm vom ZDF die Hans-Rosenthal-Legende „Dalli Dalli“ unter anderem Titel („Das ist Spitze!“), fuhr zunächst auch gut damit, doch dann rutschte Moderator Kai Pflaume unter die Vier-Millionen-Marke. Beim Neuaufguss von Hans-Joachim Kulenkampffs „Einer wird gewinnen“ beließ es die ARD kürzlich vorsichtshalber bei einer Ausgabe.
Für das ZDF, so stellte Intendant Thomas Bellut jüngst in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ klar, rechnet sich so eine Show nicht mehr. Mitunter fallen bis 2,5 Millionen Euro Kosten für eine einzige Ausstrahlung an.
Ein Samstagabendkrimi ist deutlich billiger und wird gesehen: Anna Loos und ihr Krimi „Helen Dorn“ erreichte jüngst locker acht Millionen Zuschauer. Das hatte Bellut einst als Vorgabe für Markus Lanz ausgegeben, als dieser „Wetten, dass..?“ übernahm.
Die ZDF-Samstagabendshow „Wetten, dass..?“ galt lange als Europas erfolgreichste Fernsehshow und als TV-Lagerfeuer des deutschsprachigen Raums. Die Live-Sendung lief seit 1981, bis zu ihrem Ende im Dezember 2014 wird es 215 Ausgaben gegeben haben.
Die erste Sendung kam am 14. Februar 1981 aus Düsseldorf, die letzte Show soll am 13. Dezember 2014 aus Nürnberg kommen. Moderatoren waren der Show-Erfinder Frank Elstner (1981-87, 39 Ausgaben), Thomas Gottschalk (1987-1992 und 1994-2011, 151 Ausgaben), Wolfgang Lippert (1992/93, 9 Ausgaben) sowie Markus Lanz (2012-2014, bisher 13 Ausgaben).
Das Konzept: Ein Wettkandidat wettet, etwas Besonderes zu können, ein Wettpate (Promi meist auf der Couch beim Moderator) tippt, ob es der Kandidat schafft oder nicht und bietet für den Fall, dass er daneben liegt, einen lustigen oder sozialen Wetteinsatz.