Dunkles Geschäft mit dem Yoga-Boom: Der Seelenfänger
Der „Engel der Wonne“ verharrt auf dem Balkon seiner Wohnung in der sogenannten Chakra Pyramide im Yoga Vidya Zentrum in der ehemaligen Kuranlage von Bad Meinberg.
Foto: Christian Burkert für HandelsblattDer „Engel der Wonne“ schwebt auf die Bühne. Barfüßig nimmt er die paar Stufen, schreitet in die Mitte der Empore, gleitet in den Schneidersitz. So thront er da in gelbem Gewand, eingerahmt von seinen Heiligen. Links von ihm blickt der indische Großmeister Sivananda von einer Fotografie, rechts hängt eine Jesus-Ikone.
Er zieht ein Harmonium zu sich heran, schließt die Augen. „Om“, brummt er tief ins Mikrofon, entlockt seinem Instrument ferne Klänge. Die wohl hundert Menschen, die unter ihm auf bunten Schaumstoffmatten sitzen, wiegen sich hin und her. Der Geruch von Räucherstäbchen zieht durch die Reihen. „Om“ singt die Gemeinde zur Antwort.
Der Mann in Gelb hört auf viele Namen. „Engel der Wonne“ ist einer davon, die deutsche Übersetzung seiner spirituellen indischen Bezeichnung: Sukadev. Diese wiederum ersetzt die wahre, etwas profanere, Identität. In Wirklichkeit heißt der Engel Volker Bretz, ist 52 Jahre alt und Gründer von Yoga Vidya, der größten Yoga-Kette Europas.