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  4. „Jüngere Gäste werden Nachhaltigkeit in Luxushotels einfordern.“

Interview Laurent Gardinier„Wenn Gäste die Werte erkennen, akzeptieren sie Einschränkungen“

Der Präsident der Hotel- und Restaurantvereinigung Relais & Chateâux über die Notwendigkeit nachhaltiger Hotellerie, plastikfreie Zimmer und Greenwashing.Thorsten Firlus 19.11.2023 - 18:00 Uhr Artikel anhören

Der Franzose ist seit Ende 2022 Präsident der Hotel- und Restaurantvereinigung Relais & Chateâux.

Foto: Relais & Chateaux

Düsseldorf. Herr Gardinier, als Sie Ende 2022 die Präsidentschaft der Vereinigung antraten, benannten sie die Senkung des CO2-Fußabdrucks neben Erhalt der biologischen Vielfalt und Verbesserung des Respekts gegenüber Mitarbeitern als ihre drei wichtigsten Themen – sprich ESG-Kriterien. Warum das?

Wir müssen unsere mehr als 500 Mitglieder dazu bringen, ESG-Kriterien Priorität einzuräumen – und zwar mit wirtschaftlich realistischen Lösungen. Auch, weil unsere wirtschaftliche Zukunft davon abhängt, wohlwissend, dass Nachhaltigkeit für die Menschen in Deutschland etwas anderes bedeutet als in anderen Ländern der Welt.

Was unternimmt die Vereinigung, die aus einzelnen Betrieben besteht und im Gegensatz zu einem Hotelkonzern keine Standards festlegen kann?

Wir haben mit einer Bestandsaufnahme begonnen und unseren Mitgliedern sehr umfangreiche Fragebögen geschickt. 52 Prozent haben sie beantwortet. Damit können wir ausarbeiten, welche die wichtigsten Punkte sind, die wir ändern können. Energieverbrauch, Inklusion und Diversität in unseren Belegschaften gehören dazu. Es gibt Tausende von Kriterien, wir müssen uns auf vielleicht die fünf wichtigsten beschränken. Sie können natürlich alle Themen angehen, dann schaffen sie am Ende gar nichts. Beschlossen ist bereits, dass wir ein Team in unserem Hauptquartier aufbauen, das nur eine Aufgabe hat: Greenwashing unbedingt zu verhindern. Wir müssen verlässlich sein.

Was sind Beispiele, an denen sie die gängige Praxis verändern wollen?

Eines der wichtigen Themen für uns ist die Vermeidung von Einwegkunststoffen in allen Zusammenhängen. Die für viele Gäste vertrauten Verpackungen von Körperpflegeprodukten gehören dazu.

Noch gibt es sie.

Viele Betriebe sind schon weit vorangeschritten und die übrigen müssen da aufholen. Es kommt sehr auf die Nation an, und es ist unsere Aufgabe, das weltweit umzusetzen in den Mitgliedsbetrieben. Das ist etwas, das einfach umzusetzen ist, die Gäste sehen das, es hilft der Umwelt und es ist kein Greenwashing.

Bedeutet das nicht einen Verlust an Komfort, den anspruchsvolle Gäste erst akzeptieren müssten?

Wir müssen den Wunsch nach Komfort der Gäste in Einklang bringen mit der Notwendigkeit, Ressourcen zu schonen. Entscheidend ist, dass der Gast realisiert, dass es eine Linie gibt, der diese Entscheidungen des Hotels folgen, und ein Konzept dahintersteht, statt dass es lediglich nach Drangsalieren und Sparen aussieht. In den USA gibt es einen Betrieb, der trotz Zimmerpreisen von 2000 US-Dollar die Nacht auf sämtliches Plastik in den Zimmern verzichtet. In den Duschen gibt es große Gefäße, was alles ist, aber nicht luxusorientiert. Aber wenn die Gäste sehen, dass das keine Sparmaßnahme ist, sondern den globalen Werten des Hotels folgt, dann akzeptieren sie das.

Sehen Sie bereits einen Wandel in der Akzeptanz bei Gästen?

Diese Themen betreffen sicher mehr Menschen meines Alters, also 50+. Die kommenden Generationen werden damit keine Probleme haben, im Gegenteil, sie werden sorgsamen Umgang mit Ressourcen ebenso wie faire Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter einfordern. Und die jüngeren unter denen fragen heute, was das Unternehmen für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele tut. Auch die richtigen Mitarbeiter sind entscheidend für ein Luxushotel. Und Verzicht auf Kunststoff kann auch gute Werbung sein.

Bei vielen Themen stehen sie am Anfang. Wie schnell rechnet die Vereinigung mit einem nennenswerten Wandel?

Die Verhältnisse sind in Marokko, wo wir viele Mitglieder haben, ganz andere als in Japan oder den USA. Wir brauchen ein Team, das den Hotels und Restaurants konkrete Hilfen gibt, ihre ESG-Kriterien zu erfüllen. Das beginnt bei der Suche nach geeigneten Lieferanten und geht bis zur Haustechnik. Auf Basis unserer Befragungen können wir Kriterien entwickeln, wenn neue Mitglieder dazustoßen. Wir haben rund 500 Bewerbungen jedes Jahr, von den wir etwa fünf bis 20 nehmen. Wir werden also von Beginn an ESG-Kriterien voraussetzen, um der Mitgliedschaft zuzustimmen. Nicht, um den Betrieben zu sagen, dass sie schlechte Arbeit leisten, sondern um die Wichtigkeit von ESG-Kriterien zu betonen.

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Allen Bemühungen der Hotels steht die Umweltbelastung durch Reisen gegenüber.

Wir sind uns bewusst, das Hotels Reisetätigkeit verursachen. Was wir in aller Bescheidenheit erreichen können, ist, unser Bestes zu tun, um die Nachhaltigkeit permanent im Blick zu haben, wenn der Gast sich bei uns befindet. Und Luxus muss nicht immer in der Ferne sein. Die Mehrheit der Gäste der deutschen Mitgliedshotels sind aus Deutschland, etwa 70 bis 80 Prozent. Ähnliche Zahlen haben wir in Großbritannien und der Schweiz. Die Mehrheit der Gäste kommt aus dem Heimatland der Betriebe. In den USA sind es sogar mehr als 80 Prozent. Das bedeutet, dass Gäste die Annehmlichkeiten von Luxushotels nicht zwangsläufig in der Ferne suchen. Aber eines ist klar: Wenn es keine Mobilität mehr gibt, gibt es auch keine Hotellerie mehr. Aber hilft es, dass wir uns über Flugzeuge, Züge oder Autos Gedanken machen, oder ist es nicht besser, dass wir uns darauf konzentrieren, was wir konkret umsetzen können?

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