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Komfort, Luxus und Nachhaltigkeit„Die 101 besten Hotels Deutschlands“

Bedeutet Luxus automatisch Verschwendung? Nachhaltigkeit ist inzwischen auch in Top-Hotels ein zentrales Thema. Im besten Fall sehen es die Gäste als Anreiz für einen Aufenthalt.Thorsten Firlus, Michael Raschke 23.11.2023 - 11:35 Uhr Artikel anhören

Deutsche Luxushotels wie das traditionsreiche Haus in Heidelberg beschäftigen sich intensiver mit Fragen des nachhaltigen Wirtschaftens.

(Foto: Der Europäische Hof Heidelberg)

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Eine Vorfahrt für Autos gibt es so wenig wie Fernseher oder Klimaanlagen auf den Zimmern. Stammgäste, die nach der mehrmonatigen Sanierung das Luxushotel Vigilius oberhalb Lanas in Südtirol wieder besuchen, werden vieles so vorfinden, wie sie es gewohnt sind. „Die größte Investition ist unsere Hackschnitzelanlage, die gut ein Drittel weniger Rohstoff vom Vigiljoch verbraucht als die bisherige“, sagt Inhaberin Ingrid Ladurner.

Und auch weiterhin finden Gäste in den Badezimmern statt einer Sammlung an Shampoo- und Duschgelfläschchen die unten im Ort produzierten Stücke Seife ohne Umverpackung. Nicht jedem Gast gefällt dieser Schritt zurück zur Natur. „Um ehrlich zu sein, überdenken wir diese Wahl immer wieder“, sagt Ladurner.

Nachhaltigkeit und wie sie in den besten Hotels umzusetzen ist, das beschäftigte auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion „101 Executive Summit“ vor der Verleihung der Auszeichnungen bei der Veranstaltung „Die 101 besten Hotels Deutschlands“ am Sonntagabend im Hotel Bachmair Weissach am Tegernsee. Der Seriensieger Vier Jahreszeiten Hamburg wurde dort als „Hotel des Jahres“ ausgezeichnet.

Luxus und Nachhaltigkeit, das galt lange als geradezu unvereinbar. Dem Gast jederzeit alles bieten zu können, von frischen Austern weit im Binnenland bis zum geheizten Außenpool im Winter – bedingt das nicht geradezu ein hohes Maß an Ressourcenverschwendung?
Oder konkreter: Wie lässt sich auch in der Top-Hotellerie Plastik vermeiden oder der Energieverbrauch senken, ohne Gäste zu vergraulen?

Seit fünf Jahren beschäftigen diese Fragen auch die 150 Beschäftigten des Private Nature Luxury Resort Weissenhaus an der Hohwachter Bucht bei Kiel, das beim 101-Ranking in der Kategorie „Die besten Spa & Health Resorts“ den zweiten Platz belegt. „Wir haben eine Arbeitsgruppe dafür im Betrieb, die viele Anregungen der Mitarbeitenden aufgreift“, sagt Natalie Fischer-Nagel, die das Resort gemeinsam mit ihrem Mann Frank Nagel leitet.

Vieles davon sieht der Gast, von manchem erfährt er durch Karten auf den Zimmern. So wird der Strom, den die Cardiogeräte im Fitnessraum benötigen, durch die Bewegung der Gäste erzeugt. Beim Streifzug durch die Anlage sind die Wildblumenwiesen oder die Bienenstöcke sichtbares Zeichen, dass in Weissenhaus die „alltägliche Naturkulisse die tragende Rolle spielt“.

Die 101 besten Hotels Deutschlands: Hotelbranche reagiert auf Nachhaltigkeits-Ansprüche der Gäste

Die Branche reagiert nach Jahrzehnten des Wegschauens nun auf gesetzliche Vorgaben wie auch veränderte Ansprüche der Gäste. Das Buchungsportal booking.com erfragt seit 2016 jährlich und weltweit die Absicht von Touristen, in nachhaltigen Unterkünften übernachten zu wollen. 2022 gaben 78 Prozent der Befragten an, das im nächsten Jahr mindestens einmal machen wollen. Ein leichter Rückgang zwar gegenüber 2021 (81 Prozent), aber ein steter Anstieg gegenüber 2020 und den Jahren zuvor.

Grüne Konzepte gab es in der Luxushotellerie vereinzelt zwar schon lange; doch wurde das, was der Begriff der „Sustainability“ umfasst, als unsexy belächelt und als kaum vereinbar gesehen mit dem, was den Luxusbegriff über Jahrzehnte prägte. Der definierte sich immer auch durch ressourcenverbrauchende Übertriebenheit mit zu viel Müll und zu viel Energiekonsum. Wollten Hoteliers den Gästen einen Aufenthalt mit gutem Gewissen verschaffen, wurde das nicht selten als PR-Maßnahme, im schlimmsten Fall als Greenwashing kritisiert.

Auf Weissenhaus wurden die üblichen Hotelschlappen für den Spabereich ausgetauscht gegen ein Modell, das rund achtzehnmal so teuer ist wie der Vorgänger. Das soll für den gesamten Aufenthalt genutzt werden und ist ausdrücklich für die Mitnahme empfohlen. In der Gebäudetechnik bei Neubauten, der Verwendung regenerativer Energien bis zur Vermeidung von Kunststoff bei der Anlieferung von Waren stecken zahllose Möglichkeiten, nachhaltiger zu wirtschaften.

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Während große Hotelketten diese Vorgaben für ihre Betriebe zentral steuern können, stehen unabhängige Hotels zunächst vor der Frage, was für Möglichkeiten überhaupt bestehen. „Wir haben mit einer Bestandsaufnahme begonnen, damit wir ausarbeiten können, was die wichtigsten Punkte sind“, sagt Laurent Gardinier, Präsident der Luxus-Hotelvereinigung Relais & Châteaux im Interview.

Und die Voraussetzungen sind unterschiedlich: Ein Hideaway mit großzügigen Grünanlagen sticht beim Thema Flächenversiegelung jedes Grandhotel in der Stadtmitte aus. Gleichzeitig seien Reisende in Stadthotels eher bereit, spürbare Veränderungen zugunsten der Schonung von Ressourcen hinzunehmen als Menschen, die es sich im Urlaub gut gehen lassen wollen, sagt Moritz Dietl, Geschäftsführender Partner der Unternehmensberatung Treugast. „Schlüssel zum Erfolg ist für alle, die einzelnen Schritte gut zu kommunizieren“, sagt Dietl.

Für Cyrus Heydarian bedeutet das zunächst mal zuzuhören. Er ist Direktor des Breidenbacher Hofs in Düsseldorf, der im Ranking die Kategorie „Bestes Grandhotel“ anführt und insgesamt auf Platz zwei hinter dem Sieger der Vorjahre – dem Vier Jahreszeiten in Hamburg – liegt.

Das Vier Jahreszeiten in Hamburg hat den ersten Platz belegt.

Foto: Reuters

Heydarian nutzt das Onlinetool Review Pro, in dem Gäste unter anderem die Möglichkeit haben, die Anstrengungen des Breidenbacher Hofs in Sachen Nachhaltigkeit zu kommentieren. „In der Sustainabiliy-Spalte wird am meisten geschrieben“, sagt der Chef des Düsseldorfer Traditionshauses. „Ich habe also einen Nachweis darüber, dass unsere Gäste daran interessiert sind.“

Doch worauf können sich die Reisenden, die möglichst umweltfreundlich und dennoch komfortabel reisen wollen, verlassen? Die Dehoga listet allein 14 Ökosiegel auf, die Hotels zertifizieren. Hotelgruppen wie die Leading Hotels of the World wollen bei Gästen mit einem eigenen Logo mit grünen Blättern für die Mitgliedshotels werben, die Nachhaltigkeit für sich reklamieren.

Wie aussagekräftig sind Nachhaltigkeits-Siegel für Hotels?

Der Breidenbacher Hof kooperiert seit 2019 mit dem Programm Earth Check, das auf Initiative der australischen Regierung seit 1987 Tourismusanbieter zertifiziert. Zehn Schwerpunkte wie Abwasser- und Abfallmanagement, Reduzierung der Treibhausgasemissionen, aber auch im Sozial- und Kulturmanagement gilt es zu erfüllen. Im nächsten Jahr winkt dem Breidenbacher Hof die höchste Auszeichnung in Gold.

In Weissenhaus begegnet der Gast zu keinem Zeitpunkt einem Ökosiegel. „Wir haben uns bewusst entschieden, keine Zertifizierung zu beantragen“, sagt Fischer-Nagel. Die Vergleichbarkeit der Maßnahmen in Betrieben wie Weissenhaus mit unter anderem Aufforstungsprojekten mit Stadthotels für Fischer-Nagel nicht fair gegeben. Für den Gast sei kaum nachzuvollziehen, welches Siegel was leiste.

Zudem steige zwar das Bewusstsein vor allem der jüngeren Gäste für Fragen der ESG-Kriterien, dennoch stünde Ressourcenschonung bei Gästen nicht an erster Stelle bei der Wahl einer Destination. Statt wie früher alle zwei würde nun alle drei Tage die Bettwäsche gewechselt. „Aber wer öfter neue Handtücher möchte, bekommt sie natürlich“, sagt Fischer-Nagel. „Wir lehnen Verbote oder Belehrungen ab, wir setzen auf Erläuterungen unserer Entscheidungen.“

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Gäste seien erholungsbedürftige Erwachsene, bei denen der Dialog nicht bei null starte. Daher würden sie die Umstellung der Pflegeprodukte von Plastikfläschchen auf Gebinde mit 500 Millilitern Inhalt schätzen – und zur Verbesserung der Müllbilanz beitragen. Dafür muss sich in der Dusche immerhin niemand mit einer flutschigen Seife plagen.

Erstpublikation: 19.11.2023, 22:00 Uhr.

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