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Kolumne: Wein und Wahrheit Warum werden manche Weine teuer – und andere nur schlecht?

Die Chef-Sommelière Stefanie Hehn aus dem Hamburger Fünf-Sterne-Hotel „The Fontenay“ erklärt die hohen Preisunterschiede, die es auf dem Markt gibt.
28.11.2020 - 10:39 Uhr Kommentieren
Der Preis eines Weines ist von unterschiedlichsten Faktoren abhängig. Quelle: dpa
Klasse bestimmt die Masse

Der Preis eines Weines ist von unterschiedlichsten Faktoren abhängig.

(Foto: dpa)

Eine Flasche Wein kann fünf Euro kosten. Aber auch 300.000. Woran liegt das? Wein ist ja nicht mal ein Kunstwerk, ein Oldtimer-Unikat oder eine Uhr mit ganz besonderen Komplikationen oder sehr prominenten Vorbesitzern, sondern im Prinzip nur ein Lebensmittel. Ein durchaus verderbliches obendrein.

Der Preis des Weins hat mit mehreren Faktoren zu tun. In allererster Linie natürlich mit seiner Herkunft. Weine aus französischen Regionen wie Burgund oder Bordeaux stehen an sich schon mal für eine enorm lange Geschichte, Tradition und das entsprechende Know-how. Das gilt auch für ihre Winzer, die teils über viele Generationen und mehrere Jahrhunderte hinweg ihre Betriebe vorangetrieben und technologisch immer wieder auf den neuesten Stand gebracht haben.

Und natürlich bestimmt entsprechend auch die Quantität die Qualität und damit den Preis: Wo riesige Mengen Wein industriell produziert werden, liegt es in der Natur der Sache, dass eher die Masse die Klasse bestimmt. Ebenso ist der Preis auch vom Angebot abhängig: Ein Wein, der nur an einer einzigen Hanglage angebaut wird und womöglich nicht mal in jedem Jahrgang produziert wird, ist entsprechend knapp. So kann er schon aufgrund seiner schieren Seltenheit höhere Preise erzielen.

Nicht unwichtig für den Preis ist indes nicht nur das Angebot, sondern auch die Nachfrage. Welche Länder interessieren sich für welche Weine? Die chinesischen Konsumenten sind mittlerweile klar die Nummer eins als mächtigste Gruppe, gefolgt vielleicht von Skandinavien und den USA, wo ebenfalls viel Wein abgenommen wird. Aber wenn in China jemand Wichtiges sagt: „Wir trinken Bordeaux“, dann wird da fortan eben Bordeaux getrunken.

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    Ebenfalls wichtig sind heute hohe Bewertungen von bekannten Weinkritikern, Sommeliers oder Influencern, die es auch in meiner Branche gibt. Einer der Big Player ist nach wie vor der Amerikaner Robert Parker und sein Fachmagazin „The Wine Advocate“: Parker verzichtet ganz auf Anzeigen, um seine Unabhängigkeit nicht zu gefährden.

    „Decanter“ und „Wine-Spectator“

    Die nach ihm benannten „Parker-Punkte“ sind ein durchaus maßgeblicher Faktor bei der Wein-Bewertung, was sich natürlich auch auf die einzelnen Preise auswirkt. Ähnlich einflussreich ist die britische Weinkritikerin Jancis Robinson, die gemeinsam mit ihrem Landsmann Hugh Johnson zudem regelmäßig einen großen Weinatlas rausbringt.

    Ebenso wichtig sind die großen Fachmagazine – nicht nur wegen ihrer regelmäßigen Preisrankings wie etwa im „Decanter“, den wir in dieser Kolumne schon vergangene Woche erwähnt haben. Gerade die internationalen, englischsprachigen Magazine wie etwa der „Wine Spectator“ sind aufgrund ihrer globalen Leserschaft am bedeutendsten. In Deutschland gehört zum Beispiel „Falstaff“ dazu.

    Klar, dass die Preise auch steigen, je stärker ein Weingut oder eine Region gerade gehypt wird. Das Pendel kann aber auch mal in die andere Richtung umschlagen mit dann womöglich dramatischen Folgen. Die Achtzigerjahre mit dem damaligen Weinskandal haben den Winzern in Deutschland und Österreich sicher nicht gutgetan, wenngleich sich seither unglaublich viel verändert hat – und ausschließlich zum Guten.

    Man kann sogar sagen: Die Qualität der deutschen Weine liegt deutlich höher, als es die Preise darstellen, auch wenn damals unsere Nachbarn die Hauptverantwortlichen waren. Die Österreicher schadeten dem Markt nicht nur durch Beimengung von Glykol, sondern bereits im Voraus durch extrem niedrige Preise. Durch den Glykol-Skandal hat der Preis der deutschen Weine – vor allem der Süßweine – arg gelitten. Davon haben sie sich bis heute leider nicht erholt.

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay. Quelle: The Fontenay
    Die Kolumnistin

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay.

    (Foto: The Fontenay)

    Wenn ich überhaupt zu einem Wein als Anlage- oder gar Spekulationsobjekt raten würde, dann wären es wohl lagerfähige deutsche Weine. Ein Großes Gewächs aus Deutschland kann bei mir auf der Restaurantkarte zurzeit mit 80 Euro angeboten werden, während vergleichbare Grand Crus da mit 250 Euro stehen. Und es ist wirklich nicht gesagt, dass bei dem französischen Wein das Geschmackserlebnis höher ist.

    Insofern liegen die deutschen Weine quasi noch in einem Dornröschenschlaf. Gut möglich, dass sich die Preise da in den nächsten Jahren noch ihrer längst etablierten Qualität anpassen.

    Aber mein wichtigster Ratschlag wäre am Ende eben doch: Nicht warten, weil eine Flasche im Keller vielleicht noch an Wert gewinnt! Lieber trinken – und genießen!
    Mehr: Kolumne Wein und Wahrheit (19): Wein als Spekulationsobjekt? Das sollte man beachten.

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    Mehr zu: Kolumne: Wein und Wahrheit - Warum werden manche Weine teuer – und andere nur schlecht?
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