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Kolumne: Wein und Wahrheit Was der Klimawandel für Winzer und uns Kunden bedeutet

Schaumwein aus England, Fackeln in den Reben: Chef-Sommelière Stefanie Hehn erklärt, wie die Branche auf Witterungsveränderungen reagiert.
10.10.2020 - 09:58 Uhr 2 Kommentare
Je wärmer es wird, umso gefährlicher wird der „Trockenstress“ der Reben. Quelle: Photographer's Choice/Getty Images
Weinbau an der Mosel

Je wärmer es wird, umso gefährlicher wird der „Trockenstress“ der Reben.

(Foto: Photographer's Choice/Getty Images)

Alle Welt spricht über den Klimawandel. Dass der sich bereits jetzt auch auf das Winzergeschäft und sogar die Qualität der Weine auswirkt, wissen bislang die wenigsten. Zum Beispiel tobten ja Anfang des Jahres in Australien schlimme Brände, die große Teile des Landes zerstörten. Und auch wenn es natürlich schmerzlich war, immer wieder Bilder von verrußten Kängurus und abgebrannten Wäldern zu sehen: Für die Weinbauern dort war es eine Katastrophe, die man sich kaum ausmalen kann aus der Ferne.

Und da spreche ich noch nicht mal von niedergebrannten Reben. Allein durch den beißenden Rauch, der sich auf die Trauben legt, verlieren sie in der Folge allen Wert. Denn man bekommt diesen Ruß-Geschmack nie mehr raus. So gingen zuletzt komplette Ernten verloren. Was das für die Preise bedeutet, wird man noch sehen müssen.

Der Klimawandel zeigt sich vielerorts – und nicht nur mit einer klaren Häufung von Bränden. Die Wachau erlebte erst vor Kurzem schlimmste Hagelstürme. Auch da ging ein großer Prozentsatz der Ernte quasi über Nacht verloren. Passiert so etwas während der Blüte, reduziert es nur die zu erwartende Menge. Geschieht es dagegen kurz vor der Ernte, ist es ein Drama. Es reicht aber schon, wenn die Weinblätter stark beschädigt werden, weil der Rebstock dann ja weniger Photosynthese leisten kann – und auch anfälliger für Pilzkrankheiten wird.

Selbst plötzlich auftretender Frost hat zugenommen. Manche Winzer versuchen dann verzweifelt, mit Fackeln in ihren Weinbergen gegenzusteuern oder stellen Ventilatoren zwischen die Rebstöcke, die die Luft besser umwälzen sollen. Mittlerweile wird ein enormer Aufwand betrieben, um mit den wachsenden Unwägbarkeiten von Wetter und Natur besser umgehen zu können.

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    Von Region zu Region fallen die Probleme unterschiedlich aus. Weinberge können sich eine Weile zwar auch selbst helfen. Aber wo riesige Monokulturen angelegt wurden, die zugleich hohen Ertrag bringen sollen, wächst natürlich auch die Anfälligkeit. Je wärmer es wird, umso gefährlicher wird der „Trockenstress“ der Reben.

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay. Quelle: The Fontenay
    Die Kolumnistin

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay.

    (Foto: The Fontenay)

    Wenn wie hier in Hamburg zwei Wochen lang Temperaturen von über 30 Grad herrschen, können Sie das den Parks und Wäldern auch ansehen. Auch die Menschen verlieren in solchen Zeiten Kraft. Ähnlich geht es Rebstöcken. Wenn sie nur noch ums Überleben kämpfen, geben sie ja auch keine Energie mehr ab an ihre Trauben.

    Eine der Folgen: Vergangenes Jahr etwa konnte nirgends mehr Eiswein produziert werden, weil es in keiner Region mehr die notwendigerweise länger anhaltenden Temperaturen unter sieben Grad gab. Das ist ja auch deutsches Kulturgut, das hier möglicherweise schon anfängt auszusterben.

    Der Klimawandel – das sind keine kurzfristigen Wetterereignisse mehr oder saisonale Schwankungen. Da verändert sich Grundsätzliches, was man schon daran merkt, dass manche Winzer – sofern sie überhaupt die geografischen Möglichkeiten haben – mittlerweile in höhere Lagen ausweichen. Je nachdem auf welcher Seite der Erdhalbkugel man arbeitet, werden nun auch südlichere oder auch nördlichere Lagen erobert, die bislang für den Wein nicht sonderlich infrage kamen.

    In Bordeaux zum Beispiel sind seit diesem Jahr neue Rebsorten zugelassen, die bislang eher in Südfrankreich oder im Libanon zu Hause waren. Selbst die spanische Rebsorte Alvarinho findet sich immer öfter im Norden. Mittlerweile investieren Weingüter aus der Champagne sogar in neue Schaumwein-Produktionen in Großbritannien. Die Angst bei den Champagner-Häusern zum Beispiel ist: Wenn es anhaltend zu warm bleibt, liefern die Reben nicht mehr genug Säure. So suchen alle nach einem Plan B.

    Etliche Projekte für mehr Nachhaltigkeit

    Erfreulicherweise geht es den Weingütern nicht nur darum, mit den klimatischen Veränderungen Schritt zu halten. Sie versuchen auch, selbst gegenzusteuern und zum Beispiel CO2-neutral zu arbeiten. Gerade da ist es wichtig, dass die großen Anbieter mit gutem Beispiel vorangehen. Torres etwa dürfte das größte familiengeführte Weingut der Welt sein mit Standorten nicht nur in Spanien, sondern auch in China oder Südamerika. Mittlerweile hat das Unternehmen etliche Projekte für mehr Nachhaltigkeit gestartet, zu denen es auch kleinere Firmen berät.

    Nicht nur meine Branche hat also mittlerweile verstanden: Nur wenn alle etwas tun, wird es die Qualität, von der wir leben, auch in Zukunft noch geben. Oder anders: Nur mit ein bisschen mehr Umweltgewissen macht Essen und Trinken auch künftig noch Spaß.

    Mehr: Kolumne Wein und Wahrheit (12): Warum Dessertweine Tausende von Euro kosten können

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    2 Kommentare zu "Kolumne: Wein und Wahrheit: Was der Klimawandel für Winzer und uns Kunden bedeutet "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Eine Anmerkung zu dem Satz "Selbst die spanische Rebsorte Alvarinho findet sich immer öfter im Norden.":
      Wenn von einer spanischen Rebsorte die Rede ist, sollte sie wohl "Albariño" heissen, die vorwiegend in Galizien angebaut wird. "Alvarinho" ist vermutlich die portugiesische Schreibweise der gleichen Rebsorte.

    • "Mittlerweile wird ein enormer Aufwand betrieben, um mit den wachsenden Unwägbarkeiten von Wetter und Natur besser umgehen zu können." Dem Klimawandel Einhalt Gebieten, kann nur durch konsequenten CO2Abbau gelingen. Dazu müssen auch neueste Forschungsergebnisse in die Praxis der Energienutzung getragen werden. Neutrino Technologie kann viel. Und jetzt die BÜRGER ÜBER GÜNSTIGSTE & SAUBERSTE ENERGIENUTZUNG DER NAHEN ZUKUNFT AUFKLÄREN. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlicht dazu aktuell: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters" Weltbuch Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-906212-56-2. Die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung mit Strom zu speisen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln. Die Deutsche Politik und Medien sollten sich dafür endlich öffnen, um Wirtschaft anzukurbeln. ,Denn russische Medien berichten bereits in Schlagzeilen und die Russen werden vermutlich zuerst auf den Markt kommen damit.

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