Netflix Houses: So werden Fans Teil ihrer Lieblingsserien
Düsseldorf. Stellen Sie sich vor, Sie betreten eine Halle, die die Kulisse für folgende Szenen bietet: Zuerst setzen Sie sich in ein einfaches Büro einer Versicherung an den Schreibtisch Ihres Chefs, Bernd Stromberg. Nach einem irritierenden Gespräch mit ihm verlassen Sie das Büro, um bei Mutter Beimer in der Lindenstraße Rat und Trost zu suchen. Anschließend treten Sie wieder auf den nachgestellten Bürgersteig, wo Harry bereits den Wagen vorgefahren hat, um Sie ins Babylon Berlin zur Zeit der Weimarer Republik zu bringen. Eine Halle der Huldigung.
Der Eintritt ist kostenfrei. Es geht Netflix schließlich gar nicht darum, eine Art überdachten Freizeitpark zu erschaffen, sondern die Fiktion ein wenig in die Realität zu holen. Es soll die Bindung von uns sterblichen Menschen an die fantasierten, dafür aber unsterblichen Charaktere erhöhen. So, wie es Netflix für Squid Game bei Promoevents schon länger praktiziert.
Und das ist gut. So abwegig die Grundidee von Erfolgsserien wie Squid Game ist, so verlässlich ist dennoch ihr Skript. Die Überraschungen sind geplant, sie folgen Mustern, verstören und erschrecken, ja, verzweifeln lassen, nein.
In diese Welt am Schirm und physisch in einem Szenenhaus einzutauchen, kann den Besuchern nicht nur Spaß und Unterhaltung, sondern auch ein Gefühl der Sicherheit geben.
Denn das Drehbuch der Realität scheint dieser Tage sämtliche Volten professioneller Geschichtenschreiber zu übertreffen. Da schadet es nicht, eine Zeit lang einzutauchen in eine geskriptete Welt, für ein paar Momente der Berechenbarkeit und Grenzen, die nicht überschritten werden.
Selfies machen mit den wichtigsten Protagonisten oder Minigolf spielen, beides ist möglich in den Netflix Houses. Nach den Eröffnungen 2025 in Philadelphia und Dallas wird 2027 wohl auch Las Vegas folgen.
Natürlich – fiktionalen Charakteren einen noch größeren Einfluss auf den Konsum zu geben, scheint das Risiko zu beinhalten, immer weniger zwischen Fantasie und Realität trennen zu können und der Scheinwelt mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als sinnvoll ist. Aber angesichts der irrationalen Zeitläufte ist das vielleicht noch der vernünftigste Weg, Zuversicht und Lebensfreude zu pflegen.
Erstpublikation: 04.09.2025, 16:40 Uhr.