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SteuerhinterziehungNadja Auermann: „Ich bin unschuldig.“

Ex-Topmodel Nadja Auermann soll einen Wohnsitz in Deutschland gehabt haben, ohne dafür Steuern zu zahlen - so der Vorwurf, dem sie sich nun vor Gericht stellen muss. Doch das Mannequin plädiert auf unschuldig. 19.05.2011 - 14:27 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Berlin. Eigentlich ist Nadja Auermann Blitzlichtgewitter gewohnt. Doch der Presserummel im Gerichtssaal 3115 des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten ist ihr sichtbar unangenehm. Das frühere Topmodel steht seit Donnerstag wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in Berlin vor Gericht. Sie und ihr Mitangeklagter Ex-Ehemann, Schauspieler Wolfram Grandezka, sollen zwischen 1999 und 2002 neben ihrem Wohnsitz in Monaco eine Villa in Berlin bewohnt haben, ohne hierzulande Einkommenssteuer zu zahlen. Angeblicher Steuerschaden: rund 270.000 Euro.    

Der Prozess beginnt mit fast 30 Minuten Verspätung. Auf dem engen Flur herrscht Gedränge. Kamerateams und Fotografen buhlen um den besten Blick auf die 40-Jährige mit den schier endlos langen Beinen. Endlich kommt sie über den Gang. Ihr Anwalt schiebt sie durch die neugierige Menschenmenge zu ihrem Platz.   

Auermann war schon auf allen Bühnen der Welt unterwegs, ob in Paris oder New York. Jetzt sitzt sie in einem tristen Raum. Es ist stickig, und der grüne Teppichboden ist fleckig. Von Glamour ist hier keine Spur. Auermann ist dem Anlass entsprechend gekleidet. Sie trägt flache Ballerinas, eine schwarze Leggins und eine weiße Bluse. Ihren Mantel hat sie abgelegt. Im Saal lässt sich Grandezka („Verbotene Liebe“) zwei Plätze neben ihr nieder. Die Zuschauerplätze sind komplett belegt.    

Der Staatsanwalt hat soeben die Anklage verlesen. Dann spricht die dreifache Mutter Auermann die entscheidenden Sätze: „Ich habe keine Steuern hinterzogen. Ich bin unschuldig.“ Sie will offensiv vorgehen, zu allen Punkten Rede und Antwort stehen. Als sie ihre Sichtweise schildert, gestikuliert sie mit den Armen. Sie ist erregt und sucht gelegentlich nach den richtigen Worten. Ihr Anwalt hilft ihr dann auf die Sprünge.   

Köpenicker Haus als Investition erworben

Das erworbene Haus im Berliner Stadtteil Köpenick sollte vermietet werden, sagt sie. Bis 2003 sei die Villa aber eine Baustelle gewesen. Ihre damaligen Aufenthalte hätten allein mit Baumaßnahmen zu tun gehabt. Sie habe das Haus sanieren lassen, um es zu vermieten. Gewohnt habe sie dort nicht. Das 1910 erbaute Haus habe sie 1998 auf Anraten ihrer Steuerberater als „Investition“ erworben. Erst im Juli 2002 sei sie mit ihrer Familie nach Deutschland gezogen und zahle seitdem auch dort ihre Steuern. Der Staatsanwalt schaut sie von unten an und zieht die linke Augenbraue hoch.

Das Gericht muss klären, ob das Model im Tatzeitraum auch in dem Haus am See wohnte. Der Staatsanwalt will wissen, was Auermann zu dem Umzug nach Deutschland bewogen hat. Auermann - bis dahin vollkommen gefasst - schlägt unerwartet die Hände vor das Gesicht und kämpft mit den Tränen. Sie kann nicht mehr sprechen und dreht sich weg. Auermanns Mutter sei damals schwer erkrankt und später gestorben, erklärt ihr Anwalt. Das Mannequin habe die letzten Monate mit ihrer Mutter verbringen wollen.    

Grandezka, mit Turnschuhen und Lederjacke, meldet sich am ersten Prozesstag nicht zu Wort. Er wirkt nervöser als Auermann. Während der Verhandlung klingelt sein Handy, weshalb ihn sein Anwalt mit einem bösen Blick strafft.    

Auermann schlägt sich tapfer. Ihre Schilderungen klingen plausibel. Ihre Nachbarn können sich an die Wohnverhältnisse vor mittlerweile zehn Jahren kaum noch erinnern. „Wie oft haben Sie Frau Auermann gesehen? Stand das Auto oft vor der Tür? Wer hat auf die Katze aufgepasst? Gab es Grillpartys oder Feste?“ wollen Staatsanwalt und Richter von den geladenen Zeugen wissen. Bei all den Fragen müssen die Zeugen schnaufen. Ihre Antworten sind meistens dünn.

Einige sagten aus, Auermann „ab und zu“ gesehen zu haben. Konkrete Angaben konnte aber kein Zeuge machen. Die Nachbarn bestätigten, dass das Haus „eher wie eine Baustelle aussah“. Es habe dort größere Renovierungsarbeiten ab 1999 gegeben, sagte einer.

Ein damals ermittelnder Finanzbeamter gelangte im Prozess zwar zu dem Ergebnis, dass Auermann im Mai 1999 „ihren Wohnsitz in Deutschland begründet hat“. Er hatte anhand von Kontoauszügen und Telefonlisten ein sogenanntes Bewegungsprofil erstellt. Die Frage, ob das Model mehr als die Hälfte eines Jahres dort gelebt habe, konnte der Beamte aber nicht beantworten. Wer seinen Wohnsitz mindestens 183 Tage im Deutschland hat, ist dort steuerpflichtig.

Nach Ansicht des Verteidigers von Auermann hat die Beweisaufnahme bisher „ganz deutlich ergeben, dass eine Steuerpflicht vor 2002 nicht bestand“. Unger verwies darauf, dass Auermann ihre „Steuerehrlichkeit schon unter Beweis gestellt hat, als das Verfahren noch nicht begonnen hatte“. Sie habe überall ihre Steuern gezahlt, sagte er. Gegen den Rat ihrer Freunde sei sie damals freiwillig nach Deutschland zurückgekehrt und habe seitdem Steuern in Millionenhöhe entrichtet.

Auermann eroberte in den 90er Jahren die Laufstege der Welt und wurde zu einem der bekanntesten Topmodels. Sie zierte die Cover der wichtigsten Modemagazine und stand für Starfotografen wie Helmut Newton oder Peter Lindbergh vor der Kamera. Bis 2005 war sie mit Grandezka verheiratet. Sie haben ein gemeinsames Kind. Das Model hat inzwischen drei Kinder und lebt in Dresden. Der Prozess wird am 26. Mai fortgesetzt.

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dapd, dpa
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