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Kolumne: Auf ein Buch Der „Apple a day“ für die Seele – ein neuer Bestseller über Resilienz

Braucht es noch ein weiteres Buch über Resilienz und Achtsamkeit? „Definitiv“, sagt unser Kolumnist, nachdem er einen aktuellen Bestseller gelesen hat.
13.11.2020 - 08:22 Uhr Kommentieren
Es gibt massig Bücher zum Thema Resilienz und Achtsamkeit – doch für unseren Kolumnisten sticht René Träders Werk heraus. Quelle: dpa
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Es gibt massig Bücher zum Thema Resilienz und Achtsamkeit – doch für unseren Kolumnisten sticht René Träders Werk heraus.

(Foto: dpa)

Nicht umsonst hat dieses Buch von Deutschlandfunk Kultur den Preis für den kuriosesten Buchtitel 2020 verliehen bekommen: „Das Leben so: NEIN! Ich so: DOCH! – Wie du besser mit Stress, Krisen und Schicksalsschlägen umgehst“.

Dabei hatte die Jury vermutlich nicht nur den originellen Titel des Buches im Blick, sondern auch die Untertitel einzelner Kapitel. Dort finden sich Überschriften wie „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, kannst du trotzdem Erdbeeren essen“ oder „Es ist nicht leicht, ein Stachelschwein zu kitzeln, unmöglich ist es aber nicht“.

Die Untertitel lassen schon erahnen, was dieses Buch so einzigartig macht. Der Autor René Träder schafft es, ein seriöses Thema humorvoll zu vermitteln und dabei fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse mit praxisnahen Übungen zu kombinieren.

Was mir dabei besonders gut gefallen hat, ist der strukturierte Aufbau des Buches. Es ist für mich das erste Resilienz-Buch, das alle wichtigen Bausteine zu diesem Thema nacheinander beschreibt. Träder hat es dazu in acht Teile gegliedert, die von A wie Akzeptanz über O wie Optimismus bis Z wie Zukunftsorientierung reichen.

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    Charmant ist dabei vor allem, dass er sich selbst als „normalen Typ von nebenan“ beschreibt. Er hat weder den Mount Everest bestiegen noch ein schlimmes Trauma erlebt. Er ist ein Journalist und Psychologe, der sich in den letzten Jahren auf die Themen Achtsamkeit und Resilienz fokussiert hat. Träder moderiert unter anderem die Podcasts der Krankenkasse DAK und der Meditations-App 7Mind. Sein gesammeltes Wissen hat er nun in diesem Buch zusammengefasst und möchte mithilfe kleiner Übungen und Denkanstöße den Alltag seiner Leser achtsamer gestalten.

    Was bedeutet eigentlich Resilienz?

    Resilienz beschreibt, wie widerstandsfähig ein System bei äußeren Einwirkungen ist. Ein häufig verwendetes Bild in diesem Zusammenhang ist das „Stehaufmännchen“. Nach dem Motto „Hinfallen, aufstehen, Krone richten“ sollen wir einfach genau dort weitermachen, wo wir aufgehört haben.

    Darum geht es aber nach Meinung des Autors nicht. Sein Bild für Resilienz ist das psychische Immunsystem. Genauso, wie wir für unsere körperliche Gesundheit ein Immunsystem haben, besitzen wir dieses auch für unseren Geist. Und genauso, wie wir durch eine gesunde Ernährung, nicht zu viel Stress und regelmäßige Bewegung unseren Körper fit halten, können wir auch durch bestimmte Übungen unsere Psyche widerstandsfähiger werden lassen.

    Gerade wenn man mitten in einer Krise ist, tendiert man dazu, den eigenen Fokus nur noch auf das Negative zu richten. Hier hat der Autor eine Lieblingsübung. Sie heißt „Bohnen in der Tasche“. Wenn wir morgens in den Tag starten, sollten wir einfach fünf Bohnen in die eine Hosentasche stecken. Immer, wenn wir tagsüber eine schöne Situation erleben, für die wir dankbar sind, nehmen wir eine Bohne und lassen sie in die andere Hosentasche wandern. So konzentrieren wir uns mehr und mehr auf die schönen Dinge, bis wir die Bohnen irgendwann nicht mehr benötigen.

    Die wohl bekannteste Übung für mehr Achtsamkeit im Alltag ist das bewusste Atmen. Achtsamkeit bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein, und ist eine wichtige Säule für mehr Resilienz im Leben. Wenn wir uns bewusst auf unsere Atmung fokussieren und die Luft ein- und ausströmen lassen, sind wir weder in der Zukunft noch in der Vergangenheit. Wir sind nur im Hier und Jetzt.

    Ein kleiner Tipp für stressige Situationen: Einfach doppelt so lange ausatmen, wie wir eingeatmet haben – und schon werden wir ruhiger und entspannter.

    Achtsamkeit ist eine Haltung dem Leben gegenüber

    So könnte ich noch zahlreiche weitere Aufgaben aus dem Buch beschreiben, aber ich schließe mich lieber der Meinung des Autors an, der schreibt: „Achtsamkeit ist keine Sammlung von Übungen, sondern eine Haltung dem Leben gegenüber.“ Diese Haltung spiegelt sich für mich vor allem in seinem Kapitel „Netzwerkorientierung“ wider, das den Untertitel trägt: „Niemand ist eine Insel“.

    Auch wenn Achtsamkeit bei uns selbst beginnt, sollten wir niemals vergessen, dass wir Menschen soziale Wesen sind und Freunde und Kontakte ein wichtiger Baustein für mehr Resilienz bedeuten. Das wird uns vor allem im aktuellen Lockdown wieder bewusst, in dem sich viele von uns nach menschlicher Nähe und einem Gesprächspartner sehnen.

    Schockiert war ich, als ich im Buch von einem Service der französischen Post gelesen habe. Diese hat 2018 erkannt, dass immer weniger Briefe und Postkarten verschickt werden, also haben sie sich auf die Suche nach einem ergänzenden Geschäftsmodell gemacht. Gleichzeitig haben sie entdeckt, dass immer mehr ältere Menschen allein zu Hause leben und nur selten Besuch bekommen. Diese beiden Faktoren haben sie neu kombiniert und jetzt kann man für 20 Euro im Monat einen Postboten zum Reden buchen. Dieser kommt einmal pro Woche vorbei und spricht mit einsamen Menschen.

    Hin und weg vom eigenen Leben

    Ist das unsere Zukunft? Müssen wir andere Menschen dafür bezahlen, dass sie uns besuchen kommen und mit uns sprechen?

    Ich hoffe, dass dieses Buch bei vielen Lesern das Gegenteil bewirkt und wir wieder achtsamer mit unseren Mitmenschen umgehen und soziale Kontakte pflegen. Ich hoffe, dass wir wieder optimistischer werden und positiv in die Zukunft blicken. Ich wünsche mir, dass wir – mit den Worten des Autors gesprochen – hin und weg von unserem Leben sind!

    Und falls Sie doch mal einen stressigen Tag oder schlechte Laune haben sollten, hilft eine SOS-Notfall-Liste. Zur Inspiration ein Auszug aus Träders Zusammenstellung: Grießbrei kochen, die Webcam von Nizza anschauen, joggen, meditieren, Cat Stevens und Simon & Garfunkel in Dauerschleife hören und natürlich eine Stunde früher schlafen gehen.

    Dennis Fischer hat in den vergangenen Jahren nicht nur 500 Business-Ratgeber gelesen, sondern sehr viele Tipps daraus für sich umgesetzt. Seine Erfahrungen teilt er wöchentlich mit Tausenden Lesern auf seinem Blog 52ways.de, in seinem Podcast „52 Wege zum Erfolg“ und gibt sie als Speaker (www.dennisfischer.com) und Trainer an seine Klienten weiter.

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