Quandt-Dynastie: „Es gab da eine tiefe Sinnleere bei Magda Goebbels“
Düsseldorf. Nora Bossong macht es sich nicht leicht. Die Autorin hat sich in der Vergangenheit schon mit dem italienischen Philosophen Antonio Gramsci auseinandergesetzt oder mit den komplizierten Strukturen der Vereinten Nationen. Immer in Romanform, immer aber sehr nah, zum Großteil in Übereinstimmung mit der Realität. Nun also Magda Goebbels. Beziehungsweise Magda Quandt. Je nach Perspektive.
Eine der schillerndsten und skrupellosesten Figuren des NS-Regimes. Zwischenzeitlich aber auch Teil der Industriellendynastie Quandt, zudem Mutter des Nachkriegs-Unternehmers Harald Quandt aus der Unternehmerdynastie, die für ihre BMW-Beteiligung berühmt wurde. Bossong nähert sich ihr in Romanform.
Die Bezüge zur Realität sind aber erdrückend. Gelegenheit für ein Gespräch mit Nora Bossong über die Figur Magda Goebbels, ehemals Quandt, und ihre Auswirkungen auf eine der wichtigsten, aber schweigsamsten deutschen Unternehmerfamilien.
Frau Bossong, warum ist Magda Goebbels, die ja auch mal Magda Quandt hieß und zunächst mit dem Großindustriellen Günther Quandt verheiratet war, heute noch interessant?
Sie ist eine Frau, die wie kaum eine sonst für die Frage nach den Verbrechen der Nationalsozialisten steht. Also danach, wie es dazu kommen konnte. Wie konnten Menschen so weit gehen? Bei der Suche nach Antworten gibt es sehr viele männliche Figuren als Mosaiksteine, aber kaum Frauen. Man kann aus ihrer Biografie auch für heute noch lernen, wie Menschen sich radikalisieren.