Ex-Chefärztin: Enise Lauterbach: „Als Migrantin fühlte ich mich wie ein Alien“
Dr. Enise Lauterbach
Foto: PRDüsseldorf. Von der Chefärztin zur Start-up-Gründerin: Mitten in der Corona-Pandemie gründet Enise Lauterbach ihr Unternehmen Lemoa Medical. Die Kardiologin konzipiert eine App für herzkranke Menschen und einen Messenger von Ärzten für Ärzte, der Patienten und Medizinern das Leben leichter machen soll.
„Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte man nicht auswählen können“, erzählt sie in der neuen Folge von Handelsblatt Mindshift. „Ich habe diese Gründung generalstabsmäßig vorbereitet. Typisch Mediziner, als ob ich eine Facharztprüfung ablegen wollte“, sagt Lauterbach.
Trotzdem erfuhr sie zunächst Ablehnung, als sie mit ihrem Businessplan auf Investorensuche ging. Es wurde sehr schnell klar, dass sie keine finanzielle Unterstützung bekommen würde. „Mir wurde ins Gesicht gesagt, ich sei zu alt, und mir als Ärztin wurde das einfach nicht zugetraut, da ich keine kaufmännische Erfahrung mitbringen würde.“
Aber sie hat sich nicht entmutigen lassen – in der neuen Podcast-Folge sagt sie: „Ich wollte diese Veränderung so stark und dachte, ich bin doch nicht die einzige Medizinerin hier in diesem Land, die ein Unternehmen gegründet hat. Das hat mich unglaublich motiviert und mir viel Selbstvertrauen gegeben, es zu schaffen.“
Enise Lauterbach war bis dahin sehr erfolgreich. Sie hatte einen unbefristeten Job – trotzdem gab sie entnervt auf: zu viel Bürokratie, zu viel Pedanterie im Medizinbetrieb. Mit ihrem Start-up setzt sie jetzt alles auf eine Karte und geht unbeirrt ihren Weg, dessen größte Hürde am Anfang ein uraltes Faxgerät gewesen ist. „Hätte ich gewusst, wie gründungsfeindlich das ist, was ich erlebt habe, hätte ich nicht in Deutschland gegründet“, erzählt Lauterbach.
Was die Tochter türkischer Arbeitseinwanderer („Als Migrantin fühlte ich mich als Kind in Rheinland-Pfalz wie ein Alien“) und zweifache Mutter dazu bewogen hat, in der Coronakrise ihren Job als Ärztin an den Nagel zu hängen („Ich bin persönlich ein sehr hohes sowohl finanzielles als auch berufliches Risiko eingegangen“) und wie sie die Digitalisierung in der Medizin weiter voranbringen will („Die Medizin wandelt sich, und diesen Wandel müssen wir Ärzte mitgestalten“), erzählt Enise Lauterbach im Interview.
Außerdem wollten wir von ihr wissen, wie sie sich selbst motiviert in Momenten, in denen sie Zweifel hat, woher sie ihren Mut nimmt und wie es sich anfühlt, auf einmal einen eigenen Wikipedia-Eintrag zu haben. Viel Spaß beim Zuhören.
Außerdem wollten wir von Enise Lauterbach wissen:
- Was war schwieriger: Eine Frau zu sein oder eine Migrationsgeschichte zu haben?
- Wie wichtig war Glück in deiner Karriere?
- Wie weit gehst du über körperliche Grenzen?
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Weitere Folgen finden Sie hier:
- Anna-Lena Hodenberg: „Digitale Gewalt ist die größte Gefahr für unsere Demokratie“. Die ehemalige Fernsehjournalistin hilft mit der Organisation HateAid Opfern von digitaler Gewalt. Im Mindshift-Podcast spricht sie darüber, warum Menschen im Netz hassen.
- Peter Tauber: „Ich war so schwach, dass ich nicht wusste, woher die Kraft zum Weiterleben kommt.“ Der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber spricht im Mindshift-Podcast über die Schattenseiten der Politik, Scheitern, Schmerzgrenzen und sein vorzeitiges Karriereende.
- Lasse Rheingans: „Es arbeitet doch niemand acht Stunden im Büro.“ Der Unternehmer hat sich jahrelang zwischen Beruf und Familie aufgerieben. Heute lässt er kürzer, aber effizienter arbeiten – von 8 bis 13 Uhr, bei vollem Gehalt.
- Carmen Köhler, Friseurin und Astronautin: „Man sollte seine Ängste sein lassen und mutig sein.“ Die promovierte Physikerin erforscht von der Erde aus den Weltraum. Die Analog-Astronautin über Frauen im All, ihr KI-Start-up und Leben auf dem Mars.