Rethink Work: Vom Hartz-IV-Kind zur Unternehmensberaterin: Natalya Nepomnyashcha über ihren sozialen Aufstieg in Deutschland
Die 32-Jährige, die in Kiew geboren wurde, sieht sich als Vorkämpferin für Chancengleichheit und soziale Diversität in Deutschland.
Foto: Daniel HardgeDüsseldorf. Saubere Fliesen, der Geruch von Reinigungsmittel und viele schneeweiße Waschbecken – das ist Natalya Nepomnyashchas erste Erinnerung an Deutschland. Es ist der 6. März 2001. Zusammen mit ihren Eltern macht sie halt in einem Einkaufszentrum in Dresden, um sich zu waschen. Einen Tag vorher waren die drei in einem Reisebus aus der Ukraine nach Deutschland aufgebrochen.
Ihr Bild von Deutschland? „Dass alles ordentlich ist, sauber und mit rechten Dingen zugeht“, erzählt die heute 32-Jährige im Podcast „Handelsblatt Rethink Work“. „Ein bisschen ein Schlaraffenland.“
Damals ahnt sie noch nicht, wie hart es für sie in ihrer neuen Heimat werden wird. In Kiew war sie eine Musterschülerin, in Augsburg, wo sie mit ihrer Familie ankommt, ist sie ein elfjähriges Mädchen, das kein Wort Deutsch kann, in einem „Ghetto-Viertel“ wohnt und von Hartz IV lebt. Ihre Eltern konnten ihr nicht helfen. „Sie haben sich selbst zurechtfinden müssen“, sagt sie. Sie sind noch immer arbeitslos und kaum integriert. Damit habe sie sich abgefunden, so Nepomnyashcha.