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Aktien kaufenSo klappt der Einstieg in den Aktienhandel

Überlegen Sie, Geld zu investieren und Aktien zu kaufen? Der Weg zum eigenen Depot ist deutlich kürzer als oft gedacht. Wie Anfängern der Börseneinstieg gelingt.Markus Hinterberger, Kai Thomas 03.12.2024 - 11:42 Uhr Artikel anhören

Wenn Sie Aktien kaufen wollen, gibt es einiges zu beachten. Das Wichtigste zu Depot, Aktienhandel und Steuern.

Foto: IMAGO/Silas Stein

München, Düsseldorf. Es gibt viele Umfragen dazu, warum Menschen keine Aktien kaufen. Der am häufigsten genannte Grund ist die Volatilität an den Märkten. Kein Wunder, denn die Vorstellung, dass aus 1000 investierten Euro über Nacht 500 werden können, verunsichert schnell. Andererseits rentierten sich bisher trotz der Börsencrashs in den Jahren 1987, 2002, 2008 und 2020 Aktien und börsengehandelte Fonds (ETFs) mehr als jede andere Art, Geld anzulegen.

Doch wie kann man Aktien und ETFs handeln, und wo? Was ist wichtig, wenn man ein Depot eröffnet? Wie geht man mit schwankenden Kursen um? Und wie werden Gewinne versteuert? Das Handelsblatt zeigt Ihnen, worauf es ankommt, um an der Börse zu starten und langfristig erfolgreich zu sein.

Welche Aktien sollte ich jetzt kaufen?

Aktien versprechen hohe Renditen, tragen aber oft auch ein großes Verlustrisiko. Welche Aktienauswahl zu Ihnen passt, hängt unter anderem von Ihrer Risikobereitschaft, dem Budget, den Anlagezielen und der Marktentwicklung ab. Grundsätzlich eignen sich Aktien von Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, soliden Bilanzen und Wachstumspotenzial.

Deshalb ist es wichtig, sich vor dem Kauf gründlich über einzelne Wertpapiere zu informieren. Es hilft auch zu lernen, wie sich Aktien anhand von Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und der Marktkapitalisierung bewerten lassen. Aktuelle Ideen für Aktien, die infrage kommen könnten, finden Sie in folgenden Handelsblatt-Artikeln:

Was sollten Anfänger beim Aktienkauf beachten?

Anfänger können sich beim Aktienkauf an zwei Grundregeln orientieren: Investiere langfristig. Und streue das Risiko auf viele verschiedene Aktien.

Wer Vermögen mit Aktien aufbauen möchte, sollte Geduld mitbringen. In der Vergangenheit hat sich für Aktien eine Haltedauer von zehn bis 15 Jahren bewährt. So werden kurzfristige Verluste häufig ausgeglichen, denn historisch betrachtet sind Aktienmärkte stetig gestiegen.

Ein Börsencrash, wie etwa in der Coronakrise, wirkt sich auch auf die Aktienkurse im eigenen Depot aus. Den Verlust erleiden Sie allerdings erst tatsächlich, wenn Sie die abgestürzten Aktien verkaufen. Wer nichts macht, hat lediglich sogenannte Buchverluste.

Das heißt aber nicht, dass man Aktien stur halten sollte. Geht ein Unternehmen langsam pleite, ist es sinnvoll, sich lieber früher als später von der Aktie zu trennen. Bei einem Crash wie zu Coronazeiten stürzen aber auch viele Aktien gesunder und profitabler Unternehmen ab. Diese haben dann natürlich Chancen, sich auch wieder zu erholen.

Risiko beim Aktienhandel mit Welt-ETFs senken

Das Risiko senken Sie zudem durch den Kauf von Aktien unterschiedlicher Branchen und Regionen. Fallen die Kurse einzelner Aktien im Depot, gleichen die steigenden Kurse anderer Aktien darin dann im besten Fall die Verluste aus.

Für eine breite Risikostreuung müssen Sie nicht unbedingt selbst einzelne Aktien zusammenstellen und kaufen. Sie können auch Anteile eines Indexfonds erwerben. Diese sogenannten ETFs (Exchange Traded Funds) bilden die Wertentwicklung eines Aktienindexes ab.

Als Basisinvestment eignen sich für Anfänger dazu ETFs auf weltweite Aktienindizes wie den MSCI World, den MSCI All Country oder den FTSE All World. Sie beinhalten Tausende Aktien aus der ganzen Welt. Auch der Kurs solcher Welt-ETFs kann durch Krisen stark schwanken. In der Vergangenheit haben sie Verluste aber nach einigen Jahren immer wieder aufgeholt.

Durch den Erfolg vieler amerikanischer Tech-Unternehmen wie Apple, Microsoft und Nvidia sind die USA in Welt-ETFs überrepräsentiert. Wer diesem Klumpenrisiko begegnen will, der kann noch einen ETF auf den Aktienindex Euro Stoxx 600 dazukaufen. Dieser Aktienindex beinhaltet die größten europäischen Konzerne. Allerdings ist dann auch der US-Markt – als der in den vergangenen Jahrzehnten dynamischste Markt – untergewichtet. Eine sinnvolle Ergänzung zum MSCI World kann zudem ein ETF auf Schwellenländer (Emerging Markets) sein. Im MSCI ACWI und FTSE All World sind diese bereits enthalten.

Wo können Sie Aktien verwahren?

Zunächst brauchen Sie ein Depot, über das Sie Aktien und auch Fonds kaufen und verkaufen können. Ihre Wertpapiere werden dort virtuell gelagert. Fast alle Online- und Direktbanken bieten Depots an.

Bei Banken, die vor Ort Filialen unterhalten, ist der Börsenhandel eher teurer, bei Onlinebanken sind die Kosten eher geringer. Onlinebanken bieten neben einem kostenlosen oder günstigen Girokonto meist auch ein Gratisdepot. Die FMH-Finanzberatung hat zuletzt die Onlinedepots der ING, der Consorsbank und von Santander mit der Note „gut“ bewertet.

Darüber hinaus gibt es auch reine Broker, die insgesamt als noch etwas günstiger gelten. Im FMH-Ranking 2024 schneiden Traders Place, XTB, Trade Republic, Finanzen.net Zero, Smartbroker+ und Scalable Capital mit der Note „sehr gut“ ab. Das Geld, um Aktien oder andere Wertpapiere zu handeln, kommt bei einem Broker vom Girokonto des jeweiligen Kunden. Es wird als „Verrechnungskonto“ hinterlegt.

Wie eröffne ich ein Depot?

Nachdem Sie einen Anbieter ausgesucht haben, müssen Sie sich auf der jeweiligen Website registrieren. Zuerst beantworten Sie in der Regel ein paar Fragen zu Ihrer Risikoneigung. Dann müssen Sie sich identifizieren, meist über eine kurze Videoidentifizierung oder die eID-Funktion Ihres Personalausweises. Sobald Sie im Anschluss die Zugangsdaten per E-Mail oder Post erhalten haben, ist das Depot startklar.

Wie sicher ist ein Depot?

Wertpapierdepots unterliegen anders als Spar- oder Girokonten nicht der Einlagensicherung. Sie sind vielmehr wie Schließfächer zu betrachten, auf deren Inhalt die Bank nicht zugreifen darf. Sie gelten als sogenanntes Sondervermögen. Das Depot können Sie auch jederzeit wechseln. Die Bank ist in diesem Fall verpflichtet, die Wertpapiere binnen bestimmter Fristen auf die neue Bank zu übertragen.

Wie findet man Aktien und ETFs?

Um Wertpapiere oder ETFs bei Ihrem Depotanbieter zu finden, brauchen Sie die Internationale Kennnummer (ISIN). Sie ist der weltweite Standard zur Identifikation von Wertpapieren. Für die ISIN-Recherche von ETFs eignen sich Vergleichsplattformen wie justetf.com oder extraetf.com.

Fast immer gibt es den gleichen ETF in einer ausschüttenden und einer thesaurierenden Variante. Erstere eignet sich für alle, die von den Erträgen ihres Depots leben wollen. Letztere eignet sich, um Vermögen aufzubauen, denn die Gewinne werden wieder angelegt. Ideen für ETFs, die infrage kommen könnten, finden Sie in diesen Beiträgen:

Die ISIN von Aktien können Sie über eine Suchmaschine ermitteln oder über das entsprechende Suchfeld Ihres Depotanbieters. Dabei sollte man aber aufmerksam sein: Wer dort beispielsweise nur den Aktiennamen „Merck“ eingibt, bekommt zwei unterschiedliche Merck-Aktien angezeigt. Welche nun für das amerikanische und welche für das deutsche Unternehmen Merck steht, zeigt die ISIN. Die eine beginnt mit DE für Deutschland, die andere mit US für die USA.

Wie kaufe und verkaufe ich Aktien und ETFs?

In den meisten Onlinedepots können Sie Aktien über die Ordermaske kaufen oder verkaufen. Nachdem Sie eine Aktie, einen Fonds oder einen ETF ausgewählt haben, folgen diese Schritte:

  1. Geben Sie die ISIN in die Suchmaske Ihres Depots ein.
  2. Öffnen Sie dann die jeweilige Ordermaske mit einem Klick auf „Kaufen“ oder „Verkaufen“.
  3. Legen Sie den Umfang der Order fest. Entweder geben Sie in der Ordermaske eine konkrete Zahl an Papieren an, die Sie kaufen oder verkaufen wollen, oder einen festen Geldbetrag.
  4. Entscheiden Sie, bei welchem Handelsplatz Sie die Aktie kaufen wollen.
  5. Bestimmen Sie, wie die Order ausgeführt werden soll. Hier empfiehlt es sich für Direkthändler, „billigst/bestens“ auszuwählen. In diesem Fall wird die Kauforder zum aktuell günstigsten Kurs ausgeführt. Verkaufsorders werden zum höchsten Kurs ausgeführt. Bei Börsen wie Xetra oder Gettex sollten Sie einen Höchstpreis (Limit) festlegen.
  6. Lösen Sie die Order mit einer TAN- oder App-Freigabe aus.

Wenig später wird Ihnen bei einem Kauf die Aktie oder der ETF im Depot angezeigt.

Wo kauft und verkauft man Aktien?

Die meisten Aktien und ETFs können Sie an mehreren Handelsplätzen kaufen und verkaufen. In der Ordermaske Ihres Depots können Sie zwischen verschiedenen Börsen und Direkthändlern wählen.

Direkthändler, auch „OTC-Handel“ genannt, sind oft günstiger als Börsen. Sie sind empfehlenswert, wenn Sie häufig gehandelte und bekannte Aktien oder ETFs kaufen oder verkaufen wollen. In der Ordermaske wählen Sie am besten den günstigsten Direkthändler. Bekannte Direkthändler sind Tradegate, Lang & Schwarz Tradecenter (LS-TC) sowie die Baader Bank und die Commerzbank.

Wenn Sie bei einzelnen deutschen Aktien unsicher sind, sollten Sie eher bei Xetra von der Frankfurter Börse kaufen, denn dort wird viel gehandelt.

Wann sollten Anfänger Aktien kaufen und verkaufen?

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, Aktien und ETFs an regulären Handelstagen zwischen 9:00 und 17:30 Uhr zu kaufen und zu verkaufen. Das erhöht auch bei Direkthändlern die Chance, zu tagesaktuellen Börsenkursen zu handeln. Börsentage sind alle Werktage, ausgenommen das Wochenende und Feiertage. Meistens sind Börsen an gesetzlichen Feiertagen geschlossen.

Aktien kaufen: Welche Kosten fallen an?

Beim Kaufen und Verkaufen von Aktien oder ETFs kann pro Order eine Gebühr anfallen. In einem Broker-Vergleich hat die FMH-Finanzberatung die Orderkosten verschiedener Anbieter zusammengetragen. ETFs und aktiv verwaltete Fonds verlangen zudem eine Verwaltungsgebühr. Genaueres erfahren Sie auch auf der Website der jeweiligen Bank oder des Brokers.

Anders als bei anderen Wertpapieren kann es sein, dass Sie für die Anteile von aktiv verwalteten Fonds noch ein Ausgabeaufschlag von drei bis fünf Prozent des investierten Betrags zahlen müssen. Viele Broker bieten aber bestimmte Fonds und ETFs auch ohne Ausgabeaufschlag an.

Aktien verkaufen: Welche Steuern fallen an?

Für Kursgewinne oder Dividenden – sogenannte Kapitalerträge – müssen Anlegerinnen und Anleger seit 2009 eine Kapitalertragsteuer abführen. Folgendes geht insgesamt von den Kapitalerträgen ab:

  • Kapitalertragsteuer (25 Prozent)
  • Solidaritätszuschlag
  • Kirchensteuer

Als Beispiel: Von jedem Euro, den Anleger verdienen, bleiben rund 27 Cent beim Finanzamt. Das Gros davon, 25 Cent, macht die Kapitalertragsteuer aus, der Rest entfällt auf den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer.

In der Regel zieht die Bank Kapitalertragsteuer und Soli direkt ab. Daher wird diese Steuer oft auch „Abgeltungsteuer“ genannt. Wer der depotführenden Bank oder dem Broker seine Konfession mitgeteilt hat, bekommt auch die Kirchensteuer abgezogen. Ist die Bank oder der Broker im Ausland beheimatet, müssen die Kapitalerträge im Rahmen der Steuererklärung angegeben werden.

Aktienhandel: Welche Gewinne sind steuerfrei?

Singles dürfen seit dem 1. Januar 2023 jährlich bis zu 1000 Euro Gewinn mit Aktien steuerfrei erzielen. Bei veranlagten Ehepaaren verdoppelt sich der Freibetrag auf 2000 Euro. Erst jeder Cent, der darüberliegt, muss versteuert werden. Damit der Freibetrag für den Aktienverkauf gilt, müssen Sie für Ihr Depot dem betreffenden Institut einen „Freistellungsauftrag“ erteilen.

Wer einigermaßen erfolgreich investiert, wird diese Freigrenzen bald hinter sich gelassen haben. Besteuert werden nicht nur Kursgewinne beim Verkauf, sondern auch laufende Einkünfte wie Zinsen und Dividenden.

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Wer eine Aktie unter dem Wert verkauft, zu dem er sie gekauft hat, kann den Verlust aber mit dem Gewinn aus einem anderen Aktiengeschäft verrechnen und so Steuern sparen. Passiert das innerhalb des gleichen Jahres und Depots, verrechnet die Bank die Beträge automatisch.

Dieser Artikel erschien bereits im Januar 2023. Der Artikel wurde zuletzt am 02.12.2024 umfassend aktualisiert.

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