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AktienmarktWie und wann Sie am besten Wertpapiere verkaufen

Die Kaufmannsweisheit „günstig einkaufen, teuer verkaufen“ gilt auch an der Börse. Doch vielen fällt es schwer, sich rechtzeitig von Aktien und anderen Wertpapieren zu trennen. Ein Ratgeber.Markus Hinterberger, Jürgen Röder 01.08.2023 - 13:07 Uhr Artikel anhören

Mindestens genauso wichtig wie die korrekte Strategie beim Einstiegszeitpunkt: Wann und wie Sie Aktien verkaufen.

Foto: Getty Images

Düsseldorf/Frankfurt. Verkaufen oder liegen lassen? Die wohl älteste Frage für alle, die an der Börse investieren, ist auch die schwierigste. Vor allem in einem Jahr wie 2023, in dem zwei Krieg und hohe Inflationsraten Börsianer in Atem gehalten haben und es auch zum Jahresende noch immer tun. Wie es an den internationalen Finanzmärkten weitergeht, darüber sind sich Fachleute uneins. Zu stark ist der Einfluss, den der Ukrainekrieg und die Inflation auf die Kurse ausüben.

Und derKrieg im nahen Osten tut ein übriges, um die Kurse schwanken zu lassen. Die meisten Privatanlegerinnen und Privatanleger werden beim Blick in ihr Depot eher gemischte Gefühle haben. Einige Einzelwerte, etwa die von Waffenherstellern, sind gestiegen, andere stark gesunken.

Das wirft die Frage auf, ob es sich nun lohnt, die schlechter gelaufenen Aktien zu verkaufen oder sich von den guten Papieren zu trennen, um die angelaufenen Gewinne mitzunehmen. Das Handelsblatt gibt die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Aktien verkaufen: Warum ist das so wichtig?

Bei Diskussionen um das richtige Timing geht es in den allermeisten Fällen um den richtigen Einstiegszeitpunkt – und eben sehr selten um den Verkauf von Aktien. Denn vor allem Neueinsteiger scheinen oft zu glauben, sie würden auf dem tiefsten Stand kaufen und zum höchsten Kurs verkaufen. In der Realität ist aber ein großer Lottogewinn realistischer.

Oftmals stehen Anleger vor folgenden Fragen: Wie soll ich reagieren, wenn die Aktie nach dem Kauf deutlich gefallen ist? Soll ich verkaufen oder eher nachkaufen und die Position damit vergrößern? Wann soll ich verkaufen, wenn der Kurs nach oben geklettert ist? Ist ein Komplettverkauf sinnvoll, oder sollte ich Teilgewinne realisieren? Diese Fragen sind mindestens genauso wichtig wie die nach dem Einstiegszeitpunkt.

Warum fällt es vielen Anlegern so schwer Aktien zu verkaufen?

Das hängt mit der Anlegerpsychologie zusammen. Beim Verkauf einer im Wert gesunkenen Aktie würde man sich eingestehen, mit seiner Einschätzung falschgelegen zu haben, was einem Scheitern gleichkommt. Bleibt die Aktie im Depot, dann spiegelt das die Hoffnung auf bessere Zeiten wider.

Anlegerinnen und Anleger sollten sich bei Kursverlusten immer folgende Frage stellen: „Bin ich bereit, die Aktie auf diesem niedrigen Niveau erneut zu kaufen?" Wenn die Antwort nein lautet, dann sollten Sie verkaufen. Im anderen Fall müssen Sie aufpassen, dass mögliche weitere Verluste der jeweiligen Aktie nicht die Performance des gesamten Depots übermäßig belasten.

Kann ich die Verluste nicht einfach aussitzen?

Kann man, ist aber eher selten eine Erfolgsstrategie. Dabei hilft folgende Beispielrechnung. Fällt eine Aktie um zehn Prozent, muss sie um elf Prozent steigen, um ihr Ausgangsniveau zu erreichen. Bei 50 Prozent Verlust sind es aber schon 100 Prozent, bei 75 Prozent dann 300 Prozent, und bei einem Restwert von zehn Prozent muss das Papier anschließend 900 Prozent klettern, damit der Einstiegswert wieder erreicht wird. Jeder Anleger muss sich fragen, wie realistisch solche Szenarien sind.

Was passiert mit meinem Aktien-Depot, wenn ich keine Verlustbringer verkaufe?

Dann verabschiedet man sich vom Aktienmarkt, zumindest langfristig gesehen. Denn wer seine Verlustbringer nicht verkauft, hat irgendwann nur noch Aktien im Depot, die deutlich im Minus sind. Und hat dann kein Geld mehr für neue Investments.

Wie können sich Anleger über ein Markttiming informieren, also über den richtigen Zeitpunkt des Verkaufs?

Markttiming ist sehr schwierig. Belastbare Informationen dazu liefern Sentimentumfragen, die die Stimmung der Anleger beschreiben. Vereinfacht formuliert: Wenn alle gekauft haben, herrscht in der Regel gute Marktstimmung. Und es gibt dann nur wenig Spielraum für steigende Kurse.

Wenn aber die Stimmung schlecht ist, spricht das dafür, dass es kaum noch Verkäufer gibt. Dann reichen wenige Kauforders aus, um die Kurse steigen zu lassen. Die wöchentliche Handelsblattumfrage Dax-Sentiment und die Umfrage der Börse Frankfurt können beim Markttiming wertvolle Hinweise liefern.

Stop-Loss-Order und andere: Welche Verkaufsorders gibt es, und wie funktionieren sie?

Die wohl bekannteste Order, die dafür sorgt, dass eine Aktie verkauft wird, ist die Stop-Loss-Order. Sie lässt sich am besten an einem Beispiel erklären. Eine Anlegerin hat eine Aktie im Depot. Das Papier notiert bei 100 Euro. Die Anlegerin rechnet aber damit, dass sie bald weniger wert sein wird uns setzt einen Stoppkurs bei 80 Euro.

Sobald der Kurs der Aktie die Marke von 80 Euro erreicht hat, wird das Papier zum nächstmöglichen Kurs, zu dem die Aktie handelbar ist, verkauft. Fällt der Kurs etwa wegen einer plötzlichen Gewinnwarnung besonders schnell, kann es sein, dass die Order erst bei einem Kurs von unter 80 ausgelöst wird.

Was können Anleger dagegen tun?

Um dem vorzubeugen, gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann der Stoppkurs über 80 Euro, also etwa bei 81 Euro gesetzt werden. Denn die Erfahrung zeigt, dass die meisten Anleger als Stoppkurs runde Zahlen wählen. Wenn nun bei 80 Euro alle verkaufen, kann es sein, dass es dauert, bis wieder ein Kurs gestellt werden kann, und einige Stop-Loss-Orders werden zu weniger als 80 Euro ausgeführt.

Wie funktioniert die Stop-Limit-Order?

Die andere Option ist eine Stop-Limit-Order. Hier bestimmt die Anlegerin neben dem Stoppkurs auch ein Limit, also einen Preis, bis zu dem die Order ausgeführt werden soll. Liegt der Stoppkurs also bei 80 und das Limit bei 79 Euro, wird die Aktie nur verkauft, wenn der Kurs nicht unter 79 Euro liegt.

Bei einer Limit-Order wird nicht wie bei klassischen Stopp-Loss-Aufträgen zum nächsten Kurs, sondern zu einem fixen Preis verkauft. Daher kann es sein, dass eine Stopp-Limit-Order eine Zeitlang nicht ausgeführt wird.

Kann ich auch meine Gewinne absichern?

Ja. Das funktioniert mit einem sogenannten Trailing-Stop-Loss. Je höher der Aktienkurs, desto höher liegt die Stopp-Loss-Marke. Als Abstand ist ein fixer prozentualer Wert oder ein fixer Euro-Betrag möglich, beispielsweise ein Trailing-Stop-Loss, der immer zehn Prozent oder zehn Euro unter dem Höchstkurs liegt. Auf diese Weise können Anleger von weiter steigenden Kursen profitieren.

Sollten alle Anleger Stoppkurse setzen?

Vorab eine Binsenweisheit: Stoppkurse sind eine Absicherung, und Sicherheit kostet Geld. Nicht nur wer sein Depot im Blick hat, kann auf sie verzichten. Auch für Anlegerinnen und Anleger, die eher auf Aktien großer Unternehmen setzen, die regelmäßig Dividenden ausschütten, sind sie vernachlässigbar. Geeignet sind Produkte dieser Art für Aktien, deren Kurse stark schwanken. Auch wer neu auf dem Markt und mit dem Auf und Ab der Kurse noch nicht so vertraut ist, kann Stoppkurse zur Absicherung setzen.

Sollte man Stopps für alle Aktien mit dem gleichen Abstand setzen?

Nein. Der Abstand zwischen Kurs und der Stop-Loss-Marke hängt nicht nur von der eigenen Risikotoleranz ab und dem maximalen Verlust, mit dem dieses Papier die gesamte Performance des Depots belasten darf.

Auch die Schwankungsbreite spielt eine Rolle. Bei einem volatilen Technologiewert sollte die Stop-Loss-Marke weiter entfernt vom aktuellen Kurs angesetzt werden als bei einer schwankungsarmen Versorgeraktie. Den Verlust, der maximal geduldet wird, kann man über die Anzahl der gekauften Aktien steuern.

Kann man beim Verkaufen von Aktien Steuern sparen?

Ja, indem man Kursverluste realisiert, die dann mit Gewinnen anderer Aktien verrechnet werden.

Hierzu wieder ein Beispiel. Ein Anleger will 1000 Euro an Kursgewinnen realisieren. Das würde ihn unterm Strich rund 264 Euro an Steuern kosten. Er hat aber auch Anteilsscheine im Depot, die 500 Euro im Minus sind und von denen er sich ohnehin trennen will. Verkauft er beide Aktien, drücken die 500 Euro Miesen den Gewinn auf 500 Euro. Die Steuerlast sinkt nun um die Hälfte auf rund 132 Euro.

Sollte man Teilgewinne realisieren, wenn der Aktienkurs deutlich gestiegen ist?

Auf jeden Fall. Das hat mehrere Vorteile, Dadurch verkleinert sich die Positionsgröße der Aktie innerhalb des Depots, was das Risiko verringert. Und man erzielt immer noch einen Gewinn, wenn der andere Teil wieder zum Einstiegskurs verkauft wird. Es gilt eine plumpe, aber keinesfalls schlechte Börsenregel: An Gewinnmitnahmen ist noch keiner gestorben.

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Dieser Artikel erschien bereits am 20.12.22. Der Artikel wurde am 8.11.2023 aktualisiert.

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