Dax-Umfrage: Hoffnungen auf Jahresendrally schwinden – Gute Chancen für steigenden Goldpreis
Es ist eine von hoher Unsicherheit geprägte Marktphase.
Foto: dpaDüsseldorf. Der Stimmungseinbruch unter den Anlegern ist nach dem Kursrutsch Ende vergangener Woche deutlich ausgefallen. Sentimentexperte Stephan Heibel hält nach Auswertung der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment den Umschwung für so heftig, „dass an eine schnelle Kehrtwende schwer zu glauben ist“.
Dabei hatten sich viele Anleger nach so einem schlechten Börsenjahr wie 2022 zumindest auf einen versöhnlichen Jahresausklang gefreut, vielleicht sogar auf eine kleine Weihnachtsrally. Doch diese Hoffnung ist passé – die Stimmung der Anleger ist eingebrochen, sie sind verunsichert.
Nach Heibels Einschätzung mag es graduelle Stimmungsaufhellungen geben oder zumindest einen Gewöhnungseffekt an die Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen. „Doch die Chancen für eine nennenswerte Jahresendrally sind auf Basis der aktuellen Stimmungslage schlecht.“
Vor einer Woche lautete die Überschrift des Beitrags zur Sentimentumfrage: „Anlegerstimmung zeigt ,explosive Mischung' – Ausverkauf beim Dax möglich“. Mit einem Wochenminus von 3,3 Prozent und einem Kursrutsch in der Spitze von 860 Punkten trat dieser Ausverkauf ein.
Ursächlich dafür war die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). Erstmals gestand Notenbankchefin Christine Lagarde ein, dass die Inflation nicht so einfach und von alleine verschwinden wird.
Selten zuvor so gute Gold-Stimmung
Heftige Kursbewegungen am Ölmarkt hatte Heibel vor einer Woche erwartet. Am Ölmarkt machten zwei Meldungen die Runde: Zum einen konnte Bloomberg nachweisen, dass russisches Öl auf Tankern in Richtung Asien unterwegs ist, nachdem Europa eine Preisobergrenze eingeführt hat. Zum anderen hat Goldman Sachs einen Rohstoffausblick für 2023 erstellt, in dem von Preisanstiegen von durchschnittlich 43 Prozent die Rede ist. Der Preis für Rohöl stieg anschließend um zehn Prozent.
Konstruktiv hat sich für den Sentimentexperten die Stimmung bei Gold entwickelt. Seine Einschätzung basiert auf den Umfragedaten seines Analysehauses Animusx. Eine vergleichbar optimistische Stimmungslage bei gleichzeitig moderater Erwartungshaltung gab es demnach in den vergangenen 17 Jahren nur zwölf Mal.
Durchschnittlich ist der Goldpreis in den darauffolgenden sechs Monaten um sieben Prozent angestiegen, in den folgenden zwölf Monaten sogar um 14,5 Prozent. „Das würde für einen Sprung über die Marke von 2000 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) reichen“, rechnet Heibel vor.
Aktuelle Umfragedaten
Das Anlegersentiment ist von minus 0,9 Punkte in der Vorwoche auf minus 5,0 Punkte abgerutscht. Damit hat sich die aufgehellte Stimmung aus dem November schon wieder in eine depressive Stimmung gewandelt. Das Jahr droht zu enden, wie es begann und wie es mit Ausnahme des Novembers durchgängig verlief: mit schlecht gelaunten Anlegern.
Auch die Verunsicherung ist wieder zurück, und zwar heftiger denn je. Der Wert von minus 7,2 Punkte zeigt die größte Verunsicherung seit dem Juni dieses Jahres. Immerhin kommt leichter Zukunftsoptimismus auf, die Zukunftserwartung ist auf plus 0,6 Punkte leicht angestiegen. In der Vorwoche lag dieser Wert bei minus 0,6 Punkten. Entsprechend wollen einige Anleger den Rückschlag der vergangenen Woche zum Kauf nutzen, die Investitionsbereitschaft ist auf 1,1 Punkte gestiegen.
Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist auf die Nulllinie angestiegen. Damit sind die Anteile von Call-Produkten, mit denen auf steigende Kurse spekuliert wird, im Vergleich zu den Put-Derivaten, die bei fallenden Notierungen im Wert steigen, in den Depots der Privatanleger gleich groß. Die Absicherungen mit Put-Hebelprodukten, die Anleger im Oktober und November im Zuge der 2800-Punkte-Rally eingegangen waren, haben sie wieder aufgelöst.
Institutionelle Anleger, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, bleiben vorsichtig. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2,1 Prozent angestiegen, was eine starke Nachfrage nach Put-Absicherungen signalisiert.
In den USA schöpfen Anleger langsam Mut, das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE ist weiter rückläufig. Die Investitionsquote der US-Fondsanleger ist nach 56 Prozent in der Vorwoche auf 72 Prozent angestiegen. Es handelt sich um die höchste Investitionsquote seit April.
US-Privatanleger bleiben jedoch pessimistisch gestimmt. Die Bulle/Bär-Differenz steht bei minus 21 Prozent: Einem Anteil von 45 Prozent an Pessimisten, Bären genannt, stehen nur 24 Prozent an optimistischen Bullen gegenüber. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit 43 Prozent moderate Angst an.
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