Märkte Insight: Wie in den 20er-Jahren? Gute Vergleiche und schlechte Parallelen
Frankfurt. Klimakrise, Ukrainekrieg, Nahostkrieg, drohender Handelskrieg, Zerbrechen der Globalisierung, Erstarken des Populismus: Wir leben in einer Umbruchzeit. Kennzeichnend dafür ist, dass die Abgrenzungen von Politik zur Wirtschaft sowie von Geldpolitik zur Finanzpolitik, so wünschenswert sie auch sind, immer schwerer aufrechtzuerhalten sind. Vor diesem Hintergrund bietet sich ein Blick in die Historie an. Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), hat ihn vor Kurzem gewagt.
Dabei hat sie grundlegende Parallelen zu den 20er- Jahren des vorigen Jahrhunderts, etwa die geopolitische Fragmentierung und den beschleunigen technischen Fortschritt, entdeckt. Aber sie stellt auch Unterschiede heraus, vor allem die heute stärkere Unabhängigkeit der Notenbanken. Wie berechtigt sind solche Vergleiche?
Zunächst fallen vor allem politische Parallelen ins Auge. Das Aufkommen rechtspopulistischer Parteien, das Verschwinden der DDP als liberale Partei 1930, die auf den ersten Blick überraschende Nähe linker und rechter Standpunkte, heute verkörpert durch Sahra Wagenknecht: Bei diesen Themen gibt es zumindest verschwommene Parallelen, die nachdenklich stimmen.