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DaxAnleger erwarten in den kommenden Monaten fallende Kurse

Die Stimmung am Goldmarkt zeigt Züge einer ausgelassenen Partylaune. In den kommenden ein bis zwei Monaten ist nun mit einer Verschnaufpause zu rechnen.Jürgen Röder 11.04.2023 - 16:43 Uhr Artikel anhören

Dax-Anleger bleiben skeptisch.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der Zukunftspessimismus der Anleger hat den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren erreicht. Die meisten erwarten nun fallende Kurse beim deutschen Leitindex Dax in den kommenden drei Monaten.

Das zeigt die aktuelle Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Solch ein Verhalten gilt laut Sentiment-Studien als Warnsignal, weil pessimistische Zukunftserwartungen meist mit fallenden Notierungen einhergehen. Fachleute sprechen dann von positiver Korrelation. Getreu dem Motto: Wenn Anleger fallende Kurse in drei Monaten erwarten, warum sollen sie dann kaufen?

Doch für den Sentimentexperten Stephan Heibel, der die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage auswertet, gibt es diesen Zusammenhang nicht immer. „Meine Daten, die bis zum Jahr 2006 zurückreichen, zeigen, dass sich die Korrelation über die Zeit mitunter ändert“, erläutert der Inhaber des Analysehauses AnimusX.

Dafür hat er mehrere Beispiele. So war die Korrelation zwischen den Dax-Kursen und den Erwartungen der Anleger von Mitte 2017 bis Mitte 2019 überwiegend positiv. Es war eine Marktphase, in der das deutsche Börsenbarometer konsolidierte, und die Anleger glaubten meistens nicht an steigende Kurse in der Zukunft.

Erst nachdem sich ein neuer Aufwärtstrend etabliert hatte, wurde die Korrelation wieder negativ. In dieser Phase zweifelten Anleger an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs, der aber bis Anfang 2020 dauerte. „Eine negative Erwartung in einem Bullenmarkt kann als Bestätigung betrachtet werden“, erläutert er. Als Bullenmarkt gilt eine Marktphase, in der der Index um mindestens 20 Prozent gestiegen ist.

Dax: Anleger erwarten fallende Kurse – ein Warnsignal?

Ein weiteres Beispiel: Seit 2020 war die Korrelation negativ, nach dem Coronacrash im Februar/März 2020 gab es bis Anfang 2022 einen Bullenmarkt. Auch damals zweifelten die Anleger lange an einem nachhaltigen Aufschwung.

Im Jahr 2022 jedoch, als der Dax korrigierte, verschwand die negative Korrelation. „Dieses Phänomen einer negativen Korrelation zwischen steigenden Kursen und pessimistischer Zukunftserwartung ist stets dann zu beobachten, wenn ein Bullenmarkt schon länger läuft“, erläutert der Sentimentexperte und fügt hinzu: „wie der aktuelle Bullenmarkt, der Ende September startete“.

Sein Fazit aus der aktuell negativen Zukunftserwartung: „Dieses Verhalten der Anleger signalisiert eine baldige Konsolidierung, unterstützt durch andere technische Indikatoren.“ Doch einen längeren und deutlichen Kursrutsch erwartet er nicht und dementsprechend auch kein Ende des aktuellen Bullenmarkts. Denn das deutliche Absicherungsverhalten der institutionellen Anleger dürfte eine Korrektur, einen Rückgang von mindestens zehn Prozent, eher verhindern.

Diese Put-Optionen, die zur Absicherung dienen, funktionieren praktisch wie Leerverkäufe. Das bedeutet vereinfacht formuliert: Kauft ein Anleger ein Put-Produkt auf den Dax, wird zunächst der Leitindex verkauft. Bei einem Verkauf des Derivats muss der Dax wieder zurückgekauft werden, was den Kurs steigen lässt.

Nahezu unverändert hat der Dax die Vorosterwoche beendet. Zur Wochenmitte wurde ein neues Jahreshoch erreicht, danach folgte eine kleine Verschnaufpause. „Vor dem Hintergrund der Schwarzmalerei in vielen Finanzmedien ist es doch erstaunlich, dass sich der Dax in der Nähe des Rekordniveaus von 16.290 Punkten halten konnte“, erläutert Heibel.

Nach Ostern beginnt die Berichtssaison, dabei berichten traditionell die US-Banken als Erstes. Nach der Bankenkrise fürchten viele Anleger, dass hier weitere Hiobsbotschaften schlummern.

Dax-Umfrage: Aktuelle Daten von Anlegern

Das Anlegersentiment ist als Folge von plus 3,8 Punkten in der Vorwoche auf plus 2,7 zurückgegangen. Noch vor einer Woche war nahezu Partylaune unter den Anlegern zu erkennen, die bei einem Wert von plus vier beginnt. Doch die Dax-Verschnaufpause in der vergangenen Woche hat offensichtlich zu einer moderaten Ernüchterung geführt.

Dem Selbstvertrauen der Anleger tat dies jedoch keinen Abbruch, die Selbstzufriedenheit ist bei 1,4 Punkten verblieben.

Überraschend ist die deutlich gefallene und nun extrem negative Zukunftserwartung mit einem Wert von minus 2,2 Punkten nach minus 1,4 in der Vorwoche. Im Sommer 2019, also vor fast vier Jahren, war der Zukunftspessimismus zuletzt so ausgeprägt.

Da überrascht es nicht, dass die Investitionsbereitschaft von minus 0,1 keine Kauflaune signalisiert. Eine negative Investitionsbereitschaft gab es zuletzt vor etwas über einem Jahr im Vorfeld von Russlands Einmarsch in die Ukraine.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, bleibt mit einem Wert von zwei im neutralen Bereich. Die Zahl der Call-Hebelprodukte und der Put-Derivate in den Depots der Privaten ist in etwa gleich.

Die vielen Put-Absicherungen gegen fallende Kurse, die von Mitte Januar bis Mitte Februar gekauft wurden, haben die Anleger wieder verkauft.

Ganz anders sieht es beim Put/Call-Verhältnis an der Frankfurter Terminbörse Eurex aus, an dem man die Risikoneigung der institutionellen Anleger ablesen kann. Der Wert von plus 9,1 zeigt eine extrem starke Absicherung gegen fallende Kurse.

Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE hingegen pendelt im neutralen Bereich. US-Anleger teilen offensichtlich den Pessimismus der institutionellen Anleger Deutschlands nicht, sondern verhalten sich eher wie die hiesigen Privatanleger. US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf 73 Prozent angehoben. In der Vorwoche lag dieser Wert noch bei 65 Prozent.

US-Anleger sind optimistischer

Bei den US-Privatanlegern hat sich das Lager der Bären um zehn Prozentpunkte geleert, nun sind nur noch 35 Prozent pessimistisch eingestellt. Die ehemaligen Pessimisten sind gleich in das Lager der Bullen gewechselt, jeder Dritte ist nun optimistisch. Die Bulle/Bär-Differenz ist von minus 23 in der Vorwoche auf nur noch minus 1,7 angesprungen.

Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 60 Prozent nur eine moderate Gier an. Andere technische Indikatoren wie beispielsweise der Short Range Oscillator hingegen notieren mit einem Wert von plus sechs Prozent im überkauften Bereich und signalisieren zumindest kurzfristig Korrekturbedarf.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 8000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anlegerinnen und Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können. Umgekehrt gilt: Wenn die Anlegerinnen und Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Goldpreis über 2000 Dollar: Partylaune am Goldmarkt

Die Stimmung am Goldmarkt zeigt Züge von Partylaune. Der Goldpreis ist über 2000 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) gesprungen, und entsprechend feierfreudig sind die Goldanleger. Auf Sicht von ein bis zwei Monaten ist auch im Goldmarkt mit einer Verschnaufpause, vielleicht einer kleinen Konsolidierung zu rechnen. Auf Sicht von sechs Monaten hingegen spricht die gute Laune mit einer Wahrscheinlichkeit von 73 Prozent für weiter steigende Notierungen.

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