Festgeldkonto: Diese Banken bieten die höchsten Festgeld-Zinsen
Festgeldkonten sind als „Sparschweine“ beliebt. Doch nicht nur die Zinsen unterscheiden sich bei Angeboten stark.
Foto: DigitalVision/Getty ImagesMünchen. Festgeld zählt nach wie vor zu den beliebtesten Sparprodukten der Deutschen. Mitte 2024 waren der Bundesbank zufolge etwa eine Billion Euro in Festgeldkonten angelegt. Allerdings sinken die Zinsen. Laut dem Vergleichsportal Verivox gab es für Geld, dass man für zwei Jahre einer Bank fest anvertraut, zuletzt im Schnitt nur noch 2,46 Prozent. Im November 2023 waren es noch 3,39 Prozent. „In allen Marktsegmenten und über alle Laufzeiten beobachten wir weiter sinkende Festgeldzinsen“, erklärt Oliver Maier von Verivox.
Grund genug also, sich jetzt noch gute Zinsen zu sichern. Was sollten Sparer beachten? Wie sicher ist das Geld? Und wo gibt es die höchsten Zinsen? Das Handelsblatt klärt die wichtigsten Fragen zum Festgeldkonto.
Was ist ein Festgeldkonto?
Festgeld gehört im Bankerjargon zum sogenannten Termingeld. Dabei handelt es sich um Geld, das Kunden einer Bank für eine bestimmte Zeit auf einem sogenannten Festgeldkonto anvertrauen. Das können Zeiträume zwischen einem Monat und zehn Jahren sein. Zum Vergleich: Das ebenfalls beliebte Tagesgeld ist täglich verfügbar.
Während das Geld festgelegt ist, haben Sparer keinen Zugriff darauf. Dafür zahlt die Bank fest vereinbarte Zinsen. Sie werden auch dann fällig, wenn die Sparzinsen wieder Richtung null sinken. Gewährt eine Bank etwa auf drei Jahre vier Prozent Zinsen, geht sie deshalb davon aus, das Geld in den kommenden drei Jahren auch anderswo profitabler anlegen zu können.
Wie sinnvoll ist ein Festgeldkonto?
„Es gibt viele Menschen, für die ist Festgeld ein wichtiger Baustein ihres Vermögens“, sagt Horst Biallo vom Verbraucherportal biallo.de. Ein Festgeldkonto sei für Menschen sinnvoll, die ihr Vermögen nicht den Schwankungen an der Börse aussetzen wollen.
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Aber auch, wer auf ein Ziel hinspart, kann Festgeld nutzen, um die Gewinne, die mit Aktien, Fonds und ETFs entstanden sind, abzusichern. Wegen der derzeit hohen Inflation taugen Festgeldkonten aber, wie Tagesgeldkonten auch, eher dazu, Verluste zu begrenzen.
Welche Bank bietet gute Festgeld-Zinsen?
Die aktuell höchsten Zinsen auf Festgeld bieten diese Banken (Stand: 4. November 2024):
- Zwölf Monate: Freedom24 aus Zypern mit 5,02 Prozent und Banca Progetto mit 3,4 Prozent (über weltsparen.de). Den höchsten Zins mit deutscher Einlagensicherung bietet die BMW Bank mit 3,0 Prozent.
- Drei Jahre: Cherry Bank aus Italien mit 3,30 Prozent (über weltsparen.de) und Kommunal Kredit Invest aus Österreich mit 3,0 Prozent. Unter den deutschen Instituten liegt Ford Money mit 2,7 Prozent vorne.
- Fünf Jahre: Banca Sistema aus Italien mit 3,35 Prozent (über weltsparen.de) und Kommunal Kredit Invest aus Österreich mit 3,0 Prozent. Die deutsche abc Bank bietet 2,7 Prozent.
Welche Bank ist die beste für ein Festgeldkonto?
In unserem detaillierten Festgeld-Vergleich erfahren Sie, welche weiteren Zinsangebote besonders attraktiv sind. Experten erklären zudem, wann Festgeld derzeit empfehlenswert ist.
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Unser Festgeld-Vergleich basiert auf den Daten der FMH-Finanzberatung.
Wie lange sollte man derzeit Festgeld anlegen?
Festgelder mit kurzer Laufzeit von einem Jahr bieten derzeit am häufigsten über drei Prozent Zinsen. Bei längeren Laufzeiten sinken die Zinsen im Schnitt zunehmend. Fachleute sprechen von einer „inversen Zinskurve“. Wer sich aktuell über ein oder zwei Jahre binden, bekommt also mehr als andere, die ihr Geld viel länger festlegen.
Wer Geld zwei Jahre festlegen will, findet im aktuellen Handelsblatt-Vergleich noch bei drei Offerten einen Zins über drei Prozent. Bei Festgeld mit fünf Jahren Laufzeit sind es nur zwei Banken.
„Sind die Zinsen am sogenannten langen Ende, also bei acht- oder zehnjährigem Festgeld niedriger als bei Angeboten auf drei Jahre, ist das ein Zeichen dafür, dass Banken davon ausgehen, dass sie künftig weniger hohe Zinsen zahlen müssen“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung.
Was muss ich bei Festgeldanlagen beachten?
Bei den Produkten selbst ist neben dem Zins wichtig, wie die Zinsen gezahlt werden. Ohne den Zinseszinseffekt verzinst sich das angelegte Geld beispielsweise bei der Banca Sistema statt mit 3,35 Prozent auf fünf Jahre nur mit rund 3,15 Prozent. Dieser Effekt kann umso stärker wirken, je länger Geld festliegt.
Ganz allgemein ist es ratsam, bei Festgeldkonten ins Kleingedruckte zu schauen. Oft verlangen Banken hier eine bestimmte Anlagesumme, die auch bei 10.000 Euro liegen kann. Wer größere Summen transferieren will, sollte dies der Bank ankündigen, von der das Geld kommen soll. „Nicht wenige Konten haben oft aus Sicherheitsgründen ein Überweisungslimit von wenigen Tausend Euro pro Tag“, erklärt Ania Scholz-Orfanidis von der FMH-Finanzberatung.
Sollen sechsstellige Summen besonders sicher angelegt werden, lohnt es sich nach ihrem Dafürhalten, jeweils bis zu 100.000 Euro auf verschiedene Banken zu verteilen. Denn auf die gesetzliche Einlagensicherung sollten sich Sparer verlassen können. Sie sichert 100.000 Euro pro Kunde ab, falls eine Bank Insolvenz anmeldet.
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Immer wieder gibt es zu Angebote, bei denen etwa die Hälfte der Anlage in ein hochverzinstes Festgeld und der Rest in Fondsanteile fließt. Der Zins gilt dabei nur für den Festgeldanteil, die Fonds unterliegen den Schwankungen des Markts. Sie können eine hohe Rendite bringen, müssen es aber nicht. „Oft genug handelt es sich dabei aber um Fonds, die in der Vergangenheit eher schlecht gelaufen sind und sich nicht so gut verkaufen lassen“, warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Wie sicher ist Festgeld?
Europaweit sind pro Kunde und Bank 100.000 Euro über die jeweilige staatliche Einlagensicherung abgesichert. Geht eine Bank pleite, muss das Geld binnen weniger Tage inklusive der bis dahin angelaufenen Zinsen zurückgezahlt werden. Das gilt auch für Erspartes auf Festgeld-Konten.
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Viele deutsche Banken haben sich zudem dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands angeschlossen. Über ihn werden auch Beträge über 100.000 Euro abgesichert. Sparkassen und Volksbanken sichern sämtliche Einlagen ihrer Kunden ab. Über die sogenannte Institutssicherung werden kriselnde Sparkassen und Volksbanken von den anderen Verbandsmitglieder so lange unterstützt, bis sie wieder wirtschaftlich gesund sind.
Wie viel Geld ist auf einem Festgeldkonto sinnvoll?
Die meisten Festgeldkonten haben eine maximale Anlagesumme. Jenseits dieses Betrags fällt der Zins in der Regel rapide ab. „Wer besonders auf Sicherheit bedacht ist, sollte größere Vermögen ohnehin in 100.000-Euro-Paketen auf verschiedene Konten verteilen“, rät Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Damit sei nicht nur das Risiko gestreut, sondern man habe auch immer den vollen gesetzlichen Einlagenschutz.
Kann ich Festgeld vorzeitig kündigen?
Wer ein Festgeldkonto vorzeitig kündigt, bekommt in der Regel nur den eingezahlten Betrag zurück, nur ganz selten zahlen Banken auch die bis dato angelaufenen Zinsen aus. Eine Bank darf Sparern, die ihr Geld vor Ende der Zinsbindung abziehen, die Zinsen vorenthalten. Einige wenige Institute wie die IKB oder die Pbb Direkt bieten ihren Kunden bei Ihren sogenannten Flexgeldern die Möglichkeit, die Hälfte oder ein Fünftel des angelegten Gelds vorher abzuziehen und für den Rest weiterhin Zinsen zu bekommen. Das ist bei einem klassischen Festgeldkonto nicht möglich.
Lohnen sich weltsparen.de und zinspilot.de?
Weltsparen und Zinspilot bieten ihren Kunden Zugang zu zig verschiedenen Festgeldkonten aus ganz Europa. Die Angebote haben bisweilen höhere Zinsen als die von Banken, bei denen Kunden direkt ein Konto eröffnen können. Die Portale haben zwar viele Banken in ihrer Auswahl, aber längst nicht den breiten Markt.
Wie eröffne ich ein Festgeldkonto?
Die Zeit, in denen Sie für die Kontoeröffnung zur Post gehen mussten, ist glücklicherweise vorbei. Viele Banken werben inzwischen, dass Kunden neue Konten binnen weniger Minuten eröffnen können. Das ist dank des Videoidentverfahrens auch tatsächlich vom Sofa zu Hause aus mit dem Smartphone oder Laptop möglich.
Wie bei allen Bankgeschäften gilt, dass die Person, die das Konto eröffnet, volljährig sein muss. Festgeldkonten für Kinder müssen die Eltern oder andere Erziehungsberechtigte eröffnen.
Erstpublikation: 07.07.2023, 13:34 Uhr (zuletzt aktualisiert: 05.11.2024, 11:40 Uhr).