Gold und Cash: Die Dagobert-Duck-Strategie
Dagobert Duck: "Beim Geld hört der Spaß auf!"
Foto: apDüsseldorf. Über Tote und Geburtstagskinder redet man eigentlich nichts Schlechtes. Bei Dagobert Duck, der heute 65 Jahre alt wird, wollen wir eine Ausnahme machen – eine kleine zumindest. Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser und eigentlich ein leiser Mann, sagte neulich über den Erpel aus Entenhausen, dass er dessen Strategie, nämlich immer mehr Geld und Gold zu horten, für höchst gefährlich halte. Der Ökonom forderte gar, es müsse „Schluss sein mit Dagobert-Duck-Deutschland“! Sofort! Der Erpel sei die „personifizierte Liquiditätsfalle“, berichtete Bofinger unseren Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Unter Wirtschaftswissenschaftlern ist das eine veritable Beleidigung. John Maynard Keynes, der legendäre britische Ökonom, hatte das Phänomen der „Liquiditätsfalle“ bereits vor vielen Jahrzehnten beschrieben. Was er meinte, ist eigentlich recht schnell erklärt: Vermögende horten ihr Geld, weil es aus ihrer Sicht keine lukrativen Anlagemöglichkeiten mehr gibt. Dem Wirtschaftskreislauf wird somit Geld entzogen, mit der Folge, dass Unternehmen weniger investieren und die Zahl der Arbeitslosen steigt. Die Armen werden ärmer, die Reichen am Ende noch reicher.
Ist Duck aus ökonomischer Sicht ein Schmarotzer? Den Erpel dürften die Vorhaltungen nicht weiter stören. Aus Finanzkrisen heißt es, er bade, wie er das eigentlich immer tue, auch an seinem Ehrentage in seinen Talern. Von Wirtschaftswissenschaftlern, zumal aus Europa, lasse er sich nicht belehren.
„Ich kann niemand leiden und mich kann auch niemand leiden“, hatte Duck vor geraumer Zeit in einem Interview mit dem Mickey-Maus-Heft gesagt. Deswegen liege ihm Weihnachten auch nicht so sehr. Für Geschenke braucht er kein Geld aus zu geben. Das schont das Portemonnaie.
Bei Investoren ist das Geburtstagskind, anders als bei manchem Ökonom, derzeit jedoch wohlgelitten. Ducks Anlagestrategie, die darauf basiert, all seine Besitztümer, das sind vor allem Bargeld und Goldmünzen, in einem riesigen Tresor-Speicher zu horten, ist vielen nicht unsympathisch. „Geld auf Bankkonten ist nicht mehr als ein Versprechen der Bank, echtes Geld herauszurücken, wenn man es wieder haben möchte“, sagt der Buchautor Dirk Müller. „Daher gilt Dagoberts Motto: Nur ungern nimmt der Handelsmann statt barer Münze Plastik, also Kreditkarten, an.“
Zu unsicher ist die Welt geworden, selbst in Entenhausen. Staaten, da wären wir wieder bei den Europäern, die immer mehr Schulden machen und irgendwann pleite sein könnten. Banken, die spätestens wenn die Staaten pleite sind, auch pleite sind. Sparer, die den Banken ihr Geld anvertraut haben, es aber nicht wieder bekommen, wenn die Bank pleite ist und die dann auch pleite sind. Eine Welt voller Pleitiers!
Duck ist deshalb seit jeher vorsichtig. Gold und Bargeld, sicher verwahrt. So hat er alle Krisen der vergangenen Jahrzehnte, große wie kleine, unbeschadet überstanden. Die Ölkrise in den 1970ern, den Börsencrash 1987, Dotcom-Blase oder Finanzkrise. Duck war stets vorsichtig, hielt seinen Besitz beisammen. Der letzte Kontoauszug, abgedruckt im „Mickey Maus Spezial“, dem Geburtstagsheft, wies das Duck’sche Vermögen mit insgesamt 13 Trillionen 224 Billionen 567 Milliarden 778 Millionen Taler und 16 Kreuzer aus.
Der hohe Gold-Anteil schützt den Erpel gegen Inflation, vor der sich so viele Sparer, die ihr Geld in Anleihen oder in andere verzinsliche Anlagen gesteckt haben, so sehr fürchten. Der rasante Preisanstieg des Edelmetalls hat ihn noch viel reicher gemacht.
Andere, weit weniger vermögende Investoren, haben Ducks Strategie, oder besser: Teile davon kopiert. George Soros beispielsweise, der bekannte Devisenspekulant, hat in den vergangenen Monaten in großem Stile Gold gekauft. Zwar fürchte er, dass der Preis für das Edelmetall zur größten Blase unserer Zeit werden könne. Noch allerdings sei es längst nicht so weit.
Oder Warren Buffett, das Orakel von Omaha in Nebraska, nicht weit von Entenhausen entfernt. Jener Super-Investor, der dafür bekannt ist, die besten Aktien der Welt zu finden, soll seit geraumer Zeit Bargeld horten, ganz nach der Geiz-Strategie Ducks. Zur Halbjahresfrist, so ist in den Geschäftsunterlagen Buffetts nachzulesen, waren die Bargeldbestände um 7,5 Prozent auf umgerechnet mehr als 40 Milliarden Euro gestiegen.
Ähnlich dem Orakel hat der Erpel sein Vermögen mit den verschiedensten Aktivitäten gemacht, so beschreibt es sein Biograf Don Rosa („Onkel Dagobert, seine Leben, seine Milliarden“). Wie es darin heißt, habe Duck unter anderem Rasenmäher in der Sahara verkauft oder mit Salz in Ägypten gehandelt. Außerdem habe er Gold in Alaska gefunden. Jene Funde bildeten die Basis seines Reichtums. Buffett dagegen hatte sich früh auf Konsumgüter spezialisiert: auf Coca-Cola beispielsweise.
Duck verkörpert den typischen amerikanischen Traum. Aus dem Sumpfgebieten Schottlands nach Amerika ausgewandert, mittellos und fern der Heimat. Dort angekommen heuerte er bei seinem Onkel auf einem Mississippi-Dampfer an. Sein englischer Name lautet Scrooge McDuck, in Anlehnung an Charles Dickens' notorischen Geizhals Ebenezer Scrooge.
Allerdings ist das Vermögen Ducks stets bedroht. Nicht, weil er sich überlegen könnte, es in Zertifikate zu investieren oder die Panzerknacker seinen Tresor knacken. Vielmehr neigt Duck zu Jähzorn und Übermut. Wegen ebendiesem ließ er sich auf eine Wette mit seinem ärgsten Widersacher, mit Mac Moneysac, ein – und verlor sein Vermögen. Deshalb ist er bei Forbes auch nicht mehr der reichste Erpel der Welt, zumindest vorübergehend. Kreisen zufolge hat Duck sein Vermögen allerdings längst zurück. Er habe vor einem New Yorker Gericht geklagt, weil Moneysac ihn bei dem Wettlauf um die Welt betrogen habe, heißt es.