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NeuemissionenDer Markt für Börsengänge läuft heiß

Zahlreiche Firmen wollen in den nächsten Tagen an die Börse gehen. Rüstungselektronikkonzern Hensoldt und Ladestationenproduzent Compleo machen den Anfang.Robert Landgraf 17.09.2020 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Das Umfeld für Neuemissionen ist momentan sehr gut.

Foto: dpa

Frankfurt. Am deutschen Aktienmarkt geht es bei Börsengängen Schlag auf Schlag. Nachdem der Wohnmobilehersteller Knaus Tabbert bereits Ende vergangener Woche Einzelheiten über seinen Börsengang mitgeteilt hatte, zieht nun der Rüstungselektronikkonzern Hensoldt nach. Er plant seine Erstnotiz in der nächsten Woche.

Gleichzeitig bereitet mit Compleo Charging Solutions ein deutscher Produzent von Ladestationen für E-Autos sein Debüt im Qualitätssegment Prime Standard an der Frankfurter Börse in den nächsten Wochen vor, wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr. Um schneller wachsen zu können, wolle das Unternehmen im Wesentlichen über eine Kapitalerhöhung 40 bis 60 Millionen Euro bei neuen Anlegern holen.

Das Umfeld für Neuemissionen ist gut. Die Aktienmärkte liegen vielfach in der Nähe ihrer Rekordniveaus. Die Bewertungen an der Börse seien daher aus Sicht der Firmen attraktiv, urteilt Stefan Weiner, Chef für Aktienemissionen in Nordeuropa bei JP Morgan. „Allerdings fällt es den Unternehmen teilweise schwer, einen konkreten Ausblick auf das Geschäft im nächsten Jahr zu geben“, sagt er.

Neben den konkreten Ankündigungen von Knaus Tabbert und Hensoldt sowie den Plänen von Compleo gibt es weitere Börsenkandidaten. Dazu zählen der Wissenschaftsverlag Springer Nature und die Augsburger Laborgruppe Synlab sowie die Plattform für Gebrauchtwagenverkäufe Auto1.

Firmen mit einem sinnvollen Plan und einer gesunden Bilanz könnten trotz Krise an die Börse gehen, sagt Christoph Stanger, Co-Leiter des Aktienemissionsgeschäfts für Europa bei Goldman Sachs. „Investoren sind bereit, von der Entwicklung im laufenden Jahr abzusehen, wenn die Unternehmen so gut dastehen wie die Wettbewerber“, sagt der Banker.

Hensoldt will Schulden tilgen

Hensoldt will mit seinem Börsengang mindestens 400 Millionen Euro erlösen. 300 Millionen davon sollen an das Unternehmen selbst gehen, das damit einen Teil seiner Schulden tilgen will, wie Hensoldt am Dienstagabend in Taufkirchen bei München mitteilte.

Der US-Finanzinvestor KKR, dem Hensoldt seit 2016 gehört, will zunächst Aktien für 100 Millionen Euro verkaufen, behält sich aber bei entsprechender Nachfrage eine Aufstockung der Emission vor, die ihm insgesamt bis zu 280 Millionen Euro bringen würde. Die Aktien können von Mittwoch an bis 23. September in einer Spanne von zwölf bis 16 Euro gezeichnet werden.

Am Freitag nächster Woche soll die ehemalige Airbus-Tochter ihr Debüt an der Frankfurter Börse feiern. Innerhalb der Spanne käme Hensoldt auf einen Börsenwert zwischen 1,26 Milliarden und 1,58 Milliarden Euro. KKR hatte die Rüstungselektronik-Sparte von Airbus vor vier Jahren für 1,1 Milliarden Euro gekauft und sie in Hensoldt umbenannt.

Mit dem Erlös des Börsengangs könnte Hensoldt die Schuldenlast auf das Dreifache des für 2020 erwarteten operativen Gewinns (Ebitda) von rund 210 Millionen Euro senken. Läuft die Emission gut, kann KKR weitere Anteilscheine verkaufen. Nach der Emission befinden sich deshalb zwischen 32 und 44 Prozent der Aktien im Streubesitz.

Compleo braucht Geld für Wachstum

Noch nicht ganz so weit sind die Pläne von Compleo. Der Hersteller will bei seinem Börsengang von der starken Belebung bei E-Autos profitieren. Die mit Batterie betriebenen Fahrzeuge fristeten lange ein Schattendasein. Das hat sich mit den staatlichen Kaufprämien beim Erwerb eines Autos geändert. Davon profitieren die Hersteller von Ladestationen.

Compleo Charging Solutions als einer der großen unabhängigen Spieler will das nutzen und Geld für Wachstum über die Börse hereinholen, äußert sich aber nicht zu seinen Börsenplänen. „Je nachdem wie sehr wir das Wachstum weiter forcieren, planen wir, etwa 50 Millionen Euro an Investitionen in den nächsten Jahren zu investieren“, sagt Georg Griesemann, Co-Chef von Compleo.

Eigentümer von Compleo sind der Compleo-Mitbegründer Dag Hagby, der bis 2019 auch Geschäftsführer war. Er hält rund ein Drittel der Anteile, ein weiteres Drittel liegt beim Management und das verbleibende Drittel entfällt auf den Investor Rolf Elgeti über seine Obotritia Capital.

Laut Handelsregister darf die seit Anfang September im Handelsregister in Dortmund eingetragene Aktiengesellschaft im laufenden Jahr das Kapital durch die Ausgabe von maximal 1,26 Millionen Aktien erhöhen.

Der Umsatz der Dortmunder lag im vergangenen Jahr bei rund 15 Millionen Euro. Dieses Niveau hat Compleo nach den Worten Griesemanns bereits in den ersten sechs Monaten erreicht. In der Branche werde mit einem jährlichen Wachstum von 35 Prozent gerechnet. „Unser Geschäft ist profitabel. Die Bruttomarge liegt bei rund 30 Prozent“, betont der Co-Vorstandschef.

Die Marktkapitalisierung von Compleo erwarten Finanzkreise auf der Basis des börsennotierten, niederländischen Konkurrenten Alfen bei etwa 200 Millionen Euro. Die Ausschüttung einer Dividende sei wegen des Wachstumskurses nicht zu erwarten.

Ehrgeizige Ziele

Compleo profitiert vom Ziel der Bundesregierung, dass bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen sind. Um den Umstieg zu beschleunigen, haben Bundesregierung und Automobilindustrie die Käufprämie für E-Autos erhöht: Bis zu 6000 Euro können Käufer von Elektro- oder Brennstoffzellenautos erhalten.

Käufer reiner E-Fahrzeuge können von bis zu 9000 Euro „Innovationsprämie“ profitieren. Der staatliche Förderanteil am Umweltbonus wurde mit dem Konjunkturpaket zur Abfederung der Coronakrise verdoppelt.

Doch E-Autos brauchen ausreichend Ladepunkte. Bis 2030 soll nach den Plänen der Regierung eine Million Ladepunkte zur Verfügung stehen, davon 50.000 öffentliche bis Ende 2020. Aktuell ist es rund die Hälfte.

„Durch Covid-19 gehören die Hersteller von Ladestationen zu den Profiteuren, da 2,5 Milliarden Euro für die Förderung der Elektromobilität und somit auch der Ladeinfrastruktur in Deutschland vorgesehen sind“, sagt Co-Chef Griesemann.

Von den ehrgeizigen Zielen will Compleo profitieren, zu deren Kunden nicht nur Konzerne wie Siemens, Deutsche Telekom und Deutsche Post sowie Autohersteller, sondern auch über 150 Stadtwerke zählen.

Das Laden von E-Autos ist nach den Worten von Checrallah Kachouh, Co-Chef von Compleo nicht so unkompliziert, wie das auf den ersten Blick erscheint.

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Hier sorge eine ausgetüftelte Software dafür, dass das Laden nicht nur auf dem Handy autorisiert und später abgerechnet werde. Das müsse zudem eichrechtskonform erfolgen. Bei Schnellladegeräten, die mit Gleichstrom arbeiten, ist das eine Herausforderung, die die Dortmunder bewältigt haben. Pauschal abzurechnen erlaubt der Gesetzgeber nicht mehr.

Angesicht der Perspektiven will „Compleo bis 2025 die Nummer eins in Europa als unabhängiger Hersteller von Ladestationen werden“, gibt sich Kachouh selbstbewusst.

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