Private Markets: Demokratisierung der Geldanlage
Köln. Die EU verfolgt eine ambitionierte Strategie zum nachhaltigen Umbau der Mitgliedsländer. Jedes Jahr müssen die Mitgliedstaaten 700 Milliarden investieren, um den Green Deal der EU zu realisieren. In Zeiten knapper Haushalte werden die Staaten den Umbau aus eigener Kraft nicht bewältigen können. Eine wichtige Rolle spielen dabei Private Markets, also nicht öffentliche und nicht börsennotierte Märkte.
Dazu zählen Immobilien, Private Equity, Private Debt und Infrastruktur. Zwischen 2013 und 2023 hat sich die Beschaffung von privatem Kapital von 145 Milliarden US-Dollar 2013 auf 300 Milliarden bis 2023 verdoppelt. „Private Markets haben in den letzten zehn Jahren eine zunehmend wichtige Rolle übernommen und machen heute 83 Prozent aller alternativen Allokationen in institutionellen Portfolios aus“, sagt Patrick Sobotta, Executive Managing Director sowie Head of Central and Eastern Europe bei Natixis Investment Managers. Laut einer aktuellen Studie des französischen Investmenthauses liegt dabei der Anteil von Private Equity bei 29 Prozent, gefolgt von Private Credit (17 %), Infrastruktur (14 %) und Immobilien (23 %).
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Anlagen auf den Private Markets machten im vergangenen Jahr 27 Prozent der institutionellen Portfolios aus und zehn Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren. „Institutionelle Anleger investieren in der Regel in Private Markets auf der Suche nach höheren absoluten Renditen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen und ihre Portfolios zu diversifizieren“, betont Sobotta. Die fünf wichtigsten Trends für Private Markets in der Übersicht:
1. Privatanleger engagieren sich stärker
„In den nächsten zehn bis 20 Jahren ist der wichtigste Trend bei Private Assets, in allen Anlageklassen den Marktzugang für Privatanleger zu verbessern“, sagt Steffen Pauls, Gründer und CEO von Moonfare. Er spricht von einer Demokratisierung der Geldanlage. Bereits schon jetzt können sich Privatanleger mit Aktien an Private-Equity-Gesellschaften beteiligen.
Ein wichtiger Schritt war die Eltif-Novelle, die im Januar in Kraft getreten ist. Sie ermöglicht auch Privatanlegern den Zugang zu Fonds, die bisher institutionellen Investoren vorbehalten waren. „Wir gehen davon aus, dass die Novellierung aufgrund der Strukturierungs- und Vertriebsvorteile zum Gamechanger werden wird“, sagt Ludger Wibbeke, Geschäftsführer Real Assets bei der Hansainvest.
2. Umbau der Volkswirtschaften finanzieren
„Das Kapital des Privatmarkts ist in der Lage, die für die Umstellung der Volkswirtschaften auf den Klimaschutz erforderlichen Veränderungen aus mehreren Blickwinkeln zu unterstützen“, sagt Emmanuel Deblanc, CIO Private Markets, bei M&G Investments. Die privaten Märkte könnten mit langfristigem Kapital große Infrastrukturprogramme unterstützen, die für den Wandel erforderlich sind. „Private Markets sind somit ein wesentlicher Bestandteil der Lösung, um nachhaltiges Wachstum zu fördern und gleichzeitig langfristige Renditeoptionen für Investoren zu bieten“, sagt Marc Dellmann, Head of DACH bei NIO Partners.
In Deutschland ist der finanzielle Spielraum für die Finanzierung des Umbaus begrenzt. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom November 2023 fehlen schon jetzt 60 Milliarden Euro, die für Klimaschutzprojekte fest eingeplant waren.
3. Banken ziehen sich zurück
Mit der Einführung von Basel IV müssen Banken mehr Eigenkapital für Kredite zurücklegen. Das erschwert die Kreditvergabe. „Die Banken haben sich aus der Kreditvergabe zurückgezogen – vor allem für kleinere, risikoreichere Unternehmen – und damit Möglichkeiten für private Kreditgeber geschaffen, die Lücke zu füllen“, erklärt Aaron Hussein, Kapitalmarktstratege bei JP Morgan Asset Management. Die Finanzierungslücke könnte Private Debt decken. Dabei handelt es sich um Kredite, die außerhalb von Banken als Kredit vergeben werden.
Zudem habe sich Private Debt in einem turbulenten Marktumfeld erneut als die widerstandsfähigste private Anlageklasse behauptet, sagt Patrick Sobotta von Natixis Investment Managers: „Dieses Segment liefert auch aktuell die höchsten Renditen im gesamten Private Market.“ Als Vorteil von Private Debt gelten die im Vergleich zu Aktien geringere Volatilität und das bei einem besseren Risiko-Rendite-Profil als illiquide Produkte wie Immobilien.
4. Zweitmarkt wird wichtiger
Normalerweise binden sich Investoren bei einem Engagement in die Privatmärkte über einen festen Zeitraum, der oft länger als zehn Jahre beträgt. Ein zwischenzeitlicher Ausstieg ist eigentlich nicht vorgesehen. Auch das wird sich nach Überzeugung vieler Experten in Zukunft ändern. „Der Sekundärmarkt wird mittelfristig bei Private Assets immer wichtiger werden“, sagt Wibbeke von Hansainvest.
So hat die Fondsbörse Deutschland einen professionellen Handelsplatz für Anteile an Immobilien-Spezialfonds eingerichtet. „Damit werden die bislang als relativ illiquide geltenden Anlageklassen für professionelle und semiprofessionelle Investoren handelbar“, erklärt Wibbeke den Vorteil. Der Zweitmarkt für diese Art von Investmentfonds, die vor allem in Sachwerte wie Immobilien oder erneuerbare Energien investieren, soll für mehr Liquidität in diesem Marktsegment sorgen.
5. Digitalisierung treibt Wandel voran
Digitalisierung und KI sorgen für einen rasanten Wandel. „Diese Veränderungen machen auch vor den Privatmärkten nicht halt. Wir gehen davon aus, dass die Digitalisierung in den kommenden Jahren einen großen Einfluss auf den Sektor haben wird, da die Nutzung neuer Technologien wie etwa der Blockchain weiter voranschreitet“, sagt Steffen Pauls. Er ist überzeugt, dass diese Entwicklung die Liquidität und auch den Zugang zu den Privatmärkten verbessern wird. Digitale Anlagen werden in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen.