Bitcoin: ETF als Türöffner für Kryptowährungen
Köln. Bisher sind es vor allem Privatanleger, die in Kryptowährungen wie Bitcoin investieren. Doch das beginnt sich zu ändern. Zumindest in den USA, wo mit der Zulassung von Bitcoin-ETFs auch Profianleger in die bekannteste Kryptowährung mit einem regulierten Finanzinstrument investieren können. „Die US-Politik hat nicht nur einen neuen Markt für institutionelle Anleger und die breite Masse geöffnet, sondern hat Bitcoin praktisch legitimiert“, sagt Christian Henke, Senior Analyst beim Onlinebroker IG.
Die Zulassung war so etwas wie der Ritterschlag für die wichtigste Kryptowährung. Infolge der Bitcoin-ETFs hat die Nachfrage stark zugenommen. So verzeichnet allein der Bitcoin-ETF von Blackrock seit Jahresbeginn einen Zufluss von rund 15 Milliarden Dollar. Wegen der aktuellen Kursschwäche ziehen Anleger aber wieder Kapital ab. Allein am 1. Mai verkauften sie Anteile im Wert von 37 Millionen Dollar. Langfristig rechnen Beobachter jedoch mit steigenden Zuflüssen.
Interesse von Profianlagern wächst auch in Deutschland
Das grundsätzliche Interesse sei auch bei institutionellen Investoren in Deutschland gegeben, meint Rico Höntschel, Head of Volatility Strategies and Digital Assets beim Vermögensverwalter Feri: „Aufgrund des sehr guten Chance-Risiko-Verhältnisses erscheinen Digital Assets, wozu auch die Kryptowährungen gehören, als Ergänzung eines Portfolios lohnenswert.“ Mit fortschreitender Regulatorik würden Investoren hierzulande mit der Anlageklasse vertrauter werden.
„Insgesamt wächst das institutionelle Interesse. Wir bekommen vermehrt Kundenanfragen, wobei einige unserer Kunden den Kryptomarkt zunächst erst besser verstehen wollen und andere bereits konkrete Allokationsideen haben“, sagt Barbara ‧Schlyter, Leiterin von Xtrackers Digital Products and Partnerships bei der DWS. Institutionelle Investorengruppen wie Family Offices, Hedge Funds und Privatbanken hätten in einigen Ländern schon vermehrt in Kryptowährungen investiert, dagegen hielten sich Pensionskassen und Versicherungen zurück.
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In Deutschland ist es für Profianleger schwierig, unter den aktuellen Rahmenbedingungen zu investieren. „Es fehlt vor allem das Know-how, um die Risiken – und dann auch – die Chancen einzuschätzen. Viele Risikomanagementsysteme sind noch nicht auf die Assetklasse Kryptowährungen eingestellt“, sagt Höntschel.
Der Kurs des Bitcoins war bisher in erster Linie von Kleinanlegern angetrieben, sagte Mathew McDermott, Chefanalyst für digitale Anlageklassen bei der US-Großbank Goldman Sachs, beim Digital Asset Summit in London. „Doch institutionelle Investoren denken um.“ Um dem steigenden Bedarf institutioneller Anleger gerecht zu werden, will Goldman Sachs die 2021 ins Leben gerufene Krypto-Handelsplattform weiter ausbauen.
Hendrik Leber, Fondsmanager und geschäftsführender Gesellschafter des Investmenthauses Acatis, setzt Kryptowährungen auf eine Ebene mit Gold: „Der Unterschied in den Charakteristika ist nicht sehr groß. Der Nutzen: eigenständiges Korrelationsprofil in Bezug auf Aktien und Renten, also ein Diversifikationseffekt, und eine langfristige Knappheit, die bei zunehmender Legalisierung und begrenztem Angebot zu steigenden Kursen und damit zu Performance führen sollte.“ Auch in Deutschland beobachtet Leber bei Family-Offices ein langsames Umdenken: „Da trauen sich doch einige allmählich an die Assetklasse heran. Es ist aber noch ein sehr vorsichtiges Herantasten.“
Doch wie können institutionelle Investoren investieren? „In deutschen Spezialfonds sind Kryptowährungen grundsätzlich unter bestimmten Voraussetzungen erwerbbar“, erklärt Schlyter von der DWS. Dabei können sie direkt in Kryptowährungen oder in Finanzprodukte wie ETPs investieren. Das Kürzel steht für Exchange Traded Product. Die Emittenten bilden die Entwicklung des Bitcoins ab und hinterlegen diese auch physisch. ETFs auf den Bitcoin sind aufgrund regulatorischer Auflagen in der EU nicht möglich. Rein rechtlich handelt es sich bei ETPs um Anleihen, während ETFs als Sondervermögen auch im Fall der Pleite des Emittenten geschützt sind.
Regulatorische Vorgaben sorgen für Klarheit
„Es ist wahrscheinlich, dass das Interesse institutioneller Anleger an Kryptowährungen in Zukunft weiter zunehmen wird, insbesondere wenn mehr regulatorische Klarheit und Infrastruktur geschaffen werden“, ist Henke vom Onlinebroker IG überzeugt. Wohin die Reise gehen könnte, zeigt das Beispiel Kanada. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG hat Profianleger in Kanada befragt. 50 Prozent der befragten Finanzdienstleister bieten Dienstleistungen rund um Kryptoassets an. Das ist ein Anstieg gegenüber 41 Prozent im Jahr 2021. Darüber hinaus gaben 39 Prozent der kanadischen institutionellen Anleger an, dass sie im Jahr 2023 in Kryptowährungen investiert hatten, verglichen mit 31 Prozent im Jahr 2021.
Die Studie identifiziert das regulatorische Umfeld wie die Einführung von Bitcoin-ETFs als Grund für das gestiegene Interesse. Die Profianleger setzen Kryptowährungen als Baustein zur Absicherung wirtschaftlicher Unsicherheiten ein.
Laut der Umfrage hätten die steigende Inflation und die zunehmende Verschuldung der USA das Interesse am Bitcoin bei Profianlegern stark wachsen lassen. Institutionelle Investoren suchen nach neuen Anlageklassen, die als Absicherung gegen Entwertung dienen und stabile Wertaufbewahrungsmittel sind, wie die Umfrage unter institutionellen Anlegern in Kanada zeigt. Auch in Deutschland ist diese Entwicklung möglich, wenn sich das regulatorische Umfeld ändert.