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KommentarVergesst das Bitcoin-Halving! Es ist nicht entscheidend

Am Wochenende wurde die Zahl der Bitcoins halbiert, die dem System neu zugeführt werden. Befürworter der Kryptowährung rechnen deshalb mit steigenden Preisen – das ist voreilig.Andreas Neuhaus 20.04.2024 - 03:31 Uhr aktualisiert
Das Bitcoin-Halving steht bevor. Foto: Imago

Die Kryptowelt ist in heller Aufregung: In der Nacht zum Samstag stand das Bitcoin-Halving an. Dabei wurde die Anzahl der Bitcoins halbiert, die dem System neu zugeführt werden.

Kryptobefürworter diskutieren nun, ob der Kurs der ältesten und wichtigsten Digitalwährung demnächst eher um mfehrere hundert oder gleich mehrere Tausend Prozent steigen wird. Das sorgt unter Anlegerinnen und Anlegern für jede Menge Aufregung. Wer will schon der Dumme sein, der sich so eine Chance entgehen lässt?

Wer sich deshalb nun mit einer Investition in Bitcoins auseinandersetzt, dem sei geraten: Vergessen Sie das Halving! Entscheidend ist für die Kursentwicklung was ganz anderes.

Dafür muss man etwas ausholen: Der Bitcoin basiert auf einem dezentral organisierten Buchungssystem, der Blockchain. Sie enthält den Verlauf jeder Bitcoin-Transaktion.

Die Blockchain wächst immer weiter, weil ihr Blöcke angehängt werden, die sich auf eine Reihe von Transaktionen beziehen. Das machen sogenannte Krypto-Miner, die die Transaktionen validieren, also im System verbuchen. Für jeden angehängten Block erhalten sie eine Belohnung – womit wir beim Halving wären.

Denn alle 210.000 Blöcke, rund alle vier Jahre, wird die Belohnung halbiert. Dadurch reduziert sich die Anzahl der Bitcoin, die neu in Umlauf gebracht werden.

Das Bitcoin-Angebot ist künstlich knapp

Es ist ein eingebauter Inflationsschutz: Das Angebot wächst immer langsamer. Da der Bitcoin-Kurs aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage entsteht, sehen Befürworter durch das Halving jede Menge Kurspotenzial.

In der Vergangenheit sind die Kurse nach dem Halving steil gestiegen: 2012 stand der Bitcoin 300 Tage nach dem Halving knapp 900 Prozent höher, nach dem Halving im Jahr 2016 war es ein Plus von mehr als 130 Prozent, nach dem 2020er-Event waren es fast 500 Prozent.

Deswegen prognostizieren viele kryptofreundliche Researchhäuser nun die nächste Kursrally. Viele berechnen dabei die durchschnittliche Kursentwicklung der vergangenen Halvings und wenden sie auf dieses Jahr an.

Um das klarzustellen: Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Kurse auch diesmal steigen. Dann aber kaum wegen des Halvings an sich. Denn was solche Prognosen ignorieren: Das Halving wird von Mal zu Mal unwichtiger.

Diesmal sinkt die Belohnung von 6,25 auf 3,125 Bitcoins pro Block, während das Angebot bis zum nächsten Halving um drei Prozent wächst. Beim ersten Halving 2012 sank die Belohnung von 50 auf 25 Bitcoins, während das Angebot binnen vier Jahren um 50 Prozent wuchs.

Der Grenznutzen des Halvings nimmt also ab: Während das erste Halving das Angebotswachstum noch stark verknappte, hat es jetzt einen deutlich geringeren Effekt. Der Bitcoin ist so konzipiert, dass es maximal knapp 21 Millionen geben wird. Jetzt sind wir bei knapp 19,7 Millionen, in vier Jahren werden es rund 20,3 Millionen sein.

Das Angebot ist also nicht mehr entscheidend für die Preisentwicklung, weil es inzwischen nahezu fix ist. Entscheidend ist wegen dieser künstlichen Knappheit die Nachfrage: Je höher diese ist, desto stärker muss der Preis steigen, damit sich Bitcoin-Inhaber dazu entscheiden, zu verkaufen und die notwendige Liquidität auf dem Markt herzustellen.

Hier bleiben zwei Fragen: Warum sollten Anleger in den Bitcoin investieren? Und zu welchem Preis?

Es fehlen Fundamentaldaten für Bitcoin-Kursprognosen

Sie lassen sich mit herkömmlichen Analysemethoden nicht beantworten, weil der Bitcoin fundamental nicht zu bewerten ist. Er erwirtschaftet keine Erträge, macht keine Gewinne, generiert keine Cashflows und schüttet keine Dividende aus. Provokant formuliert ist der Bitcoin eine High-Tech-Hülle, gefüllt mit heißer Luft. Angetrieben durch die Knappheit ist eine Manie entstanden, wie es sie ganz ähnlich immer wieder gab, etwa im 17. Jahrhundert für Tulpenzwiebeln.

Dem entgegen stehen Argumente, die für den Bitcoin sprechen. Dass er sich jemals als Zahlungsmittel durchsetzen wird, erscheint heute Utopie, hundertprozentig ausschließen lässt es sich nicht. Genutzt wird er schon als Wertspeicher. Er kann nicht konfisziert werden und unterliegt keinen Kapitalverkehrskontrollen, wodurch ihm ein goldähnlicher Charakter zugesprochen wird. Nicht umsonst ist der Bitcoin in Ländern wie Nigeria und der Türkei beliebt.

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Ob die Zahl der Anhänger dieser Argumentationslinie wächst, wird über die Kursentwicklung entscheiden – denn Anleger können dem Bitcoin jeden Wert zwischen null und unendlich zusprechen. Deswegen schwankt der Kurs auch so stark, er ist ein Paradies für Spekulanten.

Wer in den Bitcoin investiert, braucht daher vorher einen Standpunkt. Jeder sollte für sich klären, welchen Preis er oder sie selbst für realistisch hält. Von Marktschreiern, die luftige Kursziele von einer Million Dollar und mehr ausrufen, sollte man sich dabei nicht beeinflussen lassen – und von dem vermeintlich so wichtigen Halving auch nicht.

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