1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Anlagestrategie
  4. Trends
  5. Diese Schwellenländer-Anleihen sind im neuen Jahr interessant

Serie Anlegen 2021 – Teil 9: SchwellenländerDiese Schwellenländer-Anleihen sind im neuen Jahr interessant

Für laufende Renditen müssen Investoren sich außerhalb der klassischen Industrieländer umschauen. Vor allem China lockt derzeit Rendite-Jäger.Frank Wiebe 31.12.2020 - 16:27 Uhr Artikel anhören

Chinas Wirtschaft erholt sich gut von der Coronakrise.

Foto: Reuters

Frankfurt. Wer heute Zinsen sucht, muss in die Ferne schauen. Während in den klassischen Industrieländern die Anleiherenditen überwiegend bei null oder noch darunter liegen, ist in den Schwellenländern noch etwas zu holen.

In den Emerging Markets hingegen gibt es recht solide, auf Dollar laufende Papiere, die selbst mit einer Kurssicherung für den Euro-Anleger noch rund 2,5 Prozent Rendite bringen. Das rechnet Markus Weis, Anleiheexperte von Vanguard Deutschland, vor. Ken Leech, Chefinvestor von Western Asset Management, kommentiert: „Trotz der enormen medizinischen und finanzpolitischen Herausforderungen macht die ständig wachsende Aussicht auf eine weltweite wirtschaftliche Erholung für die Investoren Schwellenländer-Anleihen attraktiv.“

Eine wichtige Rolle spielt dabei nach Meinung von Experten China, zumal das Land ja gerade ein Investitionsabkommen mit der Europäischen Union abgeschlossen hat. Goldman Sachs erwartet 2021 ein weltweites Wachstum von 6,2 Prozent und damit mehr als den Durchschnitt der Prognosen von 5,2 Prozent. Davon sollte vor allem Asien profitieren, heißt es in einer Studie.

Die US-Bank setzt unter anderem auf Anleihen von chinesischen Banken und anderen Unternehmen mit noch guter Bonität, also einem Rating von BBB. Im Hochzinsbereich, bei schwächerer Bonität, sei der chinesische Immobilienbereich interessant. Außerdem finden die Experten von Goldman Bonds aus Indien und Indonesien attraktiv.

Weis von Vanguard nennt China ebenfalls „hochinteressant“, weil das Land die Corona-Pandemie gut überwunden habe und mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden einen verlässlicheren Handelspartner bekomme. Die US-Fondsgesellschaft ist vor allem für passive Fonds bekannt, aber ihr Vanguard Emerging Markets Bond Fund wird aktiv geleitet, wobei als Vergleichsmaßstab der JPMorgan EMBI Global Diversified Index gilt. Mike Ridell, Portfoliomanager bei Allianz Global Investors, setzt auch auf Länder, deren Wirtschaft von China abhängt, und nennt als Beispiel die Kupferexporte von Chile.

Kräftige Nachfrage

Die Nachfrage nach Schwellenländer-Anleihen ist groß. Allein im November flossen per Saldo fünf Milliarden Dollar in diesen Sektor, sagt Weis. Für die Wirtschaft sei auch der relativ schwache Dollar „sehr hilfreich“, fügt er hinzu. Robin Brooks, Chefökonom der Großbankenorganisation IIF in Washington, spricht von einem „Geldschwall“, der zurzeit in die Schwellenländer fließt und sich zum Beispiel segensreich für die Türkei auswirkt. Weil die meisten Experten mit weiterhin niedrigen Zinsen und einem eher schwachen Dollar rechnen, sehen sie auch gute Chancen für die Schwellenländer. Vanguard rechnet erst in fünf Jahren wieder mit einer Zinsanhebung in den USA.

Wer in diese Regionen investiert, hat die Auswahl zwischen lokaler und harter Währung, Letztere ist meist der Dollar, aber zum Beispiel in Osteuropa auch der Euro. In lokaler Währung ist das Ausfallrisiko gering, weil die Länder ihre eigenen Notenbanken einsetzen können, dafür kann in der Krise aber schnell ein Währungsverlust eintreten. Umgekehrt sind Länder mit hohen Hartwährungsschulden einem stärkeren Risiko ausgesetzt, pleitezugehen, bieten aber ansonsten stabilere Kurse.

Anlegen 2021
Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie läuft bis Anfang Januar 2021. Die Folgen werden in regelmäßigen Abständen veröffentlicht.
Der Dax hat sich vom Corona-Crash weitgehend erholt. Für 2021 rechnen Analysten mit neuen Rekordständen. Hier geht es zum Text.
Fondmanager setzen stärker auf europäische Aktien. Sie sind im Vergleich preiswert und perspektivisch sinnvoll. Hier geht es zum Text.
Vieles spricht dafür, dass die Preise für Wohnimmobilien auch im neuen Jahr weiter steigen. Für interessierte Käufer wird die Suche noch schwieriger. Hier geht es zum Text.
Das abgelaufene Jahr ist glänzend gelaufen für das populäre Edelmetall. Mehrere Faktoren könnten die Rally auch 2021 tragen. Hier geht es zum Text.
Der Nikkei 225 kletterte in Höhen, in denen er sich zuletzt Mitte der 1990er Jahre bewegt hatte, und erreichte ständig neue Höchststände. 2021 könnte ähnlich laufen. Hier geht es zum Text.
In Südkorea konnten Anleger trotz Corona-Einbruch im laufenden Jahr ordentlich Kasse machen. Verschiedene Branchen könnten den Aktienmarkt auch 2021 anfeuern. Hier geht es zum Text.
Wer noch auf Zinspapiere setzen will, muss genau hinschauen. Dieser Text wirft einen Blick auf die Masterliste der DZ Bank für Unternehmensanleihen. Hier geht es zum Text.
In China investierende Aktienfonds sind die Gewinner des Jahres. Doch auch Anlagen in Emerging Markets profitieren von besserer Konjunktur und günstigen Bewertungen. Hier geht es zum Text.
Für laufende Renditen müssen Investoren sich außerhalb der klassischen Industrieländer umschauen. Vor allem China lockt derzeit Rendite-Jäger. Hier geht es zum Text.
Auch wenn in den kommenden Monaten womöglich eine Korrektur bevor steht: Strategen erwarten ein starkes Jahr 2021 für US-amerikanische Aktien. Hier geht es zum Text.
Für das kommende Jahr prognostizieren Analysten zum Teil deutliche Verluste für den Dollar. Davon könnten andere profitieren. Hier geht es zum Text.
Als Jahr, in dem der Ölpreis unter null fiel, hat 2020 Finanzmarktgeschichte geschrieben. Experten erwarten eine holprige Erholung. Hier geht es zum Text.
Anleger lassen sich an der Börse oft von Gefühlen leiten. Wer sich das bewusst macht, kann daraus entsprechende Lehren ziehen. Hier geht es zum Text.
Für 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Dax: nur ein kleines Plus und geringe Schwankungen. Laut Sentimentanalyse dürfte das Gegenteil eintreten. Hier geht es zum Text.
Hoher Zulauf, günstige Firmen: 2021 könnte ein Boomjahr für Private Equity werden. Hier geht es zum Text.

Vanguard findet langfristige Hartwährungsanleihen günstiger bewertet als entsprechende Papiere in lokaler Währung; Letztere zeigten bei den Renditen im Bereich von fünf bis zehn Jahren Laufzeit kaum noch Risikoprämien, sagt Weis. In einem Kommentar von Aviva Asset Management heißt es ähnlich: „Wir ziehen Hartwährungsanleihen weiterhin vor. Lokalwährungsanleihen könnten jedoch zunehmend attraktiver werden, wenn die Lage der Weltwirtschaft sich schneller bessert, als wir derzeit erwarten – etwa infolge der Impfkampagnen.“

Entscheidend bei der Auswahl der Länder ist: Sie müssen von ihrer wirtschaftlichen Struktur her in der Lage sein, genug Devisen für die Bedienung ihrer Schulden in Dollar oder Euro zu verdienen.

Vanguard setzt unter anderem auf Mexiko, Panama, Russland und mit Abstrichen auch Südafrika. In Ausnahmefällen wählt die Fondsgesellschaft aus Bewertungsgründen statt Staatspapieren auch Unternehmensanleihen, etwa in Brasilien mit Petrobras, dem halb-staatlichen Energieversorger. Ridell nennt ebenfalls Mexiko, Russland und Südafrika als Favoriten. Brooks warnt allerdings, dass die Währungen in Lateinamerika, etwa in Mexiko, zuletzt deutlich angestiegen seien. Das könne die Exporte und damit die Wirtschaftskraft schwächen.

Osteuropa profitiert von EU-Hilfen

Die Türkei sieht Vanguard als „neutral“ an. In Osteuropa sei dagegen die Euro-Anleihe von Rumänien interessant. Ganz ähnlich hält David Zahn, der Chef für Europäische Anleihen bei Franklin-Templeton, Euro-Papiere aus Rumänien und Ungarn für gut bewertet, weil durch die Corona-Hilfen der Europäischen Union das Risiko dieser Länder deutlich gemildert werde.

Die Schwellenregionen sehen also recht vielversprechend aus, was jedoch vor allem am Kontrast zu den nicht vorhandenen Renditen in den klassischen Industrieländern liegt. Die Risiken dürfen aber nicht übersehen werden. Aviva Investors etwa hält für möglich, „dass die Anleger früher oder später die Fähigkeit einiger Länder infrage stellen werden, die 2020 stark gestiegene Staatsverschuldung wieder unter Kontrolle zu bekommen. Auch die Nachhaltigkeit der Geldpolitik könnte in Zweifel gezogen werden.“

Verwandte Themen
China
Mexiko
Rumänien
Südafrika

Goldmann befürchtet trotz der Begeisterung für China, dass es dort in der zweiten Jahreshälfte zu Kreditausfällen kommen könnte. Denn gerade wenn die Wirtschaft gut läuft, werde die Regierung die Zügel anziehen, heißt es. Und das führt dazu, dass Unternehmen mit hohem Risiko nur noch schwer an Kredite kommen.

Schwellenländer-Anleihen haben also ein ähnliches Problem wie allgemein Unternehmens-Bonds: Die Kurse steigen und fallen mit der Risikofreude der Anleger – und bewegen sich daher oft ähnlich wie Aktien.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt