1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Anlagestrategie
  4. Trends
  5. Bundesbürger sehen den Ruhestand mit Sorgen entgegen

UmfrageFurcht vor finanzieller Verschlechterung: Bundesbürger blicken pessimistischer auf den Ruhestand

Bundesbürger sehen ihre finanzielle Lage im Alter kritischer als die gegenwärtige Rentengeneration. Auch die Coronakrise dürfte zu Belastungen führen.Frank Matthias Drost 29.09.2020 - 17:40 Uhr Artikel anhören

Die finanziellen Erwartungen an den Ruhestand haben sich deutlich verschlechtert.

Foto: dapd

Berlin. Der Ruhestand ist für viele Bundesbürger noch weit weg. Die finanzielle Lage im Alter bereitet aber schon jetzt Vielen Sorgen. In einer repräsentativen Umfrage gehen 43 Prozent der befragten Bundesbürger davon aus, dass sie ihre aktuelle finanzielle Situation im Ruhestand nicht halten können. 45 Prozent glauben dagegen, dass sie dazu in der Lage sein werden. Das ist das Ergebnis der neuen Studie „50plus“, die vom Meinungsforschungsinstitut Insa Consulere im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge durchgeführt wurde. Sie ist ein Querschnitt von wichtigen wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen im Leben älterer Menschen.

Das Ergebnis zeigt im Vergleich zu den gegenwärtigen Ruheständlern eine deutliche Verschlechterung. Denn 68 Prozent der befragten Rentenbezieher sehen ihre wirtschaftliche Lage als stabil an, nur 26 Prozent gaben an, dass sich ihre finanzielle Situation als Ruheständler verschlechtert habe.

Die Befürchtungen, im Alter finanziell schlechter gestellt zu sein als jetzt, hängen offensichtlich auch mit der Bereitschaft zusammen, länger zu arbeiten. Derzeit können sich 41 Prozent der Erwerbstätigen vorstellen, über das Renteneintrittsalter hinaus tätig zu sein. Dabei erhöht sich das Renteneintrittsalter derzeit langsam auf 67 Jahre.

Von den aktuellen Ruheständlern haben 34 Prozent über das Renteneintrittsalter hinaus gearbeitet. Nach Auffassung der Studien-Autoren sind allerdings nicht allein finanzielle Aspekte dafür ausschlaggebend, länger arbeiten zu wollen. Auch das Gefühl, gebraucht zu werden, spiele eine Rolle. Die Zufriedenheit mit der finanziellen Lage ist laut Studie bei älteren Bürgern am ausgeprägtesten. So bezeichnen 74 Prozent der Menschen ab 60 Jahre ihre finanzielle Lage als gut, 22 Prozent als schlecht.

Die Situation der deutschen Ruheständler hat auch Natixis Investment Managers näher beleuchtet. In dem Global Retirement Index 2020 wurden die Lebensbedingungen von Rentnern in 44 Staaten untersucht. Das Ergebnis: Deutschland verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze auf den zehnten Rang. Entscheidend für das Ergebnis ist das Abschneiden in vier unterschiedlichen Kategorien. Dabei geht es um die Komplexe Gesundheit, Lebensqualität, materielle Sicherheit und finanzielle Rahmenbedingungen.

Während sich Deutschland in den Bereichen Gesundheit und Lebensqualität verbessern konnte, blieben die finanziellen Rahmenbedingungen unverändert, leichte Einbußen gab es bei der materiellen Sicherheit. „Die Verbesserung ist erfreulich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland bei den finanziellen Rahmenbedingungen des Ruhestandes keine Fortschritte gemacht hat“, stellt Sebastian Römer von Natixis Investment Managers fest. Bei den untersuchten Staaten nehme Deutschland einen Platz im letzten Drittel ein. Bei dem Verhältnis von Ruheständlern zu Erwerbstätigen weise Deutschland den sechstschlechtesten Wert aller untersuchten Länder auf.

„Private Vorsorge ist wichtiger denn je“

Angesichts der demografischen Entwicklung ist absehbar, dass die staatliche Rente nicht mehr allein für die Finanzierung des Ruhestands reiche. „Private Vorsorge ist wichtiger denn je“, so Römer. Die sollte sich allerdings nicht allein auf Sparanlagen erstrecken, heißt es mit Blick auf die Vorliebe der Deutschen für Spar-Produkte.

Niedrige Zinsen gehören für den Natixis-Manager zu den größten Risiken, da der Zinseszins nicht mehr wirke. „Die künftigen Rentner werden ihre Einstellungen zur Geldanlage an die Situation anpassen müssen“, glaubt Römer. Angesichts der Risikoaversion der Deutschen dürfte das keine leichte Aufgabe werden. Portfolios sollten breiter aufgestellt, alternative Renditequellen genutzt werden, rät Römer.

Noch gar nicht absehbar sind aus Sicht von Natixis die Folgen der Coronakrise. Die steigende Arbeitslosigkeit werde sich bemerkbar machen und zu geringeren Einzahlungen in die Sozialversicherung führen. Auch rechnet Natixis mit einer Zunahme der ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung.

Verwandte Themen
Deutschland
Altersvorsorge
Medizin

Nach einer Umfrage der Auskunftei Creditreform leiden 15,5 Millionen Haushalte unter Einkommenseinbußen durch die Coronakrise. „Auffällig ist, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betrifft, die ein dünneres Finanzpolster haben als Gutverdiener“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch von Creditreform. Rund drei Viertel der Befragten fehlen bis zu 30 Prozent des regulären Einkommens.

Sollten die Verbraucher langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, „rechnen wir mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher“, so Hantzsch. Die Vorsorge für das Alter dürfte für die betroffenen Menschen dann das geringste Problem sein.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt