1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Anlagestrategie
  4. Zertifikate
  5. Bomben-Attentat auf den BVB: Ein Anschlag für eine Handvoll Euro

Bomben-Attentat auf den BVBEin Anschlag für eine Handvoll Euro

Mit einem Anschlag wollte der mutmaßliche Bomben-Attentäter von Dortmund von fallenden Kursen der Borussia-Aktie profitieren. Der Kursverlauf seiner Spekulationen zeigt: Es gab keinen nennenswerten Profit. Im Gegenteil.Jürgen Röder 26.04.2017 - 15:19 Uhr Artikel anhören

Bild vom Attentat auf den BVB-Bus, zehn Kilometer vom Stadion entfernt.

Foto: AFP

Düsseldorf. Es war eine perfide Tat. Aus Geldgier soll der mutmaßliche Bombenattentäter den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund angegriffen haben. Sein Kalkül war: Wären bei dem Angriff Spieler des börsennotierten Vereins gestorben oder schwer verletzt worden, hätten seine sogenannten Put-Optionsscheine (hier erklärt) an Wert gewonnen. Und der Täter hätte einen hohen Gewinn eingestrichen.

Doch die Realität sieht komplett anders aus. Ein Blick auf die Kursentwicklung der Put-Optionsscheine, die der Verdächtige gekauft haben könnte, zeigt: Fasst man alle verdächtigen Trades zusammen, hätte er maximal nur 1650 Euro erzielen können. Doch das ist unwahrscheinlicher als sechs Richtige im Lotto. Vermutlich hat er die Scheine noch nicht verkauft – und wird wohl die komplette Investition abschreiben müssen.

Zur Vorgeschichte: Recherchen des Handelsblatts zeigten, dass es an dem Tag des Angriffs (11. April) insgesamt sieben verdächtige Trades gab. Es lässt sich aufgrund der Börsendaten zwar nicht belegen, wer diese Optionsscheine ge- oder sogar verkauft hat. Doch sowohl die Höhe als auch die Zahl der Transaktion ist im Vergleich zu den Vortagen ungewöhnlich.

NRW-Innenminister Ralf Jäger sprach am Freitagnachmittag (21.4.) davon, dass sich der mutmaßliche Täter für den Erwerb von BVB-Aktienoptionen knapp 80.000 Euro geliehen hat. „Der Täter hat ganz offensichtlich einen Verbraucherkredit aufgenommen“, sagte der Minister. „Nach meinem jetzigen Kenntnisstand 79.000 Euro.“

Für den Kauf der Put-Optionsscheine hatte der mutmaßliche Täter aber nur einen Bruchteil dieses Geldes benötigt. Addiert man die 75.000 Stück, die an der Börse Frankfurt zu maximal 18 Cent pro Stück (siehe Tabelle) gekauft wurden, betrug der gesamte Kaufpreis 7380 Euro – ohne Transaktionskosten. Weitere 1810 Euro kommen hinzu, wenn man auch die 21.000 Stück anhand von zwei Transaktionen an der Börse Stuttgart gehandelten Scheine hinzuzählt (zu einem Preis von 17 bzw. 6 Cent), die der Bombenbastler ebenfalls erworben haben könnte.

Börsen ABC
Ein Termingeschäft ist ein Geschäft, das erst zu einem bei Vertragsabschluss festgelegten zukünftigen Zeitpunkt erfüllt werden muss. Zum Beispiel muss eine bestimmte Ware oder ein Finanzinstrument vom Verkäufer erst in drei Monaten geliefert und vom Käufer vollständig bezahlt werden. Unterschieden werden unbedingte und bedingte Termingeschäfte: Bei einem unbedingten Termingeschäft geht der Käufer die Verpflichtung ein, eine bestimmte Menge des Handelsgegenstands zu einem späteren Zeitpunkt zu einem bei Vertragsabschluss festgelegten Preis vom Verkäufer zu kaufen (der Käufer geht damit eine „Long Position“ ein); der Verkäufer verpflichtet sich, zu den vereinbarten Konditionen zu liefern („Short Position“). Ein bedingtes Termingeschäft ist ein Optionsgeschäft. Termingeschäfte werden teils über Terminbörsen mit standardisierten Terminkontrakten angebahnt und abgewickelt oder außerbörslich im Handel „über den Banktresen“ (Over-the-Counter, OTC) zu frei ausgehandelten Konditionen. Mit Termingeschäften kann man finanzielle Risiken absichern (Hedging), auf Preisänderungen spekulieren (Trading) oder Preisunterschiede zwischen Märkten ausnutzen (Arbitrage).Quelle: Bundesbank.de
Ein Terminkontrakt hat ein standardisiertes unbedingtes Termingeschäft zum Inhalt, das über eine Terminbörse vereinbart und abgewickelt wird. Terminkontrakte gibt es für zahlreiche Handelsgegenstände wie zum Beispiel Weizen, Gold, Devisen, Staatsanleihen oder Aktien. Die Details eines börsennotierten Terminkontrakts wie zum Beispiel die genaue Spezifikation des unterliegenden Handelsgegenstands, die Kontraktgröße und seine Laufzeit sind standardisiert. Ein Terminkontrakt ist ein Derivat: Seine Preisentwicklung hängt maßgeblich von der Preisentwicklung des unterliegenden Handelsgegenstands, dem „Basiswert“, ab. Terminkontrakte, werden zur Absicherung gegen das Risiko von Preisschwankungen eingesetzt („Hedging“), zur Spekulation auf eine erwartete Preisentwicklung des Basiswerts (Trading) oder um Preisunterschiede zwischen Märkten auszunutzen (Arbitrage). Terminkontrakte (englisch: Futures) sind von Optionskontrakten (bedingten Termingeschäften) zu unterscheiden.
Als Derivat wird in der Bankensprache ein Finanzinstrument bezeichnet, dessen Preis von der Preisentwicklung einer zugrunde liegenden Bezugsgröße, dem sogenannten Basiswert, abhängt. Basiswerte sind zum Beispiel Aktien, Aktienindizes, Staatsanleihen, Währungen, Zinssätze, Rohstoffe wie Weizen und Gold, ferner auch Swaps. Derivative Finanzinstrumente können als unbedingte Termingeschäfte oder als Optionsgeschäfte ausgestaltet sein, sie werden teils an Terminbörsen mit standardisierten Konditionen gehandelt, teils außerbörslich (Over-the-Counter, OTC) zu frei ausgehandelten Bedingungen. Preisänderungen im Basiswert führen in bestimmten Situationen zu erheblich stärkeren Preisänderungen der jeweiligen Derivate. Mit Derivaten kann man finanzielle Risiken absichern (Hedging), auf Preisänderungen spekulieren (Trading) oder Preisunterschiede zwischen Märkten ausnutzen (Arbitrage).
Ein Optionsgeschäft ist ein bedingtes Termingeschäft, bei dem der Käufer ein Wahlrecht (Option) bezüglich eines zugrunde liegenden Basiswerts erwirbt. Basiswerte sind zum Beispiel Aktien, Anleihe-Terminkontrakte oder Rohstoffe. Unterschieden werden Kauf- und Verkaufsoptionen. Der Käufer einer Kaufoption erwirbt das Recht, den Basiswert zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu einem vorab festgelegten Preis zu kaufen; der Käufer einer Verkaufsoption erwirbt entsprechend das Recht, den Basiswert zu verkaufen. Der Käufer kann dieses Recht aber auch ungenutzt lassen, wenn ihm dies günstiger erscheint. Demgegenüber hat der Verkäufer einer Kauf- bzw. Verkaufsoption kein Wahlrecht, er muss als „Stillhalter“ das Geschäft erfüllen, wenn der Käufer seine Option ausübt. Für das Wahlrecht (die Option) zahlt der Käufer dem Stillhalter bei Vertragsabschluss eine Prämie. Käufer können Optionsgeschäfte nutzen, um sich gegen unerwünschte Preisentwicklungen des Basiswerts abzusichern (Hedging) oder um auf Preisentwicklungen zu spekulieren (Trading). Dem Verkäufer geht es in erster Linie um die Vereinnahmung der Prämie. Unterschieden werden börsliche Optionsgeschäfte mit standardisierten Optionskontrakten und außerbörsliche Optionsgeschäfte. Bei einer „europäischen Option“ kann der Käufer sein Wahlrecht nur am Ende der vereinbarten Laufzeit des Optionsgeschäfts ausüben, bei einer „amerikanischen Option“ zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit.

Ein Blick auf die Kursentwicklung der Derivate seit den mutmaßlichen Käufen am 11. April zeigt: Lediglich ein Schein von den sechs verschiedenen Derivaten hätte mit Gewinn verkauft werden können, alle anderen haben seitdem kontinuierlich an Wert verloren. Manche sind mittlerweile sogar wertlos verfallen.

Der Grund für diese Kursentwicklung liegt in erster Linie an der BVB-Aktie. Es gilt der Grundsatz: Fällt der Kurs einer Aktie, steigt in der Regel der Wert des Put-Optionsscheines. Doch die BVB-Aktie ist nur gering gefallen – auch weil der Anschlag glücklicherweise misslang und mit Marc Bartra lediglich ein Spieler verletzt wurde. Das Wertpapier fiel von 5,70 Euro (11.4.) in den folgenden Tagen lediglich auf bis zu 5,36 Euro.

Der zweite Grund: Optionsscheine haben einen Brief- und einen Geldkurs. Der Geldkurs, zu dem ein Anleger verkaufen kann, ist niedriger als der Briefkurs, zu dem Investoren kaufen können. Und bei eher exotischen Werten wie einer BVB-Aktie ist diese Spanne – auch Spread genannt – relativ hoch.

Der Optionsschein beispielsweise mit der Wertpapierkennnummer DGQ1VV, den der mutmaßliche Attentäter am 11. April gekauft haben soll, notiert an diesem Mittwoch bei einem Geldkurs von 15 Cent und einem Briefkurs von 20 Cent. Vereinfacht ausgedrückt: Würde man einen solchen Optionsschein kaufen und sofort wieder verkaufen, hätte man einen Verlust von fünf Cent erzielt. Hinzu kämen noch die Handelskosten –sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf.

Dabei war dieser Put-Optionsschein noch der einzige, mit dem der Täter einen Gewinn hätte erzielen können – zumindest theoretisch. Dieser Schein notierte am Tag nach Attentat, dem 12. April 2016, kurzzeitig bei 0,26 Cent. Auf die beiden Käufe in Frankfurt und Stuttgart umgerechnet, hätte er einen Gewinn von 1200 Euro aus dem Kauf in Frankfurt (15.000 mal acht Cent Gewinn) plus 450 Euro vom Kauf in Stuttgart (5.000 mal neun Cent Gewinn). Wahrscheinlich ist das aber nicht: Denn zu einem Höchstkurs zu verkaufen, gilt unter Börsianern als extrem selten. Und in den Statistiken der Börsen gibt es keine Transaktionen mit diesen Wertpapieren. In der ganzen Rechnung fehlen zudem noch die Handelskosten.

Alle anderen Optionsscheine haben den Kaufpreis seitdem nie wieder erreicht. Manche von ihnen sind praktisch wertlos verfallen. So notiert der Optionsschein mit der WKN DGQ1VU bei einem Geldkurs von 0,001 Euro, einem Zehntel Cent.

Verwandte Themen
Deutschland

Die unterschiedliche Kursentwicklung der verschiedenen Derivate hängt auch vom Basispreis ab. Dies ist der Preis, der beim Ausüben, der Realisierung zum Laufzeitende, von Optionsscheinen als Kauf beziehungsweise Verkaufspreis zugrunde gelegt wird.

Bei Put-Optionsscheinen gilt: Je höher der Basispreis ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man mit Put-Optionsscheinen Geld verdienen kann. So liegt der Basispreis von WKN DGQ1VU bei 4,40 Euro, der von DGQ1VV bei 5,20 Euro. Doch auch der zweite Optionsschein verfällt spätestens zum Laufzeitende wertlos, sollte die BVB-Aktie dann oberhalb dieser Marke notieren. Derzeit wird die Aktie des Fußball-Bundesligisten bei 5,74 Euro gehandelt.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt