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Banken-GipfelGoldman-Manager sieht für Finanzbranche großes KI-Potenzial

Laut dem Co-Chef des Goldman Sachs Global Institute könne KI fast jeden Arbeitsschritt erheblich verbessern. Als Beispiel nennt der Experte ein Tool, das die US-Großbank eingeführt hat.Laurin Meyer 03.09.2025 - 22:03 Uhr Artikel anhören
Eines von vielen Themen beim Handelsblatt-Bankengipfel 2025 in Frankfurt: Wie KI die Arbeit in Finanzinstituten beschleunigen kann. Foto: Marc-Steffen Unger/Handelsblatt

New York. George Lee, der Co-Chef des Goldman Sachs Global Institute, sieht in der Finanzbranche besonders großes Transformationspotenzial durch Künstliche Intelligenz. Der Finanzmanager und Historiker erklärte dies auf dem Handelsblatt-Banken-Gipfel mit den Kernaufgaben von Geldinstituten. „Fast jeder Schritt kann durch den Einsatz von KI erheblich verbessert werden“, sagte Lee, der aus New York zugeschaltet war.

Bei den allermeisten Finanzdienstleistungen gehe es darum, Beziehungen aufzubauen, Vertrauen zu gewinnen und neue Lösungen für Kunden zu entwickeln. Zu denken sei gemäß Lee aber auch an die vielen Backoffice-Abläufe und Routineaufgaben. KI könne die Arbeit in den Instituten stark beschleunigen. Schließlich helfe die Technologie dabei, mehrere Aufgaben zu parallelisieren. Diese Fähigkeit werde „für Kunden sehr, sehr wichtig sein“, sagte Lee.

Wie das in der Praxis aussehen kann, erklärte der Experte an einem eigenen Beispiel. In den vergangenen Monaten habe Goldman Sachs einen internen KI-Assistenten entwickelt und zuletzt schrittweise eingeführt. Mit der Anwendung können Mitarbeiter aller Abteilungen mit großen KI-Sprachmodellen kommunizieren, darunter ChatGPT von OpenAI und Gemini von Google. Das Tool soll zunächst bei Programmierungen und Übersetzungen helfen oder komplexe Dokumente für Mitarbeiter zusammenfassen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Technologie den Menschen nicht ersetzen wird, sondern vielmehr unsere Kreativität fördert.
George Lee
Co-Chef des Goldman Sachs Global Institute

„Wir haben eine außergewöhnliche Entwicklung in der Akzeptanz beobachtet. Die Zahl der pro Monat erstellten Prompts wächst sehr schnell“, sagte Lee. Gleichzeitig ist das Tool durch eine Firewall geschützt; alle Aktivitäten werden überwacht. Darüber soll ausgeschlossen werden, dass sensible Daten nach außen gelangen. „Das sind alles Dinge, zu denen wir als Finanzdienstleistungsunternehmen verpflichtet sind“, so Lee.

Die Sorge vor flächendeckenden Jobverlusten durch solche Anwendungen versuchte Lee hingegen auszuräumen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Technologie in ihrer endgültigen Form den Menschen nicht ersetzen wird, sondern vielmehr unsere Kreativität fördert“, sagte er.

Allerdings mahnt der Experte einen ständigen Dialog über den Einsatz von KI an. „Es handelt sich um eine sehr leistungsfähige Technologie, und wie wir in der Vergangenheit erlebt haben, können solche Dinge insgesamt Risiken für Finanzsysteme und Volkswirtschaften mit sich bringen“, sagte Lee. „Dessen müssen wir uns bewusst sein.“ Es gehe immer um die Balance zwischen der Nutzung von Chancen und der Minderung von Risiken.

Mit den bisherigen Abstimmungen innerhalb der Branche zeigte sich Lee zufrieden. „Ich begrüße die Zusammenarbeit mit unseren Kollegen, um Erfahrungen auszutauschen und miteinander über Risiken zu sprechen.“ Auch die zuständigen Regulierungsbehörden seien „sehr aufmerksam, gut informiert und sehr engagiert“, so Lee.

Vieles ist laut dem Co-Chef des Goldman-Instituts aber ohnehin noch Zukunftsmusik. So sieht Lee noch großen Aufholbedarf beim Einsatz von KI in Unternehmen insgesamt. „Die Einführung dieser Technologie verlief besonders im Verbraucherbereich äußerst schnell“, sagte Lee. „In Unternehmen verlief sie jedoch langsamer.“

KI als Allzwecktechnologie

Laut einem Bericht von Goldman Sachs mit Verweis auf öffentliche Daten hätten nur etwa neun Prozent der US-Unternehmen bereits KI-Projekte im Produktbereich gestartet. „Das zeigt nur, wie jung diese Technologie noch ist“, sagte Lee. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir erst seit knapp drei Jahren mit ihr in Berührung kommen. Wir stehen also noch ganz am Anfang.“

Die Gründe dafür seien laut dem Finanzmanager vielfältig. KI-Anwendungen entwickelten sich „sehr schnell, sodass es für einen Chief Information Officer schwierig ist, dies auf zuverlässige und konforme Weise zu implementieren.“ Außerdem handele es sich bei KI um eine Allzwecktechnologie. „Die Möglichkeiten sind also wirklich nur durch die menschliche Vorstellungskraft begrenzt.“

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Daneben betonte Lee die bisherige Fehleranfälligkeit der Anwendungen. „Die meisten Unternehmenssysteme sind deterministisch. Sie sind nachvollziehbar und wiederholbar korrekt.“ KI sei hingegen eine probabilistische Technologie, sagte Lee. „Sie halluziniert, sie macht noch Fehler.“ Diese Unterschiede würden die Entwicklung etwas bremsen.

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