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Aktien unter der Lupe Allianz, Munich Re und Hannover Rück: Krisenanker oder Geldvernichter?

Die Coronakrise hat auch die als stabil geltenden Papiere von Versicherungen in die Tiefe gerissen. Nun erkennen Analysten bei einer Firma eine Gelegenheit.
17.03.2020 - 15:34 Uhr Kommentieren
Coronavirus: Allianz, Munich Re, Hannover Rück - Krisenanker oder Geldvernichter? Quelle: dpa
Allianz

Europas größter Versicherer fürchtet bisher für sich keine hohen Belastungen infolge der Ausbreitung des Coronavirus.

(Foto: dpa)

Frankfurt Joachim Wenning gab sich alle Mühe. „Auf unserem Weg, Munich Re profitabler, schlanker und digitaler zu machen, sind wir 2019 einen großen Schritt vorangekommen“, sagte der Vorstandschef des weltweit zweitgrößten Rückversicherers auf der Bilanzpressekonferenz vor wenigen Tagen noch im Brustton der Überzeugung. Tatsächlich übertrafen die Münchener ihre Gewinnerwartungen trotz teurer Naturkatastrophen im vergangenen Jahr deutlich. Der Nettogewinn stieg um 500 Millionen Euro auf 2,7 Milliarden Euro und lag damit über den ursprünglich angepeilten 2,5 Milliarden Euro.

Doch die Coronakrise wischte die Ziffern – wie auch bei den anderen deutschen Größen der Branche – an der Börse zuletzt einfach beiseite. Stark verängstigte Investoren sorgten in den vergangenen Tagen rund um den Globus für erneut massive Kursverluste bei Aktien. Das galt ebenfalls für die Papiere der Dax-Konzerne Munich Re und Allianz und für die Aktie des im MDax notierten weltweit drittgrößten Rückversicherers Hannover Rück.

Da half es auch nicht, dass die Vorstandschefs unisono die finanziellen Folgen der Lungenkrankheit für die Unternehmen bisher als vergleichsweise begrenzt einschätzten. So fürchtet Europas größter Versicherer Allianz bisher für sich keine hohen Belastungen infolge der Ausbreitung des Coronavirus. Die Versicherung von Unternehmen gegen Betriebsunterbrechungen greife in der Regel nur, wenn die Ursache ein echter Sachschaden sei, sagte Allianz-Finanzchef Giulio Terzariol bei der Bilanzvorlage in München.

Auch in Hannover gibt sich das Management vergleichsweise entspannt. „Stand heute gehen wir nicht von Belastungen für unser Unternehmen in größerem Umfang aus“, sagte Hannover-Rück-Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz.

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    Im Moment gehe der Rückversicherer im Worst-Case-Szenario von einer maximalen Belastung von rund 200 Millionen Euro aus. Für das neue Jahr peilen die Niedersachsen daher weiter einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro an - sofern die Großschäden nicht zu heftig ausfallen und es keine „außergewöhnlich negativen Entwicklungen an den Kapitalmärkten“ gibt.

    Munich Re erneuert Prognose

    Bei der Munich Re klingt es dagegen etwas weniger gelassen. Allein die Ausfallversicherungen von Großveranstaltungen gegen eine erzwungene Absage wegen Masseninfektionen summierten sich für den Dax-Konzern auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek am Rande der Bilanzpressekonferenz.

    An der Versicherung gegen eine Absage der Olympischen Spiele in Tokio ist das Unternehmen zudem als Mitglied eines Konsortiums mit einer dreistelligen Millionensumme beteiligt. Dennoch erneuerte der Konzern seine Prognose, dass der Gewinn im laufenden Jahr auf 2,8 Milliarden Euro steigen soll.

    Geholfen hat dies den Aktien an der Börse allerdings nicht. Die Investoren flüchteten massiv aus den Papieren, was ein wenig überrascht. Normalerweise gelten die Titel von Versicherern als vergleichsweise stabile Anker in schwierigen Zeiten.

    Zurückhaltend, langsam, aber verlässlich: So ist ihr Ruf an der Börse. Doch die Panik an den Märkten macht auch vor den Assekuranzen nicht halt – und setzt derzeit viele hergebrachte Bewertungsmuster außer Kraft. Viele Anleger rätseln darum nun, welche Perspektive die Papiere noch haben: Ist die Luft bei den Versicherern vorerst raus? Wie viel Potenzial haben die Aktien nach ihrem teilweise starken Absturz noch?

    Viele Analysten raten zum Verkauf

    Blickt man auf die Einschätzung der Analysten, so ist die Antwort darauf vorerst sehr zurückhaltend. Von den 30 Experten, die die Munich Re regelmäßig covern, empfehlen derzeit nur sechs die Papiere zum Kauf. Die überwiegende Zahl rät zum Halten, zwei Analysten raten zum Verkauf.

    Bei der Hannover Rück sind die Fachleute sogar noch skeptischer: Von den 29 Bankexperten, die das Unternehmen laut der Nachrichtenagentur Bloomberg regelmäßig covern, empfehlen derzeit nur vier die Aktie als Kauf. Wesentlich mehr, nämlich 14 Fachleute, empfehlen Anlegern, die die Aktie schon haben, diese lediglich zu halten. Aber der Ratschlag von elf Experten lautet, die Aktie schlicht zu verkaufen.

    Doch ein Versicherer setzt sich davon deutlich ab. So ist die Meinung der Experten über den Dax-Konzern Allianz fast einhellig: Noch immer sehen zwei Drittel der 33 Analysten, die das Papier begleiten, die Aktie als Kauf an. Zehn Experten raten zum Halten. Lediglich ein Fachmann rät zum Verkauf.

    Nach den sogenannten Solvabilitätsrichtlinien seien die großen europäischen Versicherer mit ausreichenden Eigenmitteln ausgestattet, argumentiert Analyst Michael Huttner von der Berenberg Bank. Der angekündigte Aktienrückkauf über 1,5 Milliarden Euro unterstreiche dies bei der Allianz. Das Unternehmen hat seit 2017 bereits rund 7,5 Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Papiere gesteckt. Dennoch müssen Anleger mit kurzfristigen Short-Attacken auf die Aktie rechnen. So stockte der Leerverkäufer Bridgewater Associates seine Leerverkaufspositionen in Allianz-Aktien zuletzt deutlich auf.

    Professionelle Vermögensverwalter beginnen jedoch, wieder einen ersten Blick auf die Versicherer-Aktien zu werfen. So betonen einige Investoren aktuell, die Allianz sei wegen ihrer ausgezeichneten Position im Markt ein interessantes Papier. Großanleger schätzen besonders in diesen Zeiten Firmen, deren Geschäftsmodell stabil und kaum angreifbar ist. Dies gilt auch für die Munich Re, den zweitgrößten Rückversicherer der Welt, der recht unabhängig von konjunkturellen Schwankungen ist – und der die höchste Dividende pro Aktie im gesamten Dax 30 zahlt.

    Attraktive Dividendenrendite

    So gibt es eine weitere Qualität, die die Papiere in einer Krise interessant macht: Sie sind recht zuverlässige Dividendenzahler. Kaum eine Branche zahlt stetig – unabhängig von der operativen Entwicklung des Geschäfts – so viel Geld an ihre Aktionäre aus wie die Versicherungsbranche.

    Die Munich Re öffnet beispielsweise für ihre Aktionäre das Füllhorn für das abgelaufene Jahr mit 9,80 Euro je Papier weiter, als viele Experten gedacht hatten. Seit 1969 hat der Konzern zudem nie seine Ausschüttung gekürzt. Die Hannover Rück lockt ebenfalls mit einer abermals gestiegenen Dividende von 5,50 Euro je Papier, um die Aktionäre bei Laune zu halten.

    Und die Allianz zählt zu den Klassikern unter den deutschen Dividendenaktien. Die Hälfte ihres Jahresüberschusses will sie regelmäßig als Dividende ausschütten. Für das abgelaufene Jahr hat der Konzern einen operativen Rekordgewinn von 11,9 Milliarden Euro vorgelegt, die Dividende soll mit 9,60 Euro je Aktie auf einen neuen Spitzenwert angehoben werden – was beim derzeitigen Kursniveau eine Dividendenrendite von 6,9 Prozent verspricht.

    Das stimmt auch Analysten zuversichtlich. „Die Allianz ist mit einer starken Bilanz und einem robusten Geschäftsmodell gut aufgestellt, um die aktuelle Krise zu überstehen“, meint DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel und empfiehlt die Aktie zum Kauf. Die Kapitalmarktverwerfungen würden sich allerdings spürbar negativ auf Solvabilitätsquote und Gewinnentwicklung auswirken.

    Die NordLB hält auch die Hannover-Rück-Aktie auf dem derzeitigen Kursniveau inzwischen für einen Kauf. „Bei allen Unsicherheiten wegen der Coronavirus-Krise scheint die Aktie derzeit günstig zu sein, auch unter dem Aspekt der Dividendenattraktivität“, findet Analyst Volker Sack.

    Zumal sich die Niedersachsen einer für einen Versicherer seltenen Eigenschaft rühmen: Der jüngste Kursabsturz an den Aktienmärkten trifft das MDax-Unternehmen in der Kapitalanlage selbst zunächst gar nicht. „Wir haben im Moment keine börsennotierten Aktien im Bestand“, sagte Hannover-Rück-Finanzvorstand Roland Vogel. Das sei bei solchen Verwerfungen natürlich angenehm. Sollten die Aktienkurse allgemein auf ein „attraktives“ Niveau fallen, könnte er sich auch vorstellen, wieder bis zu drei Prozent der Kapitalanlagen des Konzerns in Aktien zu stecken.

    Viele Anleger würden wohl derzeit einiges geben, wenn sie das Gleiche auch von sich selbst sagen könnten.
    Mehr: Bei diesen Aktien locken nach dem Einbruch an den Börsen hohe Renditen.

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