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Analyse Warum Commerzbank-Chef Zielke auf einmal Optimismus versprüht

Dank neuer Kapitalregeln hat die Bank mehr Spielraum - und könnte möglicherweise auch auf einen Verkauf ihrer polnischen Tochter M-Bank verzichten.
13.02.2020 - 18:03 Uhr Kommentieren
„Die Kosten- und Renditeerwartungen der Bank kommen vom Vorstand – das ist kein Wunschdenken.“ Quelle: Reuters
Commerzbank-Chef Martin Zielke

„Die Kosten- und Renditeerwartungen der Bank kommen vom Vorstand – das ist kein Wunschdenken.“

(Foto: Reuters)

Frankfurt Martin Zielke ist gut gelaunt, als er in Frankfurt vor die Presse tritt, um die Ergebnisse für 2019 zu verkünden. Im Gegensatz zu vielen früheren Jahren muss der Commerzbankchef dieses Mal keine Ziele kassieren, sondern kann bessere Zahlen in Aussicht stellen. Die Eigenkapitalrendite könne 2023 höher ausfallen als noch im Herbst prognostiziert, sagt Zielke. Die Commerzbank-Aktie gewinnt darauf zeitweise mehr als acht Prozent.

Eine große Frage ist jedoch, warum Zielke nur vier Monate nach der Vorstellung der Strategie Commerzbank 5.0 die Renditeziele nach oben korrigiert und parallel auch einen härteren Sparkurs ankündigt. Viele haben den Eindruck, dass dies auch auf die Kritik von Investoren und Bankenaufsicht zurückzuführen ist.

Nach Informationen des Handelsblatts hat ein Vertreter der EZB die Renditeziele des Instituts bei einer Aufsichtsratssitzung im Dezember als wenig ambitioniert kritisiert und stärkere Sparanstrengungen gefordert.

Zielke stellt die Lage am Donnerstag anders da. Er schätze den Austausch mit der EZB sehr, sagt der Vorstandschef. „Der läuft beidseitig sehr offen.“ Aber die neue Renditeeinschätzung sei nicht auf Druck von außen zurückzuführen. „Die Kosten- und Renditeerwartungen der Bank kommen vom Vorstand – das ist kein Wunschdenken.“

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    Die Commerzbank hatte im Herbst für 2023 eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent in Aussicht gestellt. Nun hält Zielke „eine höhere Rendite für möglich“, will sich jedoch vorsichtshalber vorerst auf keine konkrete Zahl festlegen.

    „Andere Banken sind besser positioniert“

    Für seinen neuen Optimismus nennt Zielke drei Gründe: Das operative Geschäft habe sich im vierten Quartal besser entwickelt als erwartet. Die Kernkapitalquote sei deutlich gestiegen auf 13,4 Prozent. Und die EZB habe die Regeln gelockert, wie Banken künftig ihre Kapitalanforderungen erfüllen können. „Das ist eine sehr relevante Größenordnung“, sagte der Vorstandschef. „Das gibt uns einen größeren Spielraum.“

    Darüber hinaus will die Commerzbank mehr sparen. Im Herbst hatte sie angekündigt, die Kosten bis 2023 um 600 Millionen auf unter 6,3 Milliarden Euro zu drücken. Nun sucht ein Projektteam nach zusätzlichen Einsparpotenzialen.

    Grafik

    „Wir werden überall nachsehen, egal, ob es den Leuten gefällt oder nicht“, warnt Finanzchefin Bettina Orlopp. Ob im Rahmen der Überprüfung noch mehr Arbeitsplätze wegfallen als ohnehin geplant, könne sie noch nicht beurteilen. Aktuell hat der Vorstand die Streichung von 4300 Stellen anvisiert. Details zum verschärften Sparkurs will Orlopp spätestens bei der Vorlage der Halbjahreszahlen kommunizieren.

    Benjardin Gärtner, Aktienchef bei der Fondsgesellschaft Union Investment, erwartet „neue, ehrgeizige Ziele zur Kostenentwicklung“. Die Commerzbank sei angesichts der Niedrigzinsen weiter in einer schwierigen Lage. „Nachhaltigen Rückenwind für die Aktie kann es erst wieder geben, wenn die Ertragslage sich strukturell verbessert“, sagt Gärtner. „Im europäischen Vergleich sind andere Banken besser positioniert.“

    Im vergangenen Jahr brach der Gewinn der Commerzbank um ein Viertel auf 644 Millionen Euro ein. Verantwortlich dafür waren vor allem drei Faktoren. Das Geldhaus verbuchte Rückstellungen von 101 Millionen Euro für den Stellenabbau. Es fielen höhere Steuerzahlungen an. Und die Bank musste wegen der schwächelnden Konjunktur deutlich mehr Geld für ausfallgefährdete Kredite beiseitelegen.

    Schwarze Zahlen 2020 anvisiert

    Im laufenden Jahr erwarten die meisten Analysten wegen hoher Kosten für den Konzernumbau einen weiteren Gewinnrückgang. Unter anderem will die Commerzbank die Direktbank Comdirect komplett integrieren. Die Commerzbank selbst geht 2020 unter dem Strich von einem positiven Ergebnis aus. Falls der anvisierte Verkauf der polnischen Tochter M-Bank gelinge, werde es sogar „sehr deutlich positiv sein“, sagte Finanzchefin Orlopp.

    Die Commerzbank hatte die Veräußerung der M-Bank im Herbst vor allem aus zwei Gründen angekündigt: Sie wollte angesichts der vergleichsweise guten Bewertung der M-Bank einen Gewinn realisieren. Und sie wollte durch den Verkauf ihre Kapitalbasis stärken und so einen zügigen Umbau der Bank ermöglichen.

    Dank der guten Entwicklung der Kapitalquote ist die Commerzbank bei ihrem Umbau nach eigenen Angaben inzwischen jedoch nicht mehr auf einen Verkauf der 69-Prozent-Beteiligung an der M-Bank angewiesen. Die Bank geht deshalb selbstbewusst in die Verhandlungen mit potenziellen Käufern. „Wenn die Konditionen, die Transaktionsstruktur und der Preis nicht passen, dann stehen wir vom Tisch auf“, sagt Orlopp.

    Die M-Bank ist an der Börse aktuell 3,7 Milliarden Euro wert, die Beteiligung der Commerzbank somit rund 2,5 Milliarden Euro. Das Bieterfeld hat sich zuletzt stark ausgedünnt. Zuletzt waren Finanzkreisen zufolge nur noch die beiden polnischen Banken Pekao und PKO BP im Rennen.

    Höhere Bonuszahlungen

    Manche Aktionäre fordern bereits, den Verkaufsprozess ganz zu stoppen. „Die Commerzbank sollte die M-Bank angesichts ihres etwas größeren Spielraums auf der Eigenkapitalseite lieber behalten“, sagt ein großer institutioneller Investor. Die polnische Tochter steuere schließlich verlässlich gute Erträge zum Konzernergebnis bei. Darüber hinaus regt der Investor an, über noch härtere Einschnitte beim Filialnetz nachzudenken. Aktuell plant das Frankfurter Geldhaus, die Zahl der Niederlassungen um 200 auf 800 zu senken.

    Trotz aller Abbaupläne gibt es für viele Commerzbank-Mitarbeiter auch einen Grund zur Freude. Die Bonussumme sei im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent auf 198 Millionen Euro gestiegen, sagte Finanzchefin Orlopp und bestätigt damit einen entsprechenden Handelsblatt-Bericht. Bei Deutschlands zweitgrößter Privatbank erhalten rund 14.000 Mitarbeiter eine variable Vergütung.

    Mehr: Wie Martin Zielke gegen den Untergang der Commerzbank kämpft

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