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Report Wie Martin Zielke gegen den Untergang der Commerzbank kämpft

Der Commerzbank-Chef will die nächste Krise überstehen – und der Bank damit alle Optionen offenhalten. Eine Annäherung an einen zurückhaltenden Manager.
15.12.2019 - 09:06 Uhr Kommentieren
Nicht so langweilig wie sein Ruf. Quelle: dpa
Commerzbank-Chef Martin Zielke

Nicht so langweilig wie sein Ruf.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Hamburg, Washington Martin Zielkes Augen funkeln. „Faszinierend“, sagt der Mann mit der kleinen Hornbrille immer wieder. Zielke steht vor Petra III, einem 2,3 Kilometer langen Speicherring. Darin werden winzige Teilchen auf annährend 300.000 Kilometer pro Sekunde beschleunigt. Forscher erzeugen daraus das hellste Röntgenlicht der Welt, um Flugzeugturbinen, Mikrochips und Proteine unter die Lupe zu nehmen. „Wahnsinn“, ruft Zielke.

Wer den Bankmanager kennt, wundert sich. Der Commerzbank-Chef ist sonst ein nüchterner Mensch, kein Mann des großen Auftritts oder der Gefühle. Aber beim Besuch des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (Desy) in Hamburg vor wenigen Wochen verwandelt sich der 1,92 Meter große Mann fast in ein kleines Kind. Jedes Wort liest Zielke dem wissenschaftlichen Leiter Christian Schroer von den Lippen ab.

Schnellen Schritts läuft der Physikprofessor von einer Anlage zur nächsten. Als die beiden an einer schweren gelb-grauen Strahlenschutztür vorbeikommen, die offen steht, fragt Zielke: „Darf ich hier mal reingucken?“ Er darf. Als die Führung im Desy zu Ende ist, bedankt sich Schroer bei seinem Besucher. „Ihre Begeisterung war mir eine Freude.“

Technik und Physik, da fühlt sich Zielke wohl. Die Dinge dort sind meist vorhersehbar, berechenbar. Wie anders sieht es da tagtäglich in seinem Job aus.

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    Die Geschäfte laufen schleppend, die Lage verändert sich andauernd: Mal soll die Commerzbank mit dem größeren Rivalen Deutsche Bank zusammengehen, dann klopfen ausländische Institute wie ING an. Die Idee mit dem Kauf einer Sparkasse hat Zielke selbst ins Gespräch gebracht.

    Die Not ist groß. Aufgrund der negativen Zinsen leiden die Geldinstitute: Früher waren Einlagen dank der Zinserträge ein gutes Geschäft, heute sind sie oft eine Last. Der harte Wettbewerb unter den Banken lässt die Gewinnmargen erodieren. Zielke muss ein Restrukturierungsprogramm nach dem anderen auflegen, um Deutschlands zweitgrößte Privatbank zu stabilisieren.

    Begeisterung für Technik und Physik. Quelle: Commerzbank
    Martin Zielke im Deutschen Elektronen-Synchrotron

    Begeisterung für Technik und Physik.

    (Foto: Commerzbank)

    Er ist nicht allein: In der ganzen Republik müssen Bankchefs dieser Tage unpopuläre Entscheidungen treffen, Jobs abbauen und Geschäftsbereiche aufgeben. Oder sie suchen ihr Heil in Fusionen mit anderen Instituten. Die glamourösen Zeiten des Bankings, in denen Vorstandschefs Milliardengewinne auf Empfängen mit Champagner und Zigarren feierten, sind in Deutschland vorbei.

    Und mit den Rahmenbedingungen hat sich auch das Profil des Spitzenpersonals gewandelt. Extrovertierte Manager wie Lenny Fischer oder Josef Ackermann finden sich heute kaum noch in den Chefetagen. Stattdessen werden die größten Banken des Landes allesamt von Managern geführt, die bodenständig und nüchtern auftreten.

    Martin Zielke ist ein Prototyp dieser neuen Generation. Er ist niemand, der auf der Bühne brilliert und Säle unterhält. Karriere gemacht hat der 56-Jährige, weil er Themen gut analysieren und Entscheidungen konsequent umsetzen kann. „Zielkes Kampf ist exemplarisch für das, was viele Bankchefs in Deutschland gerade erleben“, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim.

    Noch etwas macht Zielke aus: Er lässt sich ungern in die Karten schauen. Doch nun hat er eine Ausnahme gemacht. Das Handelsblatt hat ihn sechs Monate lang bei zahlreichen internen und externen Auftritten in Frankfurt, Hamburg und Washington begleitet.

    Entstanden ist das Porträt eines Managers, der leidenschaftlich den Untergang der Commerzbank verhindern will – mit einer sehr nüchternen Art. „Zielke führt die Bank unaufgeregt und wird manchmal unterschätzt“, urteilt Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon. „Er ist aktuell der richtige Mann an der Spitze der Commerzbank.“ Aber wird das reichen?

    So wirkt Martin Zielke auf seine Kollegen

    Mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern hat Zielke viele Jahre lang in der Kleinstadt Bruchköbel, 30 Minuten östlich von Frankfurt gewohnt. Statussymbole wie schnelle Autos braucht er nicht. „Martin ist intellektuell gut sortiert, unaufgeregt und ohne große Allüren“, sagt ein Freund. „Er ist ein gerader Kerl: Du kriegst, was du siehst.“

    In der Öffentlichkeit kommt der neue Vorstandschef nicht immer gut an. Bei seinen ersten Auftritten wirkt er unsicher und hölzern. Seine Reden sind monoton und wenig inspirierend. Zielke trete auf wie der Chef eines mittelständischen Schraubenfabrikanten, ätzte das „Manager Magazin“.

    „Ich würde gern eine Sparkasse kaufen.“ Quelle: Uta Wagner für Handelsblatt
    Martin Zielke beim Bankengipfel mit Moderatorin Andrea Rexer und Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis (r.)

    „Ich würde gern eine Sparkasse kaufen.“

    (Foto: Uta Wagner für Handelsblatt)

    Zielkes Kollegen erzählen, er sei ein fürsorglicher Chef und könne in kleinen Runden sogar humorvoll sein. Doch auf der großen Bühne scheint davon wenig durch. „Je kleiner der Kreis ist, desto überzeugender ist er“, sagt ein Weggefährte. „Aber je größer der Kreis wird, desto mehr verschanzt er sich hinter seinen Fakten und technokratischen Argumenten.“ Dummerweise ist Zielke mittlerweile in sehr großen Kreisen unterwegs.

    Mit der Zeit hat er als Vorstandschef an Trittfestigkeit auf der großen Bühne gewonnen – und überrascht vereinzelt sogar mit forschen Aussagen. „Ich würde gern eine Sparkasse kaufen“, sagt er im Sommer beim Bankengipfel des Handelsblatts und überrumpelt damit Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis, der neben ihm auf der Bühne steht. Ein Entertainer wird aus Zielke trotzdem nicht werden.

    Das zeigt sich im August, als die Commerzbank zu ihrem Presseempfang in den Frankfurter Ruder-Club Germania geladen hat. Es ist ein warmer Sommerabend. Alle Gäste stehen auf der Terrasse mit Blick auf den Main und unterhalten sich mit den anwesenden Vorständen.

    Die Veranstaltung ist als Hintergrundevent deklariert, Journalisten dürfen über alles Gesagte also nicht berichten. Manche Spitzenmanager sprechen in solchen Runden offener als sonst, lästern über die Konkurrenz oder geben das ein oder andere Geheimnis preis. Nicht so Martin Zielke.

    Er sagt den Abend über nur Dinge, die er so oder so ähnlich auch schon bei offiziellen Anlässen von sich gegeben hat. Ein Agenturjournalist ist darüber so frustriert, dass er sich zum Abschied bei einem Pressesprecher der Commerzbank beklagt. „Ich habe mich schon so oft mit Zielke unterhalten. Aber er hat mir noch nie irgendetwas Interessantes gesagt.“

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