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Bafin-Merkblatt Aufsicht drängt Finanzbranche zu mehr Nachhaltigkeit

Die Bafin verlangt von Finanzfirmen in einem Merkblatt einen bewussten Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken. Das dürfte nur der Vorbote für europaweite Regeln sein.
27.12.2019 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die Merkblätter der Bafin sind für die Finanzbranche zwar juristisch unverbindlich, verdeutlichen aber schon die Erwartungshaltung der Finanzaufsichtsbehörde. Quelle: dpa
Bafin

Die Merkblätter der Bafin sind für die Finanzbranche zwar juristisch unverbindlich, verdeutlichen aber schon die Erwartungshaltung der Finanzaufsichtsbehörde.

(Foto: dpa)

Frankfurt Banken, Fonds und Versicherungen müssen sich künftig konkreter mit Nachhaltigkeitsrisiken in ihrem Geschäft auseinandersetzen. Die Finanzaufsicht Bafin hat kürzlich die finale Fassung eines Merkblatts veröffentlicht, das den von ihr beaufsichtigten Finanzfirmen „Orientierung“ im Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken geben soll. Gemeint sind damit Gefahren aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Im Zentrum des Merkblatts steht das Risikomanagement. Denn Banken, Versicherungen und Fonds sind dazu verpflichtet, wichtige Risiken zu identifizieren und zu steuern. „Hierzu zählen als Teilaspekt bekannter Risikoarten auch Nachhaltigkeitsrisiken“, so die Bafin. Die Behörde erwartet, „dass die Unternehmen eine Auseinandersetzung mit den entsprechenden Risiken sicherstellen und dies in angemessener Weise dokumentieren“.

Damit ist unter anderem gemeint, dass Nachhaltigkeitsrisiken „zumindest als Teilaspekt etablierter Risikoarten in den schriftlichen Risikomanagementrichtlinien ausdrücklich berücksichtigt werden“, wie im Merkblatt steht. Unter etablierten Risiken versteht die Bafin etwa Kreditausfall- und Marktpreisrisiken.

Klimaschutz und Regulierung können schon heute Auswirkungen auf diese etablierten Risiken haben. Wenn beispielsweise die Umstellung vom Verbrennungs- auf Elektromotoren einen Automobilzulieferer in Schieflage bringt, kann dieser seine Kredite nicht mehr bedienen – und wird damit auch zum Risiko für die Bank, die die Kredite vergeben hat.

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    Ebenso müssen Anleger eines Fonds, der viele Aktien von Energieversorgern hält, mit Kursverlusten rechnen, wenn der Markt eine für die Konzerne ungünstige Regulierung einpreist. Auf solche Risiken sollen Kapitalsammelstellen künftig hinweisen.

    Die Bafin diskutiert in ihrem Merkblatt auch denkbare Reaktionsmuster im Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken. So können etwa Banken ihr eigenes Risiko senken, indem sie ihre Kunden in Kreditverträgen dazu verpflichten, ihre Nachhaltigkeitsrisiken zu reduzieren. In der Praxis kommt es mittlerweile häufig vor, dass Banken mit ihren Kunden unter den Automobilzulieferern darüber reden, wie diese sich auf ein mögliches Ende des Verbrennungsmotors einstellen. Aktionäre können etwa über die Ausübung von Stimmrechten versuchen, Unternehmen „auf einen nachhaltigeren Kurs zu bringen“.

    Es geht nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie“

    Merkblätter der Bafin sind rechtlich zwar unverbindlich, doch ignorieren lassen sie sich nicht: „Kreditinstitute, Versicherer und Investmentfonds sollen Nachhaltigkeitsrisiken stärker in ihre Risikobetrachtung einbeziehen“, unterstreicht die Behörde. Frank Pierschel, der bei der Finanzaufsicht für Nachhaltigkeitsthemen zuständig ist, lässt sich in der hauseigenen Publikation „Bafin-Journal“ mit den Worten zitieren, es gehe längst nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie“.

    Die Bafin setzt sich zudem nicht als einzige Behörde mit dem Thema auseinander. Auch die europäischen Aufsichtsbehörden und die Europäische Zentralbank befassen sich laut Pierschel „intensiv“ mit dem Thema. „Sehr wahrscheinlich werden sie Guidelines entwickeln, die hoffentlich auch unsere Handschrift tragen“, schreibt er.

    Auch aus Sicht von Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, dürfte das Merkblatt ein Vorbote für das sein, „was von europäischer Seite ohnehin zu erwarten ist: eine viel stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Finanzbranche“.

    Es sei kein Zufall, dass die Politik die Finanzbranche beim Thema Nachhaltigkeit in die Pflicht nimmt. „Die Finanzwirtschaft hat eine Lenkungsfunktion für die gesamte Wirtschaft. Wenn man die Finanzbranche reguliert, reguliert man indirekt auch die deutsche Industrie“, sagt er.

    Diese Umstellung dürfte die Finanzbranche unterschiedlich hart treffen. „Vor den größten Herausforderungen stehen die Versicherer und Pensionskassen. Sie haben wegen ihrer langfristigen Verpflichtungen entsprechend langfristig investiert“, erklärt Speich. Das mache es schwer, das eigene Anlageportfolio stärker unter Nachhaltigkeitsaspekten neu auszurichten, etwa wenn es um einen lang laufenden Vertrag mit einem Infrastrukturprojekt gehe, das als klimaschädlich gilt.

    „Für Vermögensverwalter dürfte es noch am einfachsten sein, Nachhaltigkeitsaspekte stärker zu berücksichtigen“, meint Speich. Für diese Branche sei das eher Chance als Risiko. „Die Baustellen für Banken sind da schon größer, da es zu einer veränderten Risikoeinschätzung im Kreditgeschäft führen wird“, so Speich. Dort gebe es noch keine etablierten Prozesse und Standards.

    Mehr: Für die Finanzbranche entwickelt sich die Jagd nach grüner Rendite zur zweiten großen Herausforderung neben dem Nullzins-Umfeld.

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