Bank of America & JP Morgan: US-Banken weisen den Weg in die Cloud
Finanzinstitute in den USA haben schon früh mit Cloud-Anbietern zusammengearbeitet.
Foto: APSan Francisco, Frankfurt. Bei europäischen Banken gewinnen Cloud-Dienste stetig an Bedeutung, doch US-Banken sind bei der Nutzung schon weiter. Im vergangenen Jahr ergab eine Umfrage des Datenanbieters Refinitiv, dass große US-Geldhäuser 2020 rund die Hälfte ihrer Technologie-Investitionen in Cloud-Projekte stecken wollten, 2018 war es nur ein Drittel. Doch im Detail gibt es unterschiedliche Wege, wie die zwei größten US-Banken JP Morgan und Bank of America beweisen.
JP Morgan versucht, die Abhängigkeit durch eine Multi-Cloud-Strategie zu minimieren. Die größte Bank der USA ist Kunde bei allen drei großen Anbietern, um die Stärken jedes Anbieters nutzen zu können. Allerdings wird die IT-Organisation dadurch auch deutlich komplexer, wie Technologievorstand Andrew Lang in einem Interview zugab: „Nur mit eindeutigen operativen Vorteilen ergibt es Sinn, diese zusätzliche Komplexität hinzunehmen.“ Zumal sie auch Geld kostet: JP Morgan ist zusätzlich auch Kunde beim Spezialanbieter Snowflake, der das Datenmanagement über verschiedene Clouds hinweg organisiert.
Die Bank of America weigerte sich dagegen, einen Großteil ihrer Daten und Anwendungen in eine öffentliche Cloud zu übertragen. Stattdessen entwickelte das Institut in Zusammenarbeit mit IBM eine eigene Cloud und spart damit nach Aussage von Vorstandschef Brian Moynihan pro Jahr zwei Milliarden Dollar.
Allerdings sind für diese Strategie gewaltige Investitionen nötig: Das jährliche Technologie-Budget der Bank of America liegt jenseits von zehn Milliarden Dollar. Zuletzt zeigte sich Moynihan offen, in Zukunft stärker mit einem Cloud-Anbieter zusammenzuarbeiten. Er hofft allerdings, aus einer stärkeren Position zu verhandeln und die Preise drücken zu können.
Die Option einer eigenen Cloud hatte auch die Deutsche Bank geprüft, bevor sie sich dann jüngst für eine Partnerschaft mit Google Cloud entschied. „Wir sind schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass eine eigene Cloud zu teuer ist. Als Bank könnten wir nie so viel in die Weiterentwicklung der Technologie investieren wie die Tech-Konzerne. Deshalb konzentrieren wir uns lieber auf unsere Kernkompetenzen“, sagte Bernd Leukert, IT-Vorstand der Deutschen Bank, dem Handelsblatt.
Zudem will auch die Bank bestehende Partnerschaften mit anderen Cloud-Anbietern weiterführen. So laufe etwa die Vertriebssteuerung über Salesforce, und man nutze Office-Anwendungen von Microsoft. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Technologiepartnern solle weiterlaufen. Dazu gehören auch Fintechs.
Experten erwarten für diese Finanz-Start-ups keine Nachteile durch die Kooperation zwischen Banken und Anbietern wie Google, schließlich böten sie sehr spezielle Produkte an. Auch die Anbieter selbst begrüßen den Trend in Richtung Cloud. Florian Christ, Gründer von Fino, das neben einem Kontowechselservice auch Rechnungsmanagement-Software anbietet, erwartet, dass Fintech-Anwendungen über die Cloud deutlich schneller an die Banksysteme angebunden werden können. „Auch Anwendungen gemeinsam zu entwickeln wird viel einfacher, wenn wir mit den Entwicklern einer Bank auf der gleichen Plattform arbeiten können“, sagt er.