Banken: ABN Amro dementiert Bericht über weiteren Zukauf in Deutschland
Frankfurt. Die niederländische Großbank ABN Amro will das Geschäft mit vermögenden Kundinnen und Kunden in Deutschland ausbauen. Zunächst möchte sich das Institut dabei jedoch auf die Umsetzung der kürzlich verkündeten Übernahme der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe konzentrieren, die mit der deutschen ABN-Tochter Bethmann verschmolzen werden soll.
Einen Bericht, ABN Amro plane die Übernahme der Private-Banking-Sparte der Deutschland-Tochter von HSBC, wies eine Sprecherin der Bethmann Bank am Freitag zurück. „Die heutige Berichterstattung in der Börsen-Zeitung können wir aber nicht bestätigen“, erklärte sie. „ABN Amro hat keine Absicht, das Wealth Management-Portfolio von HSBC zu akquirieren.“ Die Bank konzentriere sich „voll und ganz“ auf die angekündigte Übernahme von Hauck Aufhäuser Lampe.
Auch ein Sprecher von ABN Amro bekräftigte, der Fokus liege auf der Ende Mai angekündigten Übernahme, die von den Aufsichtsbehörden noch genehmigt werden müsse.
ABN Amro bezahlt für Hauck Aufhäuser Lampe 672 Millionen Euro und steigt damit zur drittgrößten Privatbank des Landes auf – hinter der Deutschen Bank und der Commerzbank. Zusammen kommen Bethmann und Hauck Aufhäuser Lampe auf ein verwaltetes Vermögen von rund 70 Milliarden Euro.
Die Transaktion zu stemmen, sei für Bethmann alles andere als trivial und binde Kapazitäten, sagte eine mit dem Thema vertraute Person dem Handelsblatt. Parallel dazu eine zweite Übernahme anzugehen, wäre für Bethmann ein enormer Kraftakt.
Konsolidierung bei Privatbanken
Im Gegensatz zu den deutschen Großbanken läuft die Konsolidierung bei den Privatbanken seit Jahren. Der Markt wächst und gilt als attraktiv, ist jedoch auch hart umkämpft. Größenvorteile spielen deshalb aus Sicht von Experten eine immer wichtige Rolle.
Die deutsche Tochter von HSBC hat ihre Private-Banking-Sparte Finanzkreisen zufolge bereits vor einiger Zeit zum Verkauf gestellt hat. HSBC erklärte auf Anfrage: „Wir prüfen Optionen, aber es ist noch keine Entscheidung gefallen.“
ABN Amro hatte die Bethmann Bank 2004 von der Hypovereinsbank übernommen. Zwei Jahre zuvor hatten die Niederländer bereits die Kölner Privatbank Delbrück gekauft. Durch den Kauf von Hauck Aufhäuser Lampe, der im ersten Quartal 2025 abgeschlossen werden soll, wird Deutschland für die Niederländer nun zum zweitwichtigsten Markt.
Perspektivisch ist ABN Amro auch offen für weitere Übernahmen in Deutschland. „ABN Amro hat bei vielen Gelegenheiten betont, für Akquisitionen von Unternehmen und Kundenportfolios im deutschen Wealth-Management-Markt bereit zu stehen“, bekräftigte die Sprecherin der deutschen ABN-Tochter Bethmann.