1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Banken + Versicherungen
  4. Banken
  5. Übernahme: ABN Amro kauft Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe

ÜbernahmeABN Amro kauft Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe

Für 672 Millionen Euro übernehmen die Niederländer das traditionsreiche deutsche Geldhaus von einem chinesischen Konzern. Hauck Aufhäuser Lampe soll nun mit einer anderen Bank verschmolzen werden.Andreas Kröner, Michael Maisch 29.05.2024 - 04:40 Uhr aktualisiert
ABN-Amro-Zentrale in Amsterdam: Für die Niederländer wird Deutschland zum zweitgrößten Markt.  Foto: REUTERS

Frankfurt. Es ist die größte Fusion am deutschen Bankenmarkt seit Langem: Die niederländische ABN Amro kauft für 672 Millionen Euro die Frankfurter Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe und legt diese mit ihrer deutschen Tochter Bethmann zusammen. Damit setzt sich in Deutschland die Konzentration im Geschäft mit wohlhabenden Kunden fort.

Durch die Übernahme werden die Institute nach eigenen Angaben zum drittgrößten Vermögensverwalter in Deutschland mit einem betreuten Vermögen von rund 70 Milliarden Euro. Vor ihnen liegen nur noch die Deutschen Bank und die Commerzbank.

ABN Amro hat sein Geschäft in Nordwest-Europa in den vergangenen Jahren bereits durch mehrere Übernahmen ausgebaut. Durch den Kauf von Hauck Aufhäuser Lampe, der im ersten Quartal 2025 abgeschlossen werden soll, wird Deutschland für die Niederländer nun zum zweitwichtigsten Markt.

„Die Übernahme von Hauck Aufhäuser Lampe in dem für uns zentralen deutschen Markt fördert unsere Wachstumsambitionen und demonstriert unser langfristiges Interesse, unsere Marktposition in dieser wichtigen Region strategisch auszubauen“, sagte ABN-Amro-Vorstandschef Robert Swaak am Dienstag.

Die Bethmann Bank kam zuletzt auf ein verwaltetes Vermögen von rund 44 Milliarden Euro, Hauck Aufhäuser Lampe auf 26 Milliarden Euro. Der bisherige Eigentümer von Hauck Aufhäuser Lampe, die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun, war Finanzkreisen zufolge schon länger auf der Suche nach einem Käufer – und steigt dank der Vereinbarung mit ABN Amro nun mit Gewinn aus.

Chinesischer Eigner baut Schulden ab

Als Fosun 2015 die Mehrheit an Hauck & Aufhäuser erwarb, sorgte das für großen Wirbel: Es war das erste Mal, dass eine deutsche Bank von einem chinesischen Investor gekauft wurde. Das von Milliardär Guo Guangchang gegründete Konglomerat schloss die Übernahme 2016 ab und zahlte dafür 210 Millionen Euro.

Vier Jahre später übernahm Hauck & Aufhäuser das Bankhaus Lampe, das damals zum Oetker-Konzern gehörte, und bezahlte dafür Finanzkreisen zufolge zwischen 200 und 300 Millionen Euro. Statt weiter zu expandieren, treibt Fosun nun aber eine Konsolidierung seiner Beteiligungen voran. Dabei verkaufen die Chinesen auch Vermögenswerte, um Schulden abzubauen.

Im europäischen Finanzsektor bleibt Fosun aber weiter aktiv. In Deutschland gehört dem Investor noch die Frankfurter-Leben-Gruppe, eine Spezialgesellschaft für Altbestände an Lebensversicherungen. Zudem behält der Investor die luxemburgischen und irischen Töchter von Hauck Aufhäuser Lampe im sogenannten Asset Servicing, also bei Dienstleistungen rund um Fonds.

Im Gegensatz zu den deutschen Großbanken läuft die Konsolidierung bei den Privatbanken seit Jahren. 2019 schluckte die Münchener Merkur Bank die fränkische Bank Schilling. Das Traditionshaus Merck Finck gehört inzwischen zur Quintet Private Bank, der ehemaligen Luxemburger Bankengruppe KBL.

Im Gegensatz zu den deutschen Großbanken läuft die Konsolidierung bei den Privatbanken seit Jahren. 2019 schluckte die Münchener Merkur Bank die fränkische Bank Schilling. Das Traditionshaus Merck Finck gehört inzwischen zur Quintet Private Bank der ehemaligen Luxemburger Bankengruppe KBL. Die Hamburger Privatbank M.M. Warburg erwägt ebenfalls einen Verkauf.

ABN Amro selbst hatte die Bethmann Bank 2004 von der Hypovereinsbank übernommen. Zwei Jahre zuvor hatten die Niederländer bereits die Kölner Privatbank Delbrück gekauft.

Es sei Teil der Strategie, andere Privatbanken aufzukaufen, sagte Stefan Meine, Mitglied der Geschäftsleitung von ABN Amro in Deutschland, am Dienstag. So könne das Institut Größenvorteile nutzen und dem hohen Konkurrenzdruck in der Vermögensverwaltung in Deutschland trotzen. „Es ist ein sehr, sehr kompetitives Wettbewerbsumfeld, weshalb Konsolidierung absolut sinnvoll ist.“

Experte rechnet mit weiteren Zusammenschlüssen

Marc Buermeyer von der Beratungsgesellschaft ZEB rechnet in dem Bereich mit weiteren Zusammenschlüssen. Dieser Trend werde vor allem von Plattformsynergien und Nachfolgethemen getrieben, sagte er. „Gleichzeitig sehen wir aber auch den Markteintritt neuer Spieler.“ Dabei gehe es insbesondere um zwei Kategorien: um ausländische Privatbanken, die eigene Teams aufbauten, sowie um digitale Private-Banking-Anbieter.

Auch große Universalbanken wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und JP Morgan wollen in der Vermögensverwaltung in Deutschland zulegen. Das Geschäft wächst schließlich und verspricht zudem stabile Gebühreneinnahmen, die unabhängig von der Zinsentwicklung sind.

„Wir respektieren den Wettbewerb, aber wir sind nicht schüchtern“, betonte ABN-Amro-Manager Meine. Er hat den Eindruck, dass sich viele vermögende Kunden bewusst nicht von Universalbanken oder Investmentbanken beraten lassen wollen, sondern lieber von einer „echten Privatbank. Die Nachfrage danach ist groß.“

Deutschland gilt als attraktiver Markt für die Betreuung reicher Privatkunden. 2022 bezifferte ZEB den Wert des im Private-Banking-Markt verwalteten Kapitals in Deutschland auf 7,2 Billionen Euro. Das Vermögen von Kunden mit liquiden Anlagen von mehr als 500.000 Euro sei damit seit 2017 um durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr gestiegen, erklärte ZEB in einer Studie. Das eröffnet den Banken ein Ertragspotenzial von knapp 17 Milliarden Euro.

Allerdings stehen die Margen wegen der harten Konkurrenz seit Jahren unter Druck. Laut der Studie konnten die neun untersuchten deutschen Privatbanken ihr Ergebnis von 2017 bis 2021 nur dank des gestiegenen Kundenvermögens ausbauen.

Bethmann versorge Goethe mit Finanzmittel

Durch die Fusion mit Hauck Aufhäuser Lampe verspricht sich die Bethmann Bank Synergien von 60 Millionen Euro. „Es geht primär nicht um Kostensynergien, sondern um gemeinsames Wachstum in den kommenden Jahren“, sagte Bethmann-Chef Hans Hanegraaf.

Er wollte sich jedoch nicht konkret dazu äußern, wie sich die Synergien aufteilen und wie viele der zusammen knapp 2000 Stellen bei beiden Banken im Zuge der Verschmelzung wegfallen könnten. Auch zum Namen des fusionierten Instituts hielt er sich bedeckt, versprach jedoch, „mit Respekt mit den Marken umzugehen“.

Beide Fusionspartner blicken auf eine lange Geschichte zurück. Das Bankhaus Gebrüder Bethmann wurde 1748 in Frankfurt von der Kaufmanns- und Bankierfamilie Bethmann gegründet. Mit einer Teilschuldverschreibung für das österreichische Kaiserhaus legte das Geldhaus 1778 den Grundstein für den deutschen Rentenmarkt.

Verwandte Themen
Deutschland
Niederlande

Viele wichtige Persönlichkeiten der Epoche vertrauten dem Frankfurter Bankhaus ihr privates Vermögen an. Dazu zählten neben Kaiserin Maria Theresia und Zar Alexander auch Johann Wolfgang von Goethe, der auf seiner Italienreise vor allem vom Bankhaus Bethmann mit Finanzmitteln versorgt wurde.

Die Geschichte von Hauck Aufhäuser Lampe begann im Jahr 1796. Zu den größten Erfolgen des Instituts gehört der Börsengang der Farbwerke Höchst, den sein damaliger Chef Otto Hauck 1888 maßgeblich vorangetrieben hatte.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt