Bankenkrise: Vertrauenskrise bei der First Republic größer als gedacht
Die US-Regionalbank ist weiterhin angeschlagen.
Foto: ReutersNew York . Der Bankrun bei der First Republic Bank (FRB) aus San Francisco war offenbar dramatischer als zunächst angenommen. Kunden des Instituts zogen im März Einlagen in Höhe von knapp 100 Milliarden Dollar ab, wie die Bank am Montagabend bei der Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen mitteilte.
Die gesamten Einlagen liegen nun noch bei 104,5 Milliarden Dollar und beinhalten 30 Milliarden Dollar, die elf große US-Banken Mitte März bei der First Republic geparkt hatten. Rechnet man diese den restlichen Einlagen zu, fällt der Einlagenrückgang geringer aus. Die Abflüsse hätten sich im April aber deutlich verlangsamt, versicherte First Republic.
Doch die Sorgen über die Stabilität des Instituts sind nun zurück. Die Aktie brach nachbörslich über 20 Prozent ein und hat seit Anfang des Jahres rund 90 Prozent an Wert verloren. Die Bank kündigte an, jeden vierten Arbeitsplatz zu streichen. Das Management um CEO Mike Roffler gab sich in der wichtigen Analystenkonferenz im Anschluss an die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse überraschend wortkarg. Sie dauerte nur knapp eine Viertelstunde, Fragen wurden nicht zugelassen.
Schon seit Wochen sucht die First Republic Bank nach einem Käufer oder „anderen strategischen Optionen“, wie es in der Bank heißt. Doch eine Lösung ist noch nicht in Sicht. Das Geldhaus war nach der Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) und der New Yorker Signature Bank unter Druck geraten.
First Republic hatte, ähnlich wie die SVB, einen großen Anteil vermögender Kunden, die ihre Einlagen aus Sorge vor Übersprungseffekten schnell abzogen. In den USA sind Einlagen bis zu 250.000 Dollar pro Kunde und Bank versichert. Auch Mark Zuckerberg soll Kunde der First Republic gewesen sein, wie das „Wall Street Journal“ berichtete. Die Bank soll ihm eine Hypothek gewährt haben.
Zusätzliche Kosten durch mehr Regulierung
Regionalbanken stehen Branchenkennern zufolge vor schwierigen Zeiten. Die steigenden Zinsen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) haben zu teils deutlichen Buchverlusten in den Anleiheportfolios der Banken geführt. Eine Reihe kleinerer Institute gab im ersten Quartal an, dass Kunden Einlagen abgezogen haben.
Dadurch geht ihnen eine günstige Finanzierungsquelle verloren, die einst ein Eckpfeiler ihres Geschäftsmodells war. „Regionalbanken werden den Sparern deutlich höhere Zinsen zahlen müssen, um sie zu halten oder um neue Kunden zu gewinnen“, gibt Rebel Cole, Finanzprofessor an der Florida Atlantic University, zu bedenken. Auch müssen sich Institute auf steigende Kreditausfallraten einstellen, vor allem bei Büro-Immobilien.
US-Präsident Joe Biden fordert zudem strengere Regulierungen für regionale Institute, was die Kosten zusätzlich in die Höhe treiben wird. Cole rechnet mit einer Fusionswelle, weil einige von ihnen unter den derzeitigen Gegebenheiten nicht mehr profitabel arbeiten könnten.
Die Fed hat nach der Pleite der SVB und der Signature Bank ein neues Kreditprogramm gestartet, um die Regionalbanken zu stützen. Dort können die Institute Anleihen zum Nennwert als Sicherheiten hinterlegen und Kredite erhalten, um ihre Liquidität zu stärken. Auch First Republic hat davon Gebrauch gemacht, wie das Institut am Montag mitteilte. Mittelfristig könnte das die Bank jedoch in zusätzliche Schwierigkeiten bringen, warnen Analysten.
So zahlt die Bank Zinsen auf die Kredite der Fed und anderer Programme von drei bis fünf Prozent. Die First Republic hat sich in den vergangenen Jahren auf Hypotheken spezialisiert und hält diese in ihren Büchern. Vor der Zinswende lagen die Zinsen bei unter drei Prozent. Dadurch könnte die Bank auf ihre Verbindlichkeiten mehr zahlen müssen, als sie durch die von ihr vergebenen Kredite einnimmt.
Überfordert der Zinsanstieg die Banken?
In den USA werden Hypotheken in der Regel zu einem festen Zinssatz mit einer Laufzeit von 30 Jahren vergeben. Die Fed hat die Zinsen in den vergangenen 13 Monaten im Rekordtempo auf die Spanne von 4,75 bis 5,0 Prozent angehoben und damit eine lange Niedrigzinsphase beendet. Ökonomen halten es für möglich, dass die USA nun am Anfang einer Kreditklemme stehen.
Die hohen Zinsen hätten die Banken ohnehin schon vorsichtiger bei der Kreditvergabe gemacht. Das habe sich seit der Pleite der SVB noch verstärkt und könnte die Wahrscheinlichkeit einer Rezession deutlich erhöhen, glaubt Torsten Slok, Chefökonom des Private-Equity-Investors Apollo. Gerade Regionalbanken sind wichtig für die Kreditvergabe an Haushalte und den Mittelstand, so der Analyst.