Kommentar zur Bankenkrise: Ruhe vor dem nächsten Sturm

Dank dem entschlossenen Eingreifen von Regulierern und Regierungen in den USA genauso wie in der Schweiz wurde ein Überspringen der Krise auf andere Institute verhindert.
Foto: dpaDer Sturm, der im März über die Bankenwelt hereingebrochen ist, ist erst einmal vorbei. Amerikas Großbanken senden nach der Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) und der New Yorker Signature Bank Signale der Stärke. Bei den regionalen Instituten, die im Zentrum dieser Krise stehen, sind die größten Abflüsse an Kundengeldern gestoppt. In Europa erwarten Analysten nach dem Notverkauf der Credit Suisse an die UBS ein starkes erstes Quartal für die Finanzhäuser.
Dank dem entschlossenen Eingreifen von Regulierern und Regierungen in den USA genauso wie in der Schweiz wurde ein Überspringen der Krise auf andere Institute verhindert. Das „Lehman-Moment“, als sich die Insolvenz der US-Bank 2008 wie ein Lauffeuer über das globale Finanzsystem ausgebreitet hatte, blieb diesmal aus. Das ist die gute Nachricht.
Die schlechte Nachricht: Die Bankenkrise ist noch nicht vorbei. Wir erleben vielmehr die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Auch 2008 entfalteten sich die Probleme phasenweise.
Bankenkrise: Bankenpleiten in USA führen zu Kreditklemme
Die Bankenpleiten in den USA haben Ökonomen zufolge zu einer Kreditklemme geführt. Vor allem kleinere Institute, die für einen Großteil der Kreditvergabe verantwortlich sind, sind noch vorsichtiger geworden, als sie es ohnehin schon waren. Wie stark ein Rückgang der Kreditvergabe die größte Volkswirtschaft der Welt in einer Zeit trifft, in der die Notenbank die Zinsen weiter anheben und die Wirtschaft zusätzlich bremsen wird, wird sich erst in einigen Monaten zeigen.
Ebenso wie die Antwort auf die Frage, wo im Finanzsystem wir die nächste Krise sehen werden. Die Probleme bei Büroimmobilien könnten zum nächsten großen Thema werden. US-Banken haben bereits ihre Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite erhöht.
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Unklar ist auch, ob der neue Eigentümer der SVB die Rolle als wichtiger Finanzier von Start-ups und Risikokapitalgebern weiter erfüllen kann. Die First Citizens Bank aus North Carolina übernahm die SVB, hat jedoch kaum Expertise mit Technologie-Unternehmen und sorgt sich vor „Klumpenrisiken“ in der Bilanz, wie Peter Bristow, Präsident der First Citizens im Gespräch mit der „Financial Times“ betonte. Auch in Amerikas sogenannter „Innovationsökonomie“ könnte sich also eine Kreditklemme abzeichnen.
Doch Aufseher sollten auch an anderer Stelle wachsam sein. Krisen tauchen oft dort auf, wo man sie am wenigsten erwartet.
Erstpublikation: 24.04.2023, 04:12 Uhr.