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Deutsche BankEx-Chef Josef Ackermann teilt aus

Der ehemalige Chef der Deutschen Bank verteidigt sein Erbe. Über seine Nachfolger bei der Deutschen Bank will er nicht sprechen. Eigentlich.Yasmin Osman 05.07.2023 - 11:50 Uhr Artikel anhören

Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef kritisiert die Entwicklung des Geldinstituts, das er selbst zwischen 2002 und 2012 leitete.

Foto: dpa

Frankfurt. Mit Finanzkrisen ist der frühere Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bestens vertraut. In der Schweiz erklärt er seinen Landsleuten gerade häufig, wie es zum Niedergang der Großbank Credit Suisse kommen konnte, die im März mit der UBS notfusioniert werden musste. In Deutschland galt Ackermann lange als der Manager, der die Deutsche Bank scheinbar unfallfrei durch die Finanzkrise 2008 steuerte – dafür wurde er von den Aktionären des Instituts 2012 mit Ovationen verabschiedet. 

Das Bild bekam Kratzer, als die Bank sich nach der Finanzkrise in einen Sanierungsfall verwandelte, weil sie wegen der zahlreichen Skandale und Gesetzesverstöße unter Ackermanns Führung zu einer Milliardenstrafe nach der nächsten verdonnert wurde.

Auf der Frankfurter Finanzkonferenz Euro Finance Summit ist davon wenig zu spüren. Die Sitzreihen im Tagungsraum sind bestens gefüllt – und das am späten Montagnachmittag. Der Applaus ist wohlwollend, als der Schweizer die Bühne betritt. 

Das ist nicht selbstverständlich. Ackermanns Erbe wird mittlerweile auch in der Bank selbst von vielen kritisch gesehen. Als Christian Sewing, Nachfolger Nummer drei von Ackermann, neulich seine Erfolge bei der Sanierung des Instituts hervorheben will, sagte er, die Deutsche Bank stehe heute viel stabiler da als zur Zeit seines Vorgängers Ackermann. Sie hätte mehr Kapital und mehr Liquidität als damals. „Hat er recht?“, fragt der Moderator.

Ackermann ist ein Mensch, der kräftig austeilen kann. Über die Credit-Suisse-Krise sagt er ohne Umschweife, die Schweiz habe bei der Aufsicht über die Credit Suisse versagt. Die Probleme der Credit Suisse seien alle bekannt gewesen, die Aufsicht habe die Dinge aber zu lange laufen lassen. Und er kritisiert ganz generell, dass Bankenaufseher und Bankenregulierer sich in den vergangenen Jahren zu sehr darauf konzentriert hätten, Banken abwickelbar zu machen. „Daran habe ich nie geglaubt“, sagt Ackermann. Man müsse so ein Szenario „ex ante“ verhindern.

Ackermann kritisiert geschrumpftes Investmentgeschäft

Für seine Antwort über die Deutsche Bank holt er deutlich länger aus. „Alle Banken sind robuster geworden“, sagt er. Dafür habe die Regulierung gesorgt, mehr Kapital und mehr Liquidität eingefordert. 

Dann wird der 75-Jährige grundsätzlicher. „Wir wollten natürlich immer eine Bank bauen, die global vorne dabei ist“, sagt er. Man müsse sich fragen: „Will man eine Bank, die klein und robust ist? Oder will man eine Bank, die auch robust ist, aber die auch global und von der Profitabilität her mitspielt?“ In den Ranglisten der Investmentbanker komme die Deutsche Bank praktisch nicht mehr vor, amerikanische Institute dominierten das Geschäft. Dabei hätten die jüngsten Krisen doch gezeigt, wie gefährlich Abhängigkeiten sein könnten.

Zu dieser Kritik am gestutzten Investmentbanking der Deutschen Bank muss man wissen: Bankenaufseher diesseits und jenseits des Atlantiks hatten nach Ackermanns Abschied enorm viel Druck auf die Bank ausgeübt, das skandalgeschüttelte Investmentbanking auf ein beherrschbares Maß zu stutzen. Ackermanns Nachfolger Anshu Jain hat sich lange dagegen gesträubt und hielt sich nur drei Jahre im Amt. Erst Nach-Nach-Nachfolger Sewing hat die Sparte nennenswert geschrumpft.

Bis zu diesem Moment hat Ackermann noch keinen seiner Nachfolger namentlich kritisiert. Das gehört sich auch nicht, findet er. „Wer mich kennt, weiß, ich habe nie über Vorgänger und nie über Nachfolger geredet. Dieser Trend, andere anzuschwärzen, um das eigene Grau etwas heller erscheinen zu lassen, das war nie mein Charakterzug“, sagt er. Da wolle er sich treu bleiben.

Harsche Kritik an Ex-CEO John Cryan

Wie er über die Leistungen seiner Nachfolger denkt, macht er subtiler deutlich. Etwa, wenn er die Aufwärtsentwicklung des Dax seit seinem Abschied gegen die Abwärtsentwicklung des Börsenwerts der Bank abgrenzt. Oder wenn er beiläufig erwähnt, dass er mittlerweile all seine Deutsche-Bank-Aktien verkauft habe, „die letzten für 35 Euro“. Das muss viele Jahre her sein, heute notiert die Aktie knapp unter zehn Euro.

Ackermann bleibt seinen Grundsätzen über Nachfolger und Vorgänger noch drei weitere Minuten treu. Dann erlaubt er sich doch noch einen Seitenhieb. Er hoffe sehr, dass die Deutsche Bank wieder Anschluss finde. „Dafür möchte ich positiv vermerken, dass nach den katastrophalen Jahren von 2016 bis 2018 unter einem CEO, den ich jetzt nicht nennen möchte, Sewing das deutlich besser macht und wieder nach vorne schauen kann.“

Cryan versuchte als CEO, offen mit den Problemen der Ackermann-Zeit umzugehen.

Foto: dpa

In den laut Ackermann „katastrophalen Jahren 2016 bis 2018“ führte der Brite John Cryan die Bank. Er war der Erste, der die Fehler und Probleme der Ära Ackermann offen ansprach und scharfe Kritik übte. In dieser Zeit forderte die Deutsche Bank von den verantwortlichen Managern der Ära Ackermann und der Ära Jain auch einen Teil von deren Bonuszahlungen zurück.

Ackermanns Urteil über Sewing klingt im Vergleich dazu freundlicher. Dass ein erheblicher Teil des 2022 erzielten Gewinns der Bank einer Steuergutschrift zu verdanken war sowie hohen Gewinnen aus dem so oft gescholtenen Kapitalmarktgeschäft, hatte er allerdings schon wenige Minuten vorher beiläufig erwähnt.

Selbstkritik übt der Schweizer während seines fast 40-minütigen Vortrags nicht – mit einer Ausnahme. Sie betrifft das von ihm einmal ausgegebene Ziel, eine Rendite von 25 Prozent erzielen zu wollen. Das sorgte für Aufregung, weil die Bank zur selben Zeit den Abbau vieler Stellen ankündigte. 

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Das 25-Prozent-Ziel an sich stellt Ackermann aber nicht infrage. Das sei damals international üblich gewesen. Im Ausland hätte man ihm vorgeworfen, 25 Prozent seien nicht ehrgeizig genug. Aber „wenn ich selbstkritisch bin, hätte ich nicht 25 Prozent gesagt, sondern vier Milliarden Euro. Das wäre vielleicht verkraftbar gewesen.“

Erstpublikation: 04.07.2023, 09:35 Uhr.

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