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Deutsche BankPersonal-Chef Michael Ilgner wirft hin

Kritik an seiner Arbeit kosten den Manager Insidern zufolge seinen Posten. Sein Abschied ist auch für Vorstandschef Christian Sewing ein Rückschlag.Yasmin Osman und Michael Maisch 03.07.2023 - 16:05 Uhr Artikel anhören

Der ehemalige Chef der Deutschen Sporthilfe ist seit 2020 Personalchef bei der Deutschen Bank. Jetzt verliert er seinen Posten.

Foto: obs

Frankfurt. Vor rund drei Jahren hat ihn Vorstandschef Christian Sewing persönlich zur Deutschen Bank geholt. Jetzt räumt Personalleiter Michael Ilgner seinen Posten. „Nach sehr bereichernden dreieinhalb Jahren habe ich mich entschlossen, die Bank zu verlassen und meine Verantwortlichkeiten bis Ende Juli zu übergeben“, heißt es in einer internen E-Mail Ilgners an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dem Handelsblatt vorliegt.

Ilgner habe „eine wertvolle externe Perspektive in unsere Personalstrategie eingebracht“, lobten Sewing und Organisationsvorständin Rebecca Short den scheidenden Manager. Ilgner habe die Personalstrategie weiterentwickelt und sei wichtiger Partner des Vorstands gewesen, teilte die Bank am Abend offiziell mit.

Handelsblatt-Informationen zufolge stand der frühere Chef der Deutschen Sporthilfe allerdings seit einigen Monaten intern unter erheblichem Druck. Für das Aus des Personalchefs benennen Insider drei unterschiedliche Faktoren: Unzufriedenheit über Ilgners Leistungen als Personalchef, ein regelwidriges Wertpapiergeschäft des Managers sowie seine gestutzten Karriereaussichten seit dem jüngsten Vorstandsumbau.

Ilgners Abschied ist auch für Vorstandschef Christian Sewing ein Rückschlag. Er hatte Ilgner 2020 von der Deutschen Sporthilfe zur Deutschen Bank gelotst. Ilgner galt damit als ein Vertrauter Sewings. 

Vor allem aus dem Gewerkschaftslager gab es wiederholt Kritik an seiner Amtsführung, hieß es in Finanzkreisen. „Er hat im operativen Bereich keine gute Figur abgegeben“, sagt ein Kritiker. Er habe unter anderem zu wenig gegen die mittlerweile schlechte personelle Ausstattung der Personalabteilung unternommen.

Deutsche Bank: Michael Ilgner soll gegen interne Regeln verstoßen haben

Zusätzlich geschwächt hat Ilgner seine Position durch Wertpapiergeschäfte, die gegen die internen Regeln der Bank verstoßen haben. „Juristisch hätte das für eine Trennung nicht ausgereicht, hilfreich war es aber auch nicht“, sagte ein Insider.

Ende April wurde bekannt, dass Ilgner wegen eines regelwidrigen Anleihegeschäfts Sanktionen drohen. Er hatte am 18. April dieses Jahres – und damit eine Woche vor Veröffentlichung der Quartalszahlen seines Arbeitgebers – Anleihen im Wert von über 200.000 Euro gekauft. 

Damit hatte der Personalchef gegen interne Richtlinien des größten heimischen Geldhauses verstoßen. Die Regeln der Deutschen Bank verbieten hochrangigen Managern in den acht Wochen vor der Zahlenvorlage Geschäfte mit Wertpapieren des Instituts. In Finanzkreisen hieß es damals, es gebe keine Anhaltspunkte, dass Ilgner böswillig gehandelt habe.

Die Frage, wer Personalchef ist, hat seit dem jüngsten Vorstandsumbau an Bedeutung gewonnen. Mit Organisationsvorständin Rebecca Short hat eine Neuseeländerin im Vorstand den Posten der Arbeitsdirektorin übernommen. Mit den Fallstricken der deutschen Mitbestimmung und des deutschen Arbeitsrechts kennt sich die Managerin kaum aus. Umso wichtiger ist es aus Sicht mancher Kritiker, dass der unter ihr angesiedelte Personalchef über jeden Zweifel erhaben ist.

Der Vorstandsumbau hatte ohnehin Fragen zu Ilgners Zukunft bei der Bank aufgeworfen: Ursprünglich war vorgesehen, dass der Manager nach einer gewissen Einarbeitungszeit in den Vorstand des Geldhauses aufrückt. Die Bankenaufsicht hatte dem Vernehmen nach allerdings Zweifel an der Vorstandsbefähigung Ilgners, da diesem der Bank-Hintergrund fehlte.

Getrübte Karrierechancen

Auch Ilgners Karriereerwartungen bei der Bank haben sich nicht erfüllt: Mit dem jüngsten Vorstandsumbau ist die Personalverantwortung im Vorstand nun auch noch von Sewing zur neuen Organisationsvorständin Short gewandert. Ilgners Weg in den Vorstand war damit ohnehin auf absehbare Zeit verbaut.

In seiner persönlichen E-Mail ging Ilgner auf die organisatorischen Veränderungen ein, durch die die Personalabteilung in den Organisationsbereich wandert. Er sehe das „als einen geeigneten Zeitpunkt, mich extern neu zu orientieren und meine bisherigen Aufgaben für die nächste Phase in der Entwicklung unserer Personal- und Immobilienstrategie an eine neue Führung zu transferieren“, sagte er.

Wer auf Ilgner folgt, ist unklar. Vorstandschef Sewing und Organisationsvorständin Short kündigten einen „umfassenden Auswahlprozess mit internen und externen“ Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge Ilgners an.

Rückschlag für Deutsche Bank-Vorstandschef Christian Sewing

Auch für Vorstandschef Christian Sewing ist Ilgners glücklose Karriere bei der Deutschen Bank unangenehm – und das nicht nur, weil der Sprung ins Vorstandsressort nicht glückte. Vor allem das Wertpapiergeschäft und der Umgang der Bank damit ist für Sewing heikel.

Denn Ilgners Wertpapiergeschäft ist nicht der erste Vorgang, bei dem ein hochrangiger Manager mit gutem Draht zu Sewing gegen interne Regeln verstoßen hat. In der Vergangenheit zog das Institut daraus nicht immer zeitnah Konsequenzen.

So soll das Institut schon dem im vergangenen Jahr entlassenen Chef der Vermögensverwalter-Tochter DWS, Asoka Wöhrmann, mehrere merkwürdige Vorgänge ohne Konsequenzen durchgehen lassen haben. Etwa den Kauf eines Porsches, den ein Geschäftspartner der Bank eingefädelt hatte. Oder die Nutzung privater E-Mails im beruflichen Kontext. Der laxe Umgang mit diesen Vorfällen soll zum vermeintlich freiwilligen Abschied von Vizechef Karl von Rohr zumindest beigetragen haben.

Auch für Christian Sewing ist das ein Rückschlag.

Foto: dpa

Im vergangenen Jahr musste die Bank außerdem – wie auch andere Finanzinstitute – eine Strafe in dreistelliger Millionenhöhe zahlen, weil Mitarbeiter sich unerlaubterweise über Messenger-Apps über geschäftliche Angelegenheiten ausgetauscht hatten. Die Vorstände der Bank verzichteten wegen dieser Verfehlungen im vergangenen Jahr freiwillig auf je 75.000 Euro ihrer variablen Vergütung. WhatsApp soll auch von sehr hochrangigen Managern der Bank wie der DWS unerlaubterweise genutzt worden sein. 

Im Falle Ilgner hatte das Institut mitgeteilt: Die Deutsche Bank habe klare Regeln und Kontrollen für persönliche Wertpapiergeschäfte ihrer Beschäftigten. „Mögliche Verstöße gegen diese Regeln werden konsequent geprüft und gegebenenfalls sanktioniert. Unabhängig von Hierarchien nehmen wir diese Prinzipien sehr ernst, auch in diesem Fall.“

Seit dem Amtsantritt von Aufsichtsratschef Alex Wynaendts im vergangenen Mai werden Verstöße gegen Vorschriften härter oder zumindest öffentlichkeitswirksamer sanktioniert. So hat der Aufsichtsrat eine bestimmte Bonuskomponente bei allen Vorständen für das vergangene Jahr um fünf Prozent gekürzt, weil das Institut aus seiner Sicht die aufsichtsrechtlichen Defizite nicht schnell genug beilegt.

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Erstpublikation: 30.06.2023, 19:39 Uhr.

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